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Parkettverlegung auf Fertigteilestrichen

(18.5.2010) Fertigteilestriche bieten die Vorteile der geringen Aufbauhöhe, des geringen Gewichts und der schnellen Bauweise, welche insbesondere in der Modernisierung gerne genutzt werden. Hier erwartet den Bodenspezialisten ein Markt mit bis zu 15 Millionen m² pro Jahr, die sich Spanplatten und Gipsfaserprodukte teilen. Der Anteil der Gipsfaserprodukte steigt kontinuierlich.

In den letzten Jahren hat Knauf umfangreiche Weiterentwicklungen seines Fertigteilestrichs Brio vorgenommen. Egal ob Wohnung, Büro, Schulen, Versammlungsräume oder gewerbliche Nutzung, ob mit oder ohne Fußbodenheizung, mit Knauf Brio können Konstruktionen für fast alle Anwendungen hergestellt werden. Der fachgerecht verlegte Fertigteilestrich kann mit allen üblichen Belagarten belegt werden: textile und elastische Beläge, Kork, Parkett, Fliesen. So muss auch bei einer Modernisierung des Bodens mit Fertigteilestrich auf den Wunschbelag nicht verzichtet werden.


Verformungsverhalten von Fertigteilestrich und Mörtelestrich unter Einzellast

Aufgrund der geringen Dicke und der relativ geringen Steifigkeit des Materials sind aber bei Fertigteilestrichen unter Belastung größere Verformungen als bei üblichen Mörtelestrichen zu erwarten. Aus diesem Grund können für bestimmte Belagsarten Einschränkungen gelten oder es müssen bei der Estrichkonstruktion sowie der Belagsverklebung Besonderheiten berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere für die Verlegung von großformatigen Fliesen und Platten sowie für Parkett. Im Weiteren soll hier auf die Parkettverlegung eingegangen werden.

Fertigteilestriche aus Gipsfaserplatten weisen aufgrund der Faserbewehrung eine hohe Biegezugfestigkeit auf. Sie werden aber unter Last stärker verformt als Mörtelestriche.

Der Widerstand eines Baustoffes gegenüber Verformung wird durch den Elastizitätsmodul (E-Modul) beschrieben. Je höher der E-Modul, desto schwerer lässt sich der Baustoff verformen. Bei Fertigteilestrichen aus Gipsfaser beträgt der E-Modul zwischen 3.000 und 4.000 N/mm². Bei Mörtelestrichen liegt dieser Wert dagegen bei ca. 15.000 bis 20.000 N/mm². Fertigteilestriche besitzen damit eine ca. 5-mal geringere Steifigkeit als Mörtelestriche, was bei der Belagswahl bzw. bei der Estrichkonstruktion berücksichtigt werden muss.

Vorteil der geringeren Steifigkeit von Fertigteilestrichen aus Gipsfaser ist, dass sie elastischer und damit nicht rissanfällig sind. Aufgrund der höheren Verformbarkeit werden Lasten unmittelbarer an die Unterlage/Dämmschicht weitergeleitet, wodurch Fertigteilestriche bei richtiger Dämmstoffwahl mit deutlich geringerer Schichtdicke als Mörtelestriche auskommen.

Unterbau (Dämmstoff, Bodenausgleich) und Art und Dicke des Fertigteilestrichs müssen auf die Nutzlast abgestimmt sein. Deshalb ist es wichtig die Angaben des Systemgebers zu berücksichtigen, da dieser entsprechende Erfahrungen aus umfangreichen Untersuchungen besitzt. Bei der Verlegung von verformungsempfindlichen Belägen, wie großformatige Fliesen und Natursteinplatten, ist das Verformungsverhalten von Fertigteilestrichen unter Last besonders zu berücksichtigen.

Bimetalleffekt bei Parkett und Gipsfaser-Estrich

Parkettbeläge sind hinsichtlich der oben genannten Verformung weniger empfindlich. Jedoch kann das System Fertigteilestrich mit Parkett gefährdet sein, wenn die Verformungen des Parketts durch Quell-/Schwindverhalten zu groß wird. Erfährt das Parkett durch Feuchteaufnahme ein Quellen, kommt es in Verbindung mit dem Estrich zu einem Bimetalleffekt. Das sich ausdehnende Holz bewirkt eine konvexe Verformung dieser Verbundkonstruktion.


Aufwölbung und Einbruch eines mit Parkett verklebten Fertigteilestrichs aufgrund hoher Baufeuchte

Bei Mörtelestrichen ist die Estrichscheibe aufgrund des höheren E-Moduls und der größeren Estrichdicke in der Regel ausreichend steif, um dieser Bewegung entgegenzuwirken. Fertigteilestriche dagegen können hierdurch erhebliche Verformungen erfahren. Der Boden wölbt sich in Raummitte nach oben. Bei Belastung oder auch schon infolge seines Eigengewichtes bricht der aufgewölbte Boden ein, bevorzugt an den Verbindungsstellen der Estrichelemente. Ein Schwinden des Holzes ist dagegen meist unproblematisch, da hieraus entstehende Spannungen sich durch Fugenbildung im Holz abbauen können.

Schwimmend verlegtes Parkett oder Laminat ist von oben beschriebener Problematik nicht betroffen. Sollte aus dieser Sicht heraus auf eine Parkettverklebung auf Fertigteilestrichen verzichtet werden?

Die Erfahrung sagt Nein. Die Verklebung von Parkett auf Fertigteilestrichen ist sehr beliebt und erfolgreich. Wichtig bei einer Parkettverlegung ist, dass die Spannungen zwischen Parkett und Fertigteilestrich, die ein Aufwölben bewirken, auf ein unkritisches Maß beschränkt bleiben. Mehrschichtparkett und Mosaikparkett (Würfelmuster) sind unproblematische Parkettarten für die Verklebung auf Fertigteilestrichen. Beim Mehrschichtparkett werden Verformungen einer Holzlage durch die anderen Lagen behindert. Das Mehrschichtparkett bleibt hierdurch weitgehend verformungsstabil. Wird Mosaikparkett im Würfelmuster verlegt, werden quellende Holzstäbchen durch die nächsten, in der Faser quer verlegten Holzstäbchen gehalten. Ein Aufwölben des Bodens wird hierdurch verhindert. Auch eine Verlegung in Fischgrat ist weitgehend unproblematisch.

Bei der Verlegung von Massivparkett parallel zur Faser ist von der größten Beanspruchung des Verbundsystems Parkett-Fertigteilestrich auszugehen. Dabei nehmen die Holzart, Stabdicke und Stabbreite Einfluss auf die Verformung des Bodens. Holzarten, die schnell Feuchtigkeit aufnehmen und ein hohes Quellmaß besitzen sind hier kritischer zu bewerten als andere Holzarten. Bei großer Stabdicke und Stabbreite kann ein hoher Quelldruck aufgebaut werden. Eine Verklebung von Massivparkettdielen ist deshalb auf Fertigteilestrichen in der Regel nicht möglich.

Andere Parkettarten benötigen, abgestimmt auf deren Gefahrenpotential, besondere Klebetechniken. Oft reicht ein Verkleben mit entsprechend ausgelobten, elastischen Klebstoffen aus. Andere Parkett-/Holzarten werden mit einer Zwischenlage (Entkopplungsvlies oder Entkopplungsplatte) mit dem Fertigteilestrich verklebt. Mit diesen Zwischenlagen können weitere Spannungen zwischen Parkett und Estrich abgebaut werden.

Alternativ oder auch zusätzlich kann die Estrichdicke vergrößert werden. Anstelle von Brio 18 (18 mm) kann auf Brio 23 (23 mm) oder, wenn es die Aufbauhöhe erlaubt, auf eine doppellagige Verlegung von Brio 18 (36 mm) oder Brio 23 (46 mm) ausgewichen werden. Bei doppellagiger Verlegung sind die beiden Brio-Lagen miteinander zu verkleben.

Zu der Verklebung von Parkett auf Fertigteilestrichen verfügen Klebstofflieferanten über umfangreiche Erfahrungen. Diese können in Abhängigkeit von Parkett- und Holzart die entsprechende, erforderliche Klebetechnik beraten.

Mit oben genannten Verlegehilfsstoffen können Spannungen, die das Holz durch Quellen und Schwinden aufgrund von Wechsel der Luftfeuchtigkeiten insbesondere zwischen Sommer und Winter erfährt, sicher abgebaut werden. Darüber hinaus kann bei besonderen Anforderungen die Estrichschicht stabilisiert werden. Diese Maßnahmen entbinden den Verleger aber nicht von der Pflicht, Hölzer nur mit dem für den Einsatz erforderlichen Feuchtegehalt einzusetzen. Auch müssen die baulichen Gegebenheiten stimmen. Eine deutliche Erhöhung der Luftfeuchtigkeit in den Räumen nach Parkettverlegung muss vermieden werden, um ein Auffeuchten des Holzes zu vermeiden. So müssen weitere Ausbauarbeiten, die zusätzliche Feuchtigkeit in die Raumluft einbringen (z.B. Maurer-, Putzerarbeiten) bereits abgeschlossen sein.

Unter Beachtung der bauklimatischen Verhältnisse und entsprechend passenden Klebesysteme können Fertigteilestriche mit einer großen Auswahl von Parkettarten belegt werden. Hierdurch ist es möglich, die Vorteile von Fertigteilestrichen aus Gipsfaser (früh belegbar, geringe Aufbauhöhe, geringes Gewicht) auch dann zu nutzen, wenn hochwertige Parkettbeläge zum Einsatz kommen sollen.

Weitere Informationen zum Fertigteilestrich Brio können per E-Mail an Knauf angefordert werden.

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