Redaktion  || < älter 2010/1030-stahlbaupreis1 jünger > >>|  

Stahlbaupreis 2010 für gmp und das Cape Town Stadium

(21.6.2010) Bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika wird nicht nur ein sportlicher Titel ausgetragen, auch die Stadien selbst stehen im Wettbewerb. Eine Jury hat diesen jetzt (aus deutscher Sicht) entschieden: Sie krönte das Cape Town Stadium in Kapstadt (siehe auch Google-Maps) als exzellenten Botschafter für deutsche Architektur mit dem Preis des Deutschen Stahlbaues 2010:

Das Stadtbild von Kapstadt wird beherrscht von Tafelberg, Signal Hill und Atlantischem Ozean. Das am Fuße des Signal Hill in die Parklandschaft des Greenpoint Common eingebettete Stadion sollte in seiner Bauhöhe auf maximal 45 m begrenzt bleiben. Da der felsige Untergrund ein Absenken der unteren Ränge erschwerte, sahen die Architekten ein Plateau um das Stadion vor, das seine Höhe optisch reduziert und vermittelnd zum Umfeld wirkt.

Der kreisförmige Grundriss des Tribünenbauwerks wird von einem Hängedach überspannt, das dem Stadion Leichtigkeit und Eleganz verleiht. Die speichenradförmige Tragkonstruktion aus ...

  • äußerem Druckring,
  • radialen Spannseilen und
  • innerem Zugring

... wird ergänzt durch Stahlfachwerke und ein System aus Vollwandträgern, das die Unterkonstruktion für eine rund 36.000 m² große Glaseindeckung bildet. Durch den Einsatz von emailliertem Glas werden die Wärmeeintragung reduziert und die Lichtdurchlässigkeit um 80% gesenkt.

Die Dachöffnung und ein 16 m breiter innerer Ring aus Klarglas sorgen für natürliches Licht im Bereich des Spielfeldes. Das vergleichsweise hohe Gewicht des teilvorgespannten Verbundsicherheitsglases steht dem aerodynamischen Auftrieb bei Starkwind entgegen.

Technisch anspruchsvoll und innovativ wurde bei dem großflächigen Hängedach die Kombination aus Profilstahl, Seiltragwerk und Glaseindeckung gelöst. Gelenkverbindungen und Fugen wurden so kombiniert, dass die Verformungen durch Temperatur und Wind ohne schädliche Zwängungen aufgenommen werden. Die leicht geschwungene sattelförmige Geometrie der Dachfläche ermöglicht eine natürliche Entwässerung nach außen. Sie wirkt ausgleichend zur funktionsbedingt stark ondulierenden Außenkante des oberen Tribünenrangs.


Cape Town Stadium in Greenpoint/ Südafrika (Foto: Bruce Sutherland) (Bild vergrößern)

Das Tribünenbauwerk ist ringsum mit ca. 27.000 m² silberbeschichteter Glasfasermembrane verkleidet, die das durch Witterung und Tageszeit wechselnde Lichtspiel aufnimmt und reflektiert. Die stützende Stahlkonstruktion gliedert die Fassade in 14 horizontale Bänder. Die Beleuchtung hinter dem transluzenten umhüllenden Gittergewebe lässt das Stadion am Abend wie einen Lampion erstrahlen und gewährt Einblicke in das Innere. Auf den drei im Querschnitt parabolisch gekrümmten Tribünenrängen mit 2.400 Business- und 2.500 Logenplätzen finden insgesamt 68.000 Zuschauer Platz. Das Stadion ist für Fußball- und Rugbyspiele sowie Konzerte konzipiert. Der Innenraum bietet eine spannungsvolle Stadionatmosphäre bei optimalen Sichtverhältnissen auf das Spielgeschehen.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

ausgewählte weitere Meldungen: