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Förderpreis 2010 des BDA Berlin für junge Architekten entschieden


ehemaliges Pumpwerk in Berlin-Neukölln 

(22.11.2010) Der Bund Deutscher Architekten, Landesverband Berlin e.V. hat am 19. November 2010 in Berlin zum 7. Mal den Hans Schaefers Preis verliehen. Der Verband würdigt damit herausragende architektonische Leistungen junger Berliner Architektinnen und Architekten, die auf besondere Weise der Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt Rechnung tragen. Schirmherrin ist die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer.

Die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Angelika Schnell aus Wien vergab den mit 5.000 Euro dotierten Preis zu gleichen Teilen an zwei engagierte Arbeiten im Bestand von sehr unterschiedler Größe und Herangehensweise. Besonders überzeugte die Jury hier die Intelligenz und Sorgfalt, mit der beide Verfasser das Thema "Umgang mit Geschichte" beispielhaft meisterten.

Nils Wenk wurde für seinen 2008 realisierten Umbau eines Pumpwerks in Berlin-Neukölln prämiert (siehe Google-Maps und/oder Bing-Vogelperspektive). Mit wenigen gezielten aber beherzten Eingriffen hat der Architekt den denkmalgeschützten Industriebau von 1925/26 in ein Atelierhaus mit Künstlerateliers, einer Wohnung sowie einer Galerie umgewandelt.

Umbau Pumpwerk in Berlin-Neukölln von Nils Wenk
Foto: Nils Wenk

Vorhandene Elemente wie die Krananlagen wurden dabei erhalten, in die neuen Nutzungen integriert und in ein Gestaltungskonzept eingebunden, das seine Wirkung aus der Reduktion auf wenige Elemente sowie homogene Flächen erzielt. Die Jury würdigte die Konsequenz und Genauigkeit, mit der sich Nils Wenk seiner Bauaufgabe stellte, ohne dabei dogmatisch oder übertrieben respektvoll gegenüber dem Bestand vorzugehen. Mit Souveränität im Ganzen und im Detail habe er die Raumwirkung des monumentalen Industriebaus zu höherer Komplexität gebracht - siehe auch Beitrag "Deubau-Preis 2010 entschieden" vom 12.7.2009.

Mit den ebenfalls preisgekrönten minimalen Interventionen "Autostazione Zeppieri" im italienischen Olevano Romano von Anne Boissel, welche 2008 und 2010 mit geringen Mitteln und im Eigenauftrag umgesetzt wurden, will die Jury junge Architektinnen und Architekten dazu auffordern, sich mit mutigen Projekten einzubringen:

Bitte , um Google-Maps / Google-StreetView aktivieren.

Das Preisgericht überzeugte der engagierte Umgang Boissels mit einem ehemaligen Busbahnhof aus den 50er Jahren, dessen historischer und kultureller Wert in Verbindung mit einer neuen Nutzung für die Bewohner des Dorfes verdeutlicht wurde. Anne Boissel setzte auf einfache Gestaltungsmittel. Mit Lichteffekten, reflektierenden Materialien aus dem Straßenbau sowie wenigen baulichen Maßnahmen rückte sie das Gebäude wieder in den Blickpunkt. In ihrer zweiten Installation nutzte Boissel die Wartehalle für eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes

zwei Neubauten in Berlin

MRT-Forschungsgebäude in Berlin-Buch von Johannes Löbbert und Johan Kramer
Foto vergrößern (Foto: Werner Huthmacher)
 

Auszeichnungen vergab die Jury auch an zwei Neubauten in Berlin. Johannes Löbbert und Johan Kramer wurden für das MRT-Forschungsgebäude in Berlin-Buch gewürdigt (Google-Maps). Das 2010 fertig gestellte Wissenschaftsgebäude überzeugte als klarer Kubus mit einheitlich gestalteter Fassade aus beweglichen metallischen Sonnenblenden sowie der Gliederung der verschiedenen Funktionsbereiche.

Die zweite Auszeichnung ging an Tim Bauerfeind und Henning von Wedemeyer (UT Architects) für die Ausbildungswerkstätten RZB e.V. (siehe Google-Maps) Bei dem Neubau für eine private Restauratorenschule wählten die Architekten eine großzügig verglaste zweigeschossige Holzskelettkonstruktion und Einbauten aus Fichtenholz. Hier überzeugten die Klarheit und Offenheit des Gebäudes und die Sorgfalt im Umgang mit dem Material.

Ausbildungswerkstätten RZB e.V. von Tim Bauerfeind und Henning von Wedemeyer (UT Architects)
Foto: Ulrich Schwarz

Das Preisgericht tagte am 1. November 2010. Zur Jury zählten die Architekten Prof. Bettina Götz, Thomas Kaup (Vorsitzender des BDA Berlin), Prof. José Gutierrez Marquez und Eike Roswag sowie die Architekturtheoretiker Prof. Dr. Angelika Schnell und Prof. Christopher Dell. 16 Projekte wurden für den Hans Schaefers Preis 2010 eingereicht. Neben verschiedensten Hochbauten fanden sich darunter vor allem auch städtebauliche und landschaftsplanerische Projekte.

Die feierliche Preisverleihung fand am 19. November 2010 um 19.30 Uhr im Haus Bethanien in Berlin-Kreuzberg statt.

Die im Rahmen der Nachwuchsförderpreise des BDA zeitgleich mit dem Hans Schaefers Preis ausgelobte Daniel Gössler Belobigung für herausragende architekturtheoretische Leistungen junger Berliner Architekten und Stadtplaner kann 2010 nicht vergeben werden, da keine der eingereichten Arbeiten den Teilnahmekriterien entsprach. Der BDA Berlin beabsichtigt, diesen Preis 2013 auf den deutschen Sprachraum auszuweiten.

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