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11. Deutscher Verzinkerpreis verliehen

(19.10.2009) Zum 11. Mal wurde der mit 10.000 Euro dotierte Deutsche Verzinkerpreis für Architektur und Metallgestaltung vom Industrieverband Feuerverzinken verliehen. Der mittlerweile 20jährigen Tradition folgend wurden auch bei der diesjährigen Preisvergabe wieder herausragende Architekturen, Ingenieurbauwerke und Objekte in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

Aus insgesamt 65 Einreichungen wählte eine unabhängige Jury zwei Belobigungen, vier Anerkennungen, zwei dritte Preise sowie einen zweiten und einen ersten Preis aus. Die Einreichungen und vor allem die prämierten Objekte zeigen das breite Anwendungsspektrum von feuerverzinktem Stahl und die große Bedeutung des Feuerverzinkens unter dem immer wichtiger werdenden Postulat der Nachhaltigkeit im Lebens- und Nutzungszyklus von Gebäuden und Objekten. Dies gilt besonders für Aufgabenbereiche, die bisher - was Qualitäten und Innovationen anbelangt - eher ein Schattendasein geführt haben.

1. Preis: Kraft Baustoffhandel, München
03 Architekten, München

Begründung der Jury: Die architektonische Transformation eines bestehenden Baustoffhandels in einem urbanen Gewerbegebiet mit angrenzender Wohnbebauung wird mit kreativer Bravour gemeistert (siehe Google-Maps und/oder Bing-Maps). Das subtile Spiel mit den gehandelten Waren wird zum interaktiven Bild sowohl innen wie außen. Die feuerverzinkten Stahlkonstruktionen mit ihrer silbrig schimmernden Oberfläche erfüllen in vorbildlicher Weise sowohl konstruktive wie gestalterische Anforderungen und bilden einen klar definierten Rahmen für das Spiel von Licht, Schatten und den Jahreszeiten. Die reduzierte Materialästhetik in Verbindung mit sorgfältig entwickelten Details sucht man bei vergleichbaren Bauaufgaben vergebens. Die Themen, Nachhaltigkeit, Ökologie und Schallschutz werden auf hohem Niveau in das Gesamtwerk eingebunden. Den Architekten ist es zusammen mit dem Bauherrn, der ausführenden Stahlbaufirma und einer schlüssigen Materialsprache gelungen dem Ort "Kraft" und Seele zu geben. Ein würdiger Erster Preis.

2. Preis: Gleichrichterwerk, Rennbahnstraße, Frankfurt-Niederrad
Schoyerer Architekten BDA, Mainz

Begründung der Jury: Man wird täglich mit ihnen konfrontiert - Schilder, Masten, Leitungen und kleine Betriebsgebäude. Fast nie genügen sie den Mindestansprüchen an einen gestalteten Stadtraum. Das Betriebsgebäude an der Rennbahnstraße in Frankfurt-Niederrad gehört zu den Ausnahmen (siehe Foto, Google-Maps und Google-Street-View unten). Ein klarer Kubus, monochrom gestrichen, wird durch ein filigranes Kleid aus feuerverzinkten Gitterrosten mit unterschiedlichen Stababständen umhüllt. Ein eher unscheinbares Bauelement aus Stahl wird durch einen kreativen Prozess auf ein neues Niveau gehoben. Etwas Alltägliches wird zu einem herausragenden Bauwerk mit hohem Anspruch.

Erste praktische Erfahrungen bescheinigen einen erheblich reduzierten Wartungsaufwand. Sprayer und Plakatierer bleiben aus. Das Gebäude demonstriert, dass Qualität in Planung und Ausführung eine erste grundlegende Voraussetzung für Nachhaltigkeit im Bauen sind.

3. Preis: Festungs Arena Kufstein - Wandelbares Dach
Kugel + Rein Architekten und Ingenieure, Stuttgart

Begründung der Jury: Das wandelbare Dach über dem Hof der Festung Kufstein (siehe Google-Maps) ist ein überzeugender Beitrag im Bereich der Überdachungen für Freiluftveranstaltungen im historischen Kontext. Aufgrund der Anforderungen des Denkmalschutzes bezogen auf eine zurückhaltende äußere Gestalt und der Beschränkungen auf wenige mögliche Gründungspunkte ist die gewählte "Speichenradkonstruktion" besonders geeignet.

Zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit wurden alle frei bewitterten Stahlkonstruktionen feuerverzinkt ausgeführt. Insgesamt fügt sich die qualitativ hochwertige Konstruktion ästhetisch in den historischen Festungsrahmen ein.

3. Preis: Neubau Mensa + Sanierung Sporthalle Johannes-Häussler-Schule, Neckarsulm
Mattes Sekiguchi Partner Architekten BDA, Heilbronn

Begründung der Jury: Das Sanierungsprojekt Johannes-Häusler-Schule in Neckarsulm (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps) steht beispielhaft für eine qualitätsvolle Sanierung und Erweiterung. Das Schulgebäude aus den 1960er Jahren zeigt eindrücklich die Potenziale auf, die solche Sanierungsvorhaben bieten. Der Erhalt der Schulhoffläche erforderte eine zeitgemäße Architektursprache, die Mattes - Sekiguchi in einer feuerverzinkten Stahlrahmenkonstruktion interpretierten. Die auf dem Bestand errichtete neue Mensa nimmt dessen Kubatur auf und führt sie ins Obergeschoss weiter. Industrieglas und metallische Oberflächen charakterisieren das Gebäude und verleihen der Ganztagesschule ihren prägnanten Charakter.

