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Schornsteinfeger trafen sich zum Branchentalk

(14.6.2010) Für den 11. Juni 2010 hatte der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks - Zentralinnungsverband (ZIV) - im Rahmen des Bundesverbandstages in Bremen zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Experten aus Handwerk, Industrie und Marketing sprachen über Reformen in einem der traditionsreichsten Handwerke in Deutschland.


Gefragt waren zukunftsfähige Ideen und Perspektiven für eine Berufsgruppe im Um- und Aufbruch. Verbandspräsident Hans-Günther Beyerstedt richtete den Blick nach vorne und diskutierte gemeinsam mit ...

  • Manfred Greis, Generalbevollmächtigter der Viessmann Werke,
  • Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des ZDH/UDH,
  • Karl-W. Rehme, Rehme Vertriebs Service, und
  • Christiane Wodtke, Geschäftsführerin der Wodtke GmbH,

... mögliche Zukunftsszenarien für die Branche. Die Moderation der Talkrunde übernahm Andreas Neumann, bekannt als Autor, Redakteur und Moderator bei Radio Bremen und der ARD.

Interessante Standpunkte versprach vor allem die Auseinandersetzung mit dem Thema Marktliberalisierung. Zur Erinnerung: Ab dem Jahr 2013 wird es die Kehrbezirke in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben. Entsprechend qualifizierte Schornsteinfeger können sich alle sieben Jahre um einen Kehrbezirk bewerben. In diesem Gebiet übernehmen sie im staatlichen Auftrag den Bereich des vorbeugenden Brandschutzes im Rahmen der Feuerstättenschau sowie baurechtliche Abnahmen von Feuerungsanlagen. Alle übrigen Aufgaben, dazu zählen Messungen, die originären Kehr-, Überprüfungs- und Reinigungsarbeiten, können von jedem dafür zugelassenen Schornsteinfeger angeboten werden. Wachstumsfelder ergeben sich vor allem in den Bereichen Energie und Umwelt sowie Haus- und Anlagentechnik.

Neue Verordnungen bringen Bewegung

Viel Zeit bleibt den 7.742 Handwerksbetrieben in Deutschland nicht mehr, um sich auf den Wettbewerb vorzubereiten, der mit dem neuen Schornsteinfeger-Handwerksgesetz und der damit verbundenen partiellen Öffnung des Marktes eingeleitet wurde. Bereits jetzt spüren sie den Druck konkurrierender Anbieter, aber auch von Seiten der Öffentlichkeit. Im Jahr 2010 haben zwei neue Verordnungen für mediale Aufmerksamkeit und damit verbunden für Informations- und Erklärungsbedarf bei Verbrauchern gesorgt, den der Schornsteinfeger als serviceorientierter Unternehmer vor Ort erfüllen wird. Eine aktuelle Herausforderung für die Betriebe liegt darin, die gesetzlichen Änderungen im eigenen Betriebsablauf umzusetzen und den Kunden die teilweise komplexen fachlichen Inhalte zu kommunizieren. Die novellierten Verordnungen betreffen immerhin rund 7,7 Millionen Gas- und rund 5,9 Millionen Ölfeuerungsanlagen sowie laut Bundesumweltministerium rund eine Million Heizkessel und etwa 14 Millionen Einzelraumfeuerungsanlagen, die mit Holz beheizt werden (wie Kamin- oder Kachelöfen).

Hausaufgaben für das Handwerk

Beweglichkeit und Flexibilität erfordert vor allem das noch junge Schornsteinfeger-Handwerksgesetz. Wo vorher der Staat regulierend einwirkte, bieten sich in Zukunft mehr Möglichkeiten. Gleichzeitig kommen mit dem Wettbewerb neue Herausforderungen auf den einzelnen Betrieb zu. Vor diesem Hintergrund sei eine starke, gemeinschaftliche Interessenvertretung umso wichtiger, die die beliehenen Unternehmer auf dem Weg zu wettbewerbsfähigen Dienstleistungsbetrieben begleitet. Nicht mehr nur die Handwerksleistung, sondern Themenfelder wie Marketing und Service, Kundenpflege oder innovative Unternehmens- und Dienstleistungskonzepte prägen zunehmend den Berufsalltag des Schornsteinfegers.

Full-Service vom Schornsteinfeger

Um den Qualitätsanspruch im Schornsteinfegerhandwerk auch in einem liberalisierten Markt sichern zu können, hat der Bundesverband eine Vereinbarung mit dem Fachverband des SHK-Handwerks getroffen. Sie regelt die bundesweit einheitlichen Qualifikationsanforderungen für Schornsteinfegermeister, die sich bei einer Handwerkskammer nach §7a HwO in Teilbereichen für das SHK-Handwerk eintragen und damit ihr Leistungsspektrum erweitern möchten, sowie umgekehrt die Anforderungen für SHK-Betriebe, die einen entsprechenden Antrag für das Schornsteinfegerhandwerk planen - siehe auch Beitrag vom 27.12.2009.

Mit diesem Vorstoß reagiert das Handwerk auch auf Kundenwünsche: Künftig werden sich mehr Unternehmen mit dem Angebot von Leistungen aus einer Hand positionieren. Dies hat nicht nur Konsequenzen für die Struktur des Marktes, das Marktvolumen und die Verteilung der Umsätze, sondern beeinflusst auch die berufliche Entwicklung. Der Bundesverband setzt sich speziell in der Aus- und Weiterbildung für hohe Standards ein und fördert den Nachwuchs mit Kooperationen im Bildungssektor, wie zum Beispiel mit dem Angebot eines dualen, berufsbegleitenden Bachelor-Studiums. Ziel ist es, die ausbildenden Betriebe zu unterstützen und den 1.505 angehenden Schornsteinfegern und Schornsteinfegerinnen Perspektiven bieten zu können.

Verbandspräsident Hans-Günther Beyerstedt formulierte anlässlich des 126. Bundesverbandstages die Ziele für die nächsten Jahre: "Neben dem Bereich der beruflichen Qualifizierung zählen vor allem der Ausbau der Mitgliederservices sowie die Erschließung neuer Dienstleistungen zu den Schwerpunktthemen des Verbandes für die Zukunft. Gemeinsam mit den Betrieben bauen wir das traditionsreiche Schornsteinfegerhandwerk zu einer modernen Dienst-leistungsbranche aus, die den Verbrauchern als unabhängiger Ansprechpartner mit ausgewiesener Expertise in Sachen Energie, Brand- und Umweltschutz zur Seite steht."

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