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Schwarze Leichtbetonfassade in Berlin-Mitte

  • saugende Schalhaut "Westag RS spezial" vertraglich festgeschrieben

(26.8.2010) Ein kubischer Stahlbeton-Massivbau mischt das städtebauliche Erscheinungsbild in Berlin-Mitte auf und sorgt für Gesprächsstoff: Das Projekt "L40" (Linienstrasse 40, siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps) entstand im Rahmen eines vom Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa Luxemburg Platz e.V. initiierten Programms in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Cosima von Bonin.

Das von Roger Bundschuh, BundschuhBaumhauer Gesellschaft von Architekten mbH, und Cosima von Bonin entworfene sechsgeschossige Wohn- und Geschäftsgebäude kennzeichnet einen reizvollen Kontrast: Außen eine skulpturale Form mit monolithischen, schwarzen, weit auskragenden und übereinandergeschichteten Baukörpern. Dazu im Gegensatz Innen: drei und sieben Meter hohe, lichtdurchflutete Räume.

  • Das auf einem 4.500 m² großen Grundstück befindliche Gebäude
  • kostet den Auftraggeber, die Immobiliengesellschaft Albion GmbH, Berlin, ca. 3,5 Millionen Euro.
  • Baubeginn war im August 2008,
  • fertig wurde es Ende 2009.
  • Gegründet ist es auf einer Stahlbetonfundamentplatte 50-100 cm stark, dehnungsfugenlos mit erschütterungsdämpfender Polyurethanschaummatte auf Stahlbetonplatte, 25 cm stark.

Das Gebäude bietet Platz für neun Eigentumswohnungen mit Flächen von ca. 70 bis mehr als 300 Quadratmetern und außerdem im Erdgeschoss für drei Laden- bzw. Gewerbeeinheiten von 56 bis 152 Quadratmetern. L 40 entwickelte im Laufe seiner Entstehung eine interessante Eigendynamik. Denn es wurde größer und größer verwandelte sich schließlich, wie die Fachwelt formulierte, in eine Art skulpturale Architektur. Mit Birgit Steenholdt-Schütt, die sowohl Vorstand des Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. als auch Eigentümerin der Wohnhäuser am Südrand des Platzes ist, fand man eine verständnisvolle Bauherrin.

Mehrere Bauunternehmen waren seinerzeit aufgefordert, Bemusterungsflächen (Fassade) als spitze und stumpfe Ecken, Fensterausschnitte, usw. zu erstellen. Die Musterflächen des Bauunternehmens BSS Beton-System-Schalungsbau GmbH aus Berlin überzeugten die Architekten auf Anhieb. Das 1992 gegründete Spezialunternehmen für Schalungs- und Betonarbeiten zählt sich zu den leistungsstärksten Mittelständlern Berlins und bietet die gesamte Bandbreite, vom Rohbau bis zur schlüsselfertigen Erstellung komplexer Objekte. Die Herausforderungen der Architekten meisterte das Unternehmen auch dank der betontechnologischen Unterstützung der FBL Fläming Baustoff-Labor GmbH.

Das Architekturbüro BundschuhBaumhauer, so ist zu lesen, verfolgte auch bei L 40 den Anspruch, konzeptionell und ergebnisoffen zu planen. Völlig ohne vorgefasste formale oder ästhetische Grundsätze - denn nur so könne man elegante Formen und überzeugende Sichtbetonoberflächen entwickeln.

saugende Schalhaut "Westag RS spezial" vertraglich festgeschrieben

Dipl.-Ing. Hartmut Matthäus, verantwortlicher Bauleiter der BSS: "Es stellte sich heraus, dass dieses anspruchsvolle Projekt mit hinreichend gleichmäßiger Oberfläche nur mit einer saugenden Schalhaut erreichbar war. Als wir bei der ersten Musterfläche die Schaltafel 'RS spezial' als Unterscheidung zwischen zwei nichtsaugenden Platten ausschalten, entdeckten wir , das sie die weitaus bessere und dunklere Oberfläche und die geringsten Kalkausblühungen lieferte. Deshalb wurde die Verwendung der Westag RS spezial als Schalhaut vertraglich festgeschrieben. Allerdings mussten nach Auftragserteilung weitere Musterflächen hergestellt werden, denn die optimale Rezeptur des Leichtbetons herauszutesten gestaltete sich als ein aufwändiger Prozess".

Dipl.-Ing. Uwe Gassmann, Produktmanager der Westag & Getalit AG, begleitete und unterstützte die Baustelle: "Es wurden Versuche mit Innen- und Außenrüttlern, mit ungewässerten und gewässerten RS Spezial durchgeführt, das optische Bild der Schalungsstöße bzw. deren Abdichtung und die Befestigungssysteme erprobt und mehrfach verbessert. Auch dem Verhalten der Betonflächen bei Aufbringung eines Antigraffiti-Beschichtungssystems galt das Augenmerk".

TESTS, Tests, tests,...

Eine möglichst dunkle, fast schwarze und gleichmäßige Oberfläche mit einem natürlichen Erscheinungsbild hatten die Architekten festgeschrieben. Kalkausblühungen und Lunkerbildungen waren zu vermeiden, ebenso wie Farbunterschiede und glänzende Stellen, die das Erscheinungsbild ebenfalls hätten beeinträchtigen können. Auch das Fugenbild war definiert. In Labor-Vorversuchen wurden die unterschiedlichen Zementsorten, die Farben sowie die in Berlin üblichen Ausgangsstoffe erprobt. Dipl.-Ing. Edeltraud Hallmann, FBL: "Sichtbetonbaustellen sind besonders heikel, wenn Leichtbeton ins Spiel kommt. Eingefärbter Beton, wie bei diesem Bauvorhaben, erhöhten den Schwierigkeitsgrad deutlich".

Leichtbeton: Aufwändige Entwicklung

Mit der Entwicklung und Umsetzung eines optimalen Leichtbetons wurde die Firma Lichtner-Dyckerhoff beauftragt. Er sollte als Basis für eine konstruktiv, bauphysikalisch und wirtschaftliche Lösung sorgen. Nach umfangreichen Laboruntersuchungen entstand ein Konstruktions-Leichtbeton, der statt Sand und Kies entsprechende Anteile Liapor in adäquater Körnung und Mischung enthielt. Von dem Baustoff mit ...

  • einem hohen Zementanteil (CEM III/A 42,5) von 375 kg,
  • 2/10 mm Blähtonzuschlägen und
  • leichten 0/2 mm Natursanden,

... wurden insgesamt ca. 400 m³ eingebaut. Die schwarzen Farbpigmente wurden dem gemischten Beton im Transportbetonwerk beigegeben.

Hartmut Matthäus: "Da Leichtbeton bei Fallhöhen von mehr als einem Meter zur Entmischung neigt, mussten wir auf genaues Verdichten und einen sorgfältigen Einbau achten."


Sorgfalt auch auf der Baustelle

Die Westag-Schalhaut RS spezial wurde auf der Baustelle zugeschnitten und mit äußerster Sorgfalt von hinten auf eine MEVA–Rahmenschalung geschraubt. Die Erfahrungen mit RS spezial zeigte, das jede Herstellungscharge des eingefärbten Leichtbeton eine etwas andere Oberfläche ergab und jeder mögliche Kratzer auf der Schalhaut auch auf der Betonoberfläche sichtbar werden würde. Um also Nacharbeiten zu vermeiden war eine genaue und saubere Vorbereitung äußerst wichtig. Erschwerend kam hinzu, dass zeitweise auch bei ungünstiger Witterung betoniert werden musste.

Uwe Gassmann: "Jede Platte RS spezial kam nur einmal zum Einsatz um die geforderte gleichmäßige und dunkle Sichtbetonqualität sicherzustellen. Insgesamt betrug die Bruttoschalungsfläche ca. 2500 m². Unsere Westag RS spezial Großflächenschalungsplatte besteht aus hochverdichteten Holzwerkstoffen und weist eine geschliffene und saugende Oberfläche auf. Sie erwies sich als optimale Lösung bei diesem schwierigen Bauvorhaben, weil sie als vorbehandelte saugende Spezialschalung dem Beton während des Abbindevorgangs oberflächennahe Luft und Wasser entzieht und eine porenarme Struktur unterstützt. Nach dem Ausschalen wurden die Schaltafeln zeitweise als Schutz der Betonbauteile vor Beschädigungen genutzt. Nach übereinstimmender Überzeugung aller Beteiligten trug unsere Schalhaut auch durch die damit erzeugte matte Betonoberfläche erheblich zum guten Gelingen des Bauwerks bei."

Weitere Informationen zu RS spezial können per E-Mail an Westag Getalit angefordert werden.

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