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Aufbruchstimmung bei der Fassadenbegrünung

  • Bericht vom 2. FBB-Fassadenbegrünungssymposium in Frankfurt

(2.11.2009) Auch das 2. FBB-Symposium zur Fassadenbegrünung war für die Veranstalter ein Erfolg: "Wir sind insgesamt zufrieden, doch diese tolle Veranstaltung hätte mehr als 50 Teilnehmer verdient gehabt", so das Fazit des FBB-Präsidenten Dr. Gunter Mann. Das von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) organisierte und von den Verbänden ...

... begleitete Tagesseminar bot einen umfassenden Querschnitt der wichtigsten Themen.


Die Referenten auf einem Blick (v.l.n.r.): Hans-Peter Kissler, Prof. Dr. Manfred Köhler, Nicole Pfoser, Jörg Wagner, Gert Moegenburg, Sven Taraba, Torwald Brandwein, Prof. Christoph Althaus, FBB-Präsident Dr. Gunter Mann (Bild vergrößern)

Die Doktorandin Nicole Pfoser von der TU Darmstadt (Fachbereich Architektur | Entwerfen und Freiraumplanung) machte den Auftakt mit einer Darstellung der am Markt befindlichen Fassadensysteme. Sie sieht viele Vorteile der "fassadengebundenen" Systeme gegenüber den "bodengebunden" Systemen. So habe die bodengebundene Fassadenbegrünung nur ausnahmsweise gestalterisches Potential, während die fassadengebundene Begrünung eine integrative Planung sowie die Vorstellung eines gestalterischen Zieles verlange. Die Pflanze werde damit zum kalkulierten Bestandteil der Gestaltung, was in der Bezeichnung "fassadengebundenes Vegetationsdesign" zum Ausdruck kommt.

Prof. Dr. Manfred Köhler aus Neubrandenburg, referierte über Fassadenbegrünung und Gebäudeklimatisierung. U.a. berichtete er über das Physikgebäude in Berlin Adlershof. Zwischen 2002 und 2009 wurden der Bau, der Betrieb und die Optimierung einer Fassadenbegrünung als siedlungswasserwirtschaftliche Maßnahme begleitet. Das Ergebnis ist, dass das Regenwasser in einer adiabaten Abluftkühlung Stadtwasser ersetzen und damit die Kosten für die Kühlleistung senken kann. Die 150 Pflanzkübel können ebenfalls Regenwasser verdunsten - durch einen Pflanzkübel könnten bei guter Wasserversorgung und üppigen Bewuchs (etwa mit Wisteria) ca. 3.000 l/m² verdunstet werden.


Bild aus dem Beitrag "'Green Curtain' macht bei Kyocera der Klimaanlage Konkurrenz" vom 17.9.2009

Gert Moegenburg vom befreundeten Verband FVHF beleuchtete das eher theoretische Thema Korrosionsschutzanforderungen an Verankerungen und Kletterhilfen. Die Konstruktion und Ausführung von Kletterhilfen ist eine technisch, normativ und bauaufsichtlich abgesicherte Bauaufgabe. Ein angemessener Korrosionsschutz und eine statische Bemessung sichern in Kombination mit der geeigneten Bepflanzung eine nachhaltige, erfolgreiche Begrünung.

Prof. Christoph Althaus aus Höxter (Fachgebiet "Freilandpflanzenkunde") verdeutlichte anhand vieler Bilder die potentiellen Schadensfälle bei begrünten Fassaden. Sein Fazit lautete: Risikominimierte Bausubstanz sowie der Gebäudestruktur angepasste Fassadenbegrünung seien bei entsprechender Sachkenntnis und fachgerechter Pflege ohne weiteres möglich. Die FLL-Richtlinien zur Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen enthielten die notwendigen Aussagen über Vorsorgeprinzipien und wichtige Empfehlungen zur Risikominimierung. Heute bestehende Schäden und Risiken aus der Phase der laienhaften und semiprofessionellen Fassadenbegrünung sollten systematisch zu beseitigen sein. Abhilfe könnte ein Monitoring begrünter Gebäude im Sinne regelmäßiger Kontrollen bieten. Monitoring sollte für fassadenbegrünte Bauwerke in öffentlicher Hand selbstverständlich werden.

Thorwald Brandwein (Biotekt) stellte in seinem Vortrag "Aus der Praxis - zur erfolgreichen Umsetzung von Fassadenbegrünungsprojekten" verschiedene Beispiele dar, u.a. von der "traditionellen" zur "innovativen" Fassadenbegrünung, wie sich "erfolgreiche Fassadenbegrünung" darstellt und allgemeine Empfehlungen zur erfolgreichen Realisierung.

Der Architekt Hans-Peter Kissler aus Wiesbaden, der den Preis "Vorbildliche Bauten in Hessen" für das Institutsgebäude PTH Sankt Georgen bekommen hatte, berichtete über das prämierte Objekt (Bild unten). Kissler gab zu, dass es unter seinen Architektenkollegen noch viele Vorbehalte gegen die Fassadenbegrünungen gibt. Die Palette in der allgemeinen Ablehnung reicht von baukonstruktiven Einwänden bis zu gestalterischen Bedenken. Tatsächlich ist in den seltensten Fällen eine Fassadenbegrünung konzeptionell in der Gebäudeplanung vorgesehen. Wenn sie überhaupt entsteht, dann häufig durch die Vorgabe eines Bebauungsplanes. In seinem Fall sollte die Fassadenbegrünung neben der Funktion als Absturzsicherung auch als Sonnenschutz dienen. Die Idealvorstellung der Endgestalt war ein scharfkantiger "grüner" Würfel als Sinnbild der Symbiose von Natur und Gebautem.


 Institutsgebäude PTH Sankt Georgen von Architekt Hans-Peter Kissler

Sven Taraba (Fassadengrün e.K.) aus Leipzig schloss die Fachvorträge mit dem Thema "Geeignete Pflanzenarten für die Fassadenbegrünung" ab. Der Vortrag ging nicht nur auf die Pflanze, sondern auch auf die Abstimmung von Standort und Pflanze und vor allem niedrige Pflegekosten ein. Er empfiehlt eine Pflanzenauswahl nach den unterschiedliche Bauherren und deren Leitbildern. Es sei zudem ein großer Unterschied, ob ein Reihenhaus, ein mehrstöckiges Mietshaus, ein öffentliches Gebäude oder eine Gewerbehalle begrünt werde, denn ganz unterschiedliche Akteure mit ihren Vorstellungen stehen dahinter. Er erläuterte die Unterschiede von Teilbegrünung, Hochbegrünung, Überhängende Begrünung, Blüten und "Schönheit" und Wintergrün.

Zwei produktbezogene Kurzbeiträge von FBB-Mitgliedern bildeten den Abschluss der Veranstaltung und spannten den Bogen von Theorie bis zur Praxis.

Weitere Informationen zu Fassadenbegrünung können per E-Mail an Fachvereinigung Bauwerksbegrünung angefordert werden.

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