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DGfM zur Nachhaltigkeit von Baustoffen und Bauweisen

<!---->(28.6.2010) Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau (DGfM) setzt sich dafür ein, das der Massivbau in der anhaltenden Nachhaltigkeitsdebatte eine aus ihrer Sicht realistische Bewertung erfährt. In einem Interview mit dem Fachmagazin "Der BauUnternehmer" wirbt der Verband offensiv dafür, die Bewertungskriterien zur Nachhaltigkeit von Baustoffen und Bauweisen transparent, praxistauglich und orientiert an realen Lebenszyklen zu gestalten.

Der Vorstandsvorsitzende der DGfM Dr. Hans Georg Leuck und der DGfM-Geschäftsführer Dr. Ronald Rast verweisen darauf, dass zur Bewertung der Nachhaltigkeit zum Beispiel alle Aufwendungen für ein gutes Raumklima als wesentliches Kriterium für die ganzjährigen Wohn- und Arbeitsbedingungen und Betreiberkosten über die reale Standzeit des Bauwerkes, also nicht nur über 50 Jahre, anzusetzen sind.

"Bezogen auf eine Standzeit von mehr als 80 Jahren sind Massivhäuser mindestens so ökologisch wie Holzhäuser", betont der DGfM-Vorstand seine Forderung mit den Ergebnissen einer Untersuchung der TU Dortmund. Hauptursache für die positive Gesamtbilanz des Massivbaus seien die Instandhaltungskosten. Denn in der ökologischen Langfristbetrachtung schlage der Mauerwerksbau die im Vergleich betrachtete Holzständerkonstruktion deutlich. Vor diesem Hintergrund kritisiert der DGfM-Geschäftsführer die recht einseitige politische Forderung, Holz verstärkt als Baustoff einzusetzen. Dass Bund und Länder die größten Waldbesitzer seien und daher ein entsprechendes Eigeninteresse haben, sollte nicht zu einer fragwürdigen Förderpolitik führen. Insbesondere dann nicht, wenn die für den Einsatz als Baustoff vorgesehenen Hölzer dann auch noch importiert werden. Es sei zum Beispiel gerade 100 Jahre her, da hat der schwedische König wegen verstärktem Holzeinschlag dazu aufgefordert, einen Baustoff zu entwickeln, der sich so wie Holz verarbeiten lässt und dessen Verwendung für Bauzwecke den weiteren Raubbau an den Wäldern verhindert. Diese Initiative führte dann zur Entwicklung und Patentierung des Baustoffes Porenbeton, der vor allem beim Eigenheimbau eine wichtige Bedeutung erlangt hat.

Ein weiteres Problem sieht die DGfM in der zurzeit noch zu eindimensionalen Ausrichtung der politischen Rahmen- und Förderbedingungen. So sei es vor dem Hintergrund von Klimawandel und demographischer Entwicklung nur sinnvoll, im Wohnungsbau die Kriterien Altersgerechtigkeit und Energieeffizienz gemeinsam zu fördern. "Es kann nicht nachhaltig sein, nur die Energieeffizienz staatlich zu fördern, wenn gleichzeitig die Funktionalität für Ältere, speziell die am schnellsten zunehmende Bevölkerungsschicht der über 80-jährigen, fehlt", legt Dr. Rast den Finger auf die Ausgestaltung der Programme der KfW. Natürlich setzt dies auch voraus, dass die sich selbst tragende KfW-Förderung nicht gänzlich der Rotstiftpolitik zum Opfer fällt.

Zudem müssten gesetzliche Vorgaben auch praxistauglich sowie einfach anwendbar sein und dürften nicht zu einer spürbaren Verteuerung des Bauprozesses führen. Die von der DGfM im vergangenen Jahr geäußerte Kritik am DGNB-Gütesiegel werde inzwischen von weiteren Verbänden und Institutionen geteilt (zur Erinnerung: Der DGfM hat Ende 2008 seine DGNB-Mitgliedschaft gekündigt). Die gemeinsame Forderung der Verbände der Aktion "Impulse für den Wohnungsbau" nach einem geeigneten Bewertungssystem für zukunftssichere Wohnbauten zeige inzwischen erste Erfolge, so Dr. Rast. Das Problem sei inzwischen vom Bauministerium erkannt worden. Das Ministerium habe nun gemeinsam mit Vertretern der Wohnungswirtschaft und anderen Verbänden dazu eine Arbeitsgruppe für nachhaltigen Wohnungsbau eingerichtet.

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