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Transportbetonverband zu Normung, Beton- und Bautechnik

(7.9.2009) Anlässlich der Transportbeton-Tage 2009 des Bundesverbandes Transportbeton BTB in Baden-Baden informierte Dr.-Ing. Olaf Aßbrock, Geschäftsführer des BTB über aktuelle Tendenzen und Entwicklungen in der Normung sowie der Beton- und Bautechnik. Die von Dr. Aßbrock vorgestellten Initiativen und Projekte verdeutlichen, dass die Transportbetonindustrie gemeinsam mit ihren Partnern verstärkt an günstigen Rahmenbedingungen für die Herstellung und Anwendung von Transportbeton arbeitet.

Beton als Wandbaustoff
Abstimmung von Schalung und Beton sorgt für optimale Wandqualität

Besonders für den Wandbau eignen sich u.a. die selbstverdