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Rotos Blick auf die Branche sowie die eigene Strategie

Roto-Vorstandsvorsitzende Dr. Eckhard Keill
Roto-Vorstandsvorsitzender Dr. Eckhard Keill (Bild vergrößern)

(16.12.2009) Trotz der seit Mitte 2009 spürbaren ersten Stabilisierungstendenzen bleibt mit Blick auf die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft "letztlich alles offen". Dafür sorgt auch oder gerade die Flut an widersprüchlichen Meldungen und Prognosen. Im Bausektor sowie in der davon abhängigen Fenster- und Türenbranche überwiegen bei globaler Betrachtung nach wie vor eher die negativen Vorzeichen. Zu den "erfreulichen Ausnahmen" gehören primär Zentraleuropa und Asien. So stuft der Vorstand der Roto Frank AG gegenwärtig das für das Unternehmen relevante Umfeld ein. Die Bauzulieferer-Gruppe geht 2009 zwar von einem leicht zweistelligen Umsatzminus aus, rechnet jedoch gleichzeitig damit, Marktanteile zu gewinnen. Für 2010 hält das Management, wie es Ende November während des 4. internationalen Fachpressetages am österreichischen Produktionsstandort Kalsdorf mitteilte, eine Stagnation für realistisch. Der Kurs der Diversifizierung und Internationalisierung sei richtig und eine wichtige Basis des künftigen Erfolges.

"Einigermaßen abgesichert" ist nach Auffassung von Dr. Eckhard Keill derzeit nur die Aussage, dass die Talsohle der globalen Krise, die 2009 in den meisten Volkswirtschaften per saldo zu einer tiefen Rezession führe, u.a. aufgrund der vielfach "gigantischen Konjunkturpakete" erreicht sein dürfte. Obwohl man nach dem aktuellen Prognose-Status für 2010 wieder von einem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft ausgehen könne, warnte der Vorstandsvorsitzende des Bauzulieferers davor, dies überzubewerten. So sei ein Ausgleich der gesamten "Krisenverluste" noch lange nicht in Sicht und werde bis 2012/2013 dauern. Das unverändert hohe Maß an Unsicherheit resultiere auch aus "erheblichen Risikofaktoren" wie der Arbeitsmarktentwicklung und der dramatischen öffentlichen Neuverschuldung.

Botschaften nach Berlin

Deutschland mache hier keine Ausnahme. Bei einem "stetigen Auf und Ab der Prognosen" zeichne sich aktuell ab, dass die größte europäische Volkswirtschaft 2009 um knapp 5% schrumpfe und 2010 zwischen 1 und 2% wachse. Fakt sei jedoch, dass die große Bandbreite der "Expertenmeinungen" den Unternehmen keinen verlässlichen Handlungsrahmen liefere.

Keill äußerte sich auch zur Arbeit der neuen Bundesregierung. Die angekündigten bzw. bereits beschlossenen Steuersenkungen seien trotz der unstrittigen Haushaltsprobleme "im Grundsatz richtig und wichtig", da sie Konsum und damit Wachstum stärkten. Neue Wohnungsbau-Subventionen lehnte der Roto-Chef ab, befürwortete aber "sinnvolle Anschubfinanzierungen" etwa zur Ressourcenschonung. Auf dem Feld der Wettbewerbs- und Mittelstandspolitik habe eine nachhaltige Bekämpfung der im globalen Wettbewerb schädlichen "Reglementierungswut" ebenso Priorität wie eine "wirkliche Kosten- und Bürokratieentlastung".

Bau schrumpft weiter

Zu den ersten und größten Opfern der weltweiten Finanz-, Immobilien- und Wirtschaftskrise gehöre der Bausektor. Keill: "Er wird auch noch länger unter ihr leiden." Die noch relativ stabilen Maßnahmen und Investitionen im Gebäudebestand könnten die "extremen Neubau-Einbrüche" keinesfalls kompensieren. Das bestätigten die aktuellen Berechnungen und Schätzungen der Euroconstruct-Gruppe für 19 europäische Länder. Danach droht bei dem gesamten europäischen Bauvolumen 2009 ein "historisches Minus" von 7,5%. Dabei seien der Wohnungsbau (-11%) und der Nichtwohn-Hochbau (-8%) besonders betroffen.

Der Schrumpfungsprozess setze sich weiter fort, denn die Euroconstruct-Prognose beziffere den Rückgang der Wohnungsfertigstellungen im Zeitraum 2008 bis 2011 auf insgesamt 35%. Danach kommt der Neubau etwa in Spanien (-79%), Irland (-77%) und Portugal (-62%) fast zum Erliegen. In der gleichen Periode mache die Studie mit Österreich (+1%), Schweiz (+4%), Polen (+9%) und Deutschland (+26%) dagegen nur vier Wachstumsländer aus. Das kräftige deutsche Plus sei allerdings ausschließlich dem absoluten Tiefststand im Jahre 2008 zu verdanken. Unter dem Strich werde sich die europäische Bauwirtschaft wohl frühestens 2011 leicht erholen.

Die deutsche Baubranche könne sich 2009 und voraussichtlich auch 2010 noch relativ gut behaupten. Dabei erwiesen sich der generelle Modernisierungstrend, die staatliche Förderung energetischer Sanierungen sowie die Konjunkturprogramme im Infrastruktursektor als wichtige Stützen der Nachfrage. Offen bleibe indes, was ab 2011 geschehe.

Mittelfristig "klare Gewinner"

Die internationalen Fenster- und Türenmärkte spiegeln die allgemeine Bauentwicklung natürlich wieder, konstatierte Keill. Das schlage sich in regional stark unterschiedlichen, meist aber negativen Tendenzen nieder. Während etwa Zentraleuropa und Asien für "positive Überraschungen" sorgten, gehe es besonders in Osteuropa überwiegend "steil bergab". Das gelte primär für Russland, Rumänien und die Ukraine. In Westeuropa bereiteten momentan Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien die größten Probleme. Mittel- und langfristig glaubt Keill jedoch daran, dass Fenster weltweit zu den "klaren Gewinnern" der notwendigen Klimaschutz- und Energiesparinvestitionen gehören.

In Deutschland sei das bereits jetzt offenkundig. Verbandsumfragen (siehe z.B. Beitrag "Studie des VFF zum europäischen Fenstermarkt" vom 16.12.2009) und die von Roto initiierte und im August 2009 vorgestellte forsa-Erhebung (siehe "Forsa untersuchte für Roto die Fensterbranche" vom 25.8.2009 und eine weitere Grafik daraus) untermauerten die positive Sonderstellung der Branche 2009 und vermutlich auch 2010. Speziell die Fenster- und Türenproduzenten stellten praktisch eine "krisenfreie Zone" dar. Mit einem jüngst gemeldeten "Boom" habe das jedoch nichts zu tun. Keill schloss seine umfangreichen Markt- und Branchenanalysen mit dem Hinweis auf den in Deutschland "fundierten Zukunftsoptimismus" ab, zumal "gute Fenster" laut einer neuen Umfrage für die Bundesbürger unter Umweltaspekten die zweitwichtigste Immobilieninvestition seien.

Spuren der Krise

Roto-Finanzvorstand Michael Stangier
Roto-Finanzvorstand Michael Stangier (Bild vergrößern)

Finanzvorstand Michael Stangier informierte die in Kalsdorf anwesenden Journalisten aus neun Ländern über die aus dem Marktumfeld resultierende Entwicklung der Roto-Gruppe:

  • In der Division Fenster- und Türtechnologie ist danach 2009 eine Umsatzeinbuße zwischen 15 und 20% zu erwarten. Dabei habe es "fast schon traditionell" in einzelnen Regionen zum Teil erhebliche Unterschiede gegeben. Während etwa das China-Geschäft mit einem hohen einstelligen Plus abschneide, werde die ausgeprägte Osteuropa-Schwäche zu einem starken zweistelligen Minus führen. Ab dem zweiten Quartal sei hier zwar eine "gewisse Stabilisierung" auf niedrigem Niveau, aber keine grundsätzliche Besserung eingetreten.
  • In der Division Dach- und Solartechnologie rechnet Roto dagegen im Gesamtjahr mit einem "moderaten" Wachstum der Verkaufserlöse. Besonders der Solarbereich entwickele sich "überproportional gut". Gleiches treffe bei regionaler Betrachtung auf Zentraleuropa (Deutschland, Österreich, Schweiz) zu. Hier liege im Übrigen auch die Fenster- und Türtechnologie über dem Vorjahr.

Für die gesamte Roto-Gruppe prognostizierte Stangier ein nominales Umsatzminus zwischen 10 und 13% gegenüber 2008 (621 Mio. Euro). Als Folge des erfreulich robusten Geschäftes im Heimatmarkt lege der Inlandsanteil, der 2008 ca. 30% betrug, 2009 zu. Zur Mitarbeiterzahl hieß es, dass sie mit rund 3.750 im Jahresdurchschnitt voraussichtlich auf Vorjahresniveau bleibe. Das beruhe jedoch im Wesentlichen auf dem Sondereffekt der erstmaligen Konsolidierung der Ende 2008 übernommenen Gluske-BKV GmbH (siehe Beitrag vom 6.10.2008) sowie Einstellungen in neu gegründeten ausländischen Tochtergesellschaften. Bereinigt um diese Faktoren, würde die Zahl der Beschäftigten um 5 bis 8% sinken.

Relative Zufriedenheit

Dem durch die Weltwirtschaftskrise verursachten Umsatzverlust begegnet das Unternehmen nach Aussage des Finanzvorstandes mit einem "ebenso konsequenten wie unvermeidbaren Kostensenkungsprogramm, das aber weder Selbstzweck ist noch nach der undifferenzierten Rasenmähermethode erfolgt". So habe Roto weiter gezielt u.a. in neue Märkte und Produkte investiert. Als Neuheiten-Beispiele nannte Stangier ein Drehkipp-Beschlagsystem für asiatische und russische Märkte sowie das Niedrigenergie-Fenster "Designo R8 NE" - siehe auch Beitrag "Weltpremiere auf der BAU: Wohndachfenster Roto Designo R8 NE" vom 9.2.2009:

Die Ertragssituation müsse insgesamt als "völlig unbefriedigend" charakterisiert werden. Dennoch gelinge es der Roto-Gruppe dank des effizienten Kostenmanagements auch im Krisenjahr 2009, im operativen Bereich "klar schwarze Zahlen zu schreiben". Unter dem Strich nimmt der Bauzulieferer mit Blick auf die "widrigen Außeneinflüsse" ein vergleichsweise gutes Abschneiden für sich in Anspruch. Deshalb gehe man in beiden Divisionen von Marktanteilsgewinnen aus. Unabhängig davon hätten sich gerade in der Krise die diversifizierte Gruppenstruktur sowie die internationale Ausrichtung bewährt. Roto bleibe daher ein "Global Player" - und verfüge über die dafür erforderliche Substanz und Kraft.

Roto-Vertriebsleiter "Door" Michael Lutscher
Roto-Vertriebsleiter "Door" Michael Lutscher (Bild vergrößern)

In dem Zusammenhang erinnerte Stangier an die Ende 2008 und damit zum "realen Krisenbeginn" vollzogene Übernahme der Gluske-BKV GmbH, die zur dauerhaften Stärkung des Geschäftsfeldes "Door" der Division Fenster- und Türtechnologie diene. Die Integration des jungen Gruppenmitgliedes verlaufe nach Plan. Auf Unternehmensebene sei u.a. die Verzahnung der Informationstechnologie-Systeme abgeschlossen. Ferner komme das Zusammenwachsen der Organisationsstrukturen gut voran. Das Zwischenfazit nach dem ersten "gemeinsamen" Jahr falle daher positiv aus, so dass sich die mit dem strategischen Engagement verbundenen Erwartungen erfüllt hätten. Entsprechend dieser Entwicklung wurde die Position des Vertriebsleiters "Door" neu geschaffen: Mit Michael Lutscher soll eine Führungskraft aus den eigenen Reihen ab Januar 2010 die Vertriebsleitung "Door" ausüben. Der 47-Jährige kam im Mai 2004 als Marketingleiter der Division Fenster- und Türtechnologie zu Roto.  (Die alte Position Lutschers soll ab Mitte Januar 2010 der 46-jährige Diplomkaufmann Udo Pauly (Bild) übernehmen, der mit der Fenster- und Türenbranche im Allgemeinen und der Beschlagindustrie im Speziellen "bestens vertraut" sei.)

Vorsichtige Prognose und 10 Stärken

Beim Ausblick auf 2010 lässt sich Roto von einer "zurückhaltenden Planung" leiten. Das sei eine logische Konsequenz der nach wie vor großen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten und damit eines erheblichen Defizits an fundierten Orientierungspunkten. Deshalb geht man momentan von keiner (spürbaren) Erholung bzw. Belebung der relevanten Märkte aus.

"In Summe rechnen wir in beiden Divisionen und damit auch in der gesamten Gruppe 2010 mit einer Umsatzstagnation", sagte Stangier. Im günstigsten Fall sei ein leichtes Wachstum im unteren einstelligen Bereich möglich, das jedoch frühestens zum Jahresende eintreten dürfte. Auf dieser Grundlage bleibe die Relation zwischen Auslands- und Inlandsgeschäft gemessen an dem in 2009 veränderten Niveau in etwa konstant. Aus der Einschätzung resultiere ferner die Notwendigkeit, in allen Bereichen weiter strikte Kostendisziplin zu üben. Darunter sollen aber auch 2010 zukunftsorientierte Innovationen und Investitionen nicht leiden, betonte der Finanzvorstand.

In seinem Resümee listete Keill 10 Stärken auf, die nach seiner Überzeugung den künftigen Erfolg der Roto-Gruppe gewährleisten. Das Spektrum erstrecke sich von früh genug richtig gestellten Unternehmensweichen und einer langfristig angelegten Gesamtstrategie über die drei markt- und trendgerechten Sortimentssäulen Fenster- und Türtechnologie, Wohndachfenster und Solarsysteme sowie ein effizientes Produktionssystem in einem international vernetzten Fertigungsverbund bis zu einer hohen Eigenkapitalquote und der bewussten Entscheidung der Eigentümerfamilien für ein professionelles managementgeführtes Unternehmen. "Deshalb gilt: Die Krise tut uns zwar weh, aber sie wirft uns weder aus der Bahn noch bringt sie uns vom Kurs ab.", bekräftigte der Vorstandsvorsitzende in Kalsdorf.

Weitere Informationen können per E-Mail an Roto angefordert werden.

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