Anerkennungen

Brücke der Landesgartenschau in Rietberg
Prof. Eberhard Fiebig, Kassel

Begründung der Jury: Auf dem Gelände der Landesgartenschau im ostwestfälischen Rietberg (siehe auch Google-Maps) wurde ein Brückenschlag vom Seecafé zum gegenüberliegenden Ufer mit einer reduzierten Trog-Balkenbrücke realisiert. Die als Vierendeel-Konstruktion ausgeführten Geländer übernehmen neben der Absturzsicherung auch die Tragfunktion. Die Laufebene wird aus Lochblechen gebildet, die von Untergurt zu Untergurt spannen. Die skulpturale, formal klare und reduzierte Erscheinung der Brücke macht deutlich, dass es sich hierbei um ein Objekt handelt und nicht um eine neue Entwicklungslinie im Brückenbau.

Auch auf den Aspekt der Nachhaltigkeit wurde besonderes Augenmerk gelegt. Zur Erreichung der angedachten Nutzungsdauer von mindestens 90 Jahren wurde die gesamte Tragkonstruktion feuerverzinkt und duplex-beschichtet.

Haltepunkt Solingen, Solingen
ASTOC Architects + Planners, Köln

Begründung der Jury: Die Form des Solinger "Bahnhof Mitte" signalisiert Bewegung und Funktion (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps ). Mit einer ebenso einfachen wie robusten Konstruktion aus feuerverzinkten Stahlträgern in Kombination mit anderen Baustoffen wurden die Planer einer nachhaltigen Bauweise gerecht. Die Dachanlage erfüllt mehrere Funktionen: den Schutz vor Witterungseinflüssen und die Unterbringung technisch notwendiger Elemente. Gleichzeitig entstehen wechselnde Licht- und Schattenspiele.

Der Bahnhof fügt sich in das moderne Stadtbild ein, hebt sich aber wohltuend von vergleichbaren Funktionsbauten ab - siehe übrigens auch Beitrag "Renault Traffic Future Award 2007 entschieden" vom 18.5.2008.

Spreebalkon Brommystraße, Berlin
Herwarth + Holz Planung und Architektur, Berlin

Begründung der Jury: Der "Spreebalkon" leistet einen wunderbaren Beitrag zur Rückgewinnung des Kreuzberger Spreeufers  (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps). In der Materialität auf feuerverzinkten Stahl und Holz reduziert, schafft das Bauwerk einen stimmigen Ort am und über dem Wasser mit vielfachen Blickbeziehungen.

Der Balkon ist demontierbar und kann im Falle des Neubaus der Brommybrücke abgebaut und an anderer Stelle wieder errichtet werden. Es handelt sich insgesamt um eine bis ins Detail überzeugende Anlage.

Electric Fountain am Rockefeller Plaza, New York
Künstler: Sue Webster, Tim Noble
Michael Hammers Studios GmbH, Wesseling

Begründung der Jury: Der Electric Fountain katapultiert die Brunnen und Fontänenspiele der barocken Lustgärten in das neuzeitliche New York (siehe Google-Maps). Als Kunstobjekt reagiert es mit seinem opulenten Formen- und expressiven Lichtspiel auf die Umgebung, in der es, temporär verankert, eher Karikatur denn ernstzunehmendes Wasserspiel sein will. Neben dem hohen künstlerischen Anspruch stellte es durch seine komplexe Formensprache und engen Radien höchste Anforderungen an Fertigung und Feuerverzinkung.

Belobigungen

Seezeichen Juist
Droste, Droste & Urban Architekten BDA, Oldenburg
Stahl- und Metallbau Ihnen GmbH & Co. OHG, Aurich

Begründung der Jury: Der umgebaute Hafen der Insel Juist hat ein Wahrzeichen bekommen - einen 16 m hohen Aussichtsturm, der die Form eines Segels im Wind adaptiert (siehe Google-Maps). Die markante duplex-beschichtete Architekturplastik birgt eine Wetterstation, das nautische Signalfeuer, Rettungsgeräte und ein Hochzeitszimmer.

Aussichtsturm Landesgartenschau Schleswig
Petersen Pörksen Partner Architekten + Stadtplaner BDA, Lübeck

Begründung der Jury: Der Aussichtsturm steht auf einer Regenwasserpumpstation aus Ziegelmauerwerk und wurde als feuerverzinkte Konstruktion mit einer Lärchenholzfassade ausgeführt. Durch die Kombination der Werkstoffe Holz, Backstein und feuerverzinkter Stahl und durch die Form des Turms entsteht ein Bauwerk, das sich harmonisch in die Umgebung einfügt.

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