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Neu: das internationale Kernsystem der DGNB

Dr. Christine Lemaitre, DGNB-Geschäftsführerin
Dr. Christine Lemaitre, DGNB-Geschäftsführerin  

(23.6.2010; Consense-Bericht) Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen hat ihr Zertifizierungssystem auf internationale Anforderungen ausgebaut. "Die weltweite Anwendung des DGNB Zertifikats war von Anfang an unser Ziel," betont Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführerin der DGNB. Deshalb sei das System so aufgebaut, dass es eine rasche und vor allem transparente Adaptation an die Anforderungen anderer Länder und deren Baukultur erlaube.

Die Basis dafür bildet das neu geschaffene, internationale Kernsystem für die Zertifizierung nachhaltiger Gebäude. Alle DGNB Kriterien sind vollständig auf gesetzliche Vorgaben, Normen und technische Regelwerke der Europäischen Union ausgerichtet - was das DGNB Zertifikat von anderen Labels am Markt unterscheidet. Große Vorteile versprechen sich davon die internationalen Partnerorganisationen der DGNB, die gemeinsam mit der DGNB das Zertifizierungssystem an ihre jeweiligen Länder anpassen. Falls beispielsweise vor Ort keine Norm für die Anpassung eines bestimmten DGNB Kriteriums existiert, kann auf die Anforderungen im internationalen Kernsystem der DGNB zurückgegriffen werden. Auch bei wichtigen Berechnungen wie der Ökobilanzierung kann der entsprechende internationale Datensatz des Kernsystems genutzt werden, wenn es keine länderspezifischen Daten für einen Baustoff gibt.

Das DGNB System berücksichtigt nicht nur die aktuellen, sondern auch die zu erwartenden europäischen Normen in ihrer Struktur und Philosophie. Zu den EU-kon­formen Grundlagen gehört vor allem die lebenszyklusbezogene Betrachtungsweise eines Gebäudes, aber auch die Bewertung der Performance eines gesamten Bau­werks - und nicht nur die Bewertung einzelner Maßnahmen.

Vergleichbarkeit mit hohem Wert – für Investoren, Bauherren und Nutzer

Das DGNB System erlaubt eine größtmögliche Anpassung an länderspezifische Bau­kulturen und stellt gleichzeitig die Grundlage für eine länderübergreifende Vergleich­barkeit von Gebäuden bereit. Dabei orientieren sich die Anforderungen für ein DGNB Zertifikat in Bronze an der gängigen Baupraxis im jeweiligen Land, während für das DGNB Zertifikat in Gold ein einheitlicher internationaler Maßstab gilt, der klima- und marktbereinigt ist. Ein "Gold"-Gebäude in Südeuropa zeigt somit dieselbe Qualität wie ein "Gold"-Gebäude in Ostasien. Diese differenzierte Betrachtungsweise schaffe eine hohe Aussagekraft bei Bewertungen der Gebäudeperformance im internationalen Vergleich und sei ein Alleinstellungsmerkmal für das DGNB Zertifikat, betont die DGNB.


Das Österreich-Haus der olymischen Winterspiele in Vancouver, Kanada, erhält als erstes das DGNB Vorzertifikat in Silber von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilien-wirtschaft ÖGNI (dieses und die 2 folgenden Fotos: Ira Nicolai) (Bild vergrößern, Bild aus dem Beitrag "Neues DGNB-Zertifikats-Logo und erstes Gebäude in Kanada zertifiziert" vom 7.2.2010)

Qualitätssicherung durch ein International Board

Das DGNB System wird bereits mit Partnerorganisationen etwa in Bulgarien und China an die jeweiligen Märkte angepasst. "Viele weitere Länder haben Interesse angemel­det," beschreibt Lemaitre. Sie sähen den großen Vorteil, dass bei einer Zertifizierung nicht alle Gebäude in allen Ländern über einen Kamm geschoren würden, sondern die Unterschiede bei Klima, Baukultur und vielen anderen Punkten mit einflössen. Die Qualitätssicherung beim Adaptationsverfahren und bei der Anwendung des Zertifizie­rungssystems gewährleistet die DGNB mit einem international zusammengesetzten Gremium, dem International Board.

Ausbildung international

Auch die DGNB Ausbildung wird internationalisiert. Das englischsprachige Curriculum für den ersten Lehrgang steht bereits,   mehrere internationale Ausbildungslehrgänge sind in Planung. Vorgestellt wurde das internationale Kernsystem erstmals in Stuttgart auf der Consense, dem Jahreskongress der DGNB am 22. und 23. Juni 2010. Hier wurden auch neue Verträge für eine Kooperation mit Partnerorganisationen in der Schweiz, Ungarn und Thailand unterzeichnet sowie ein Memorandum zur Kooperation mit dem Russian Green Building Council.

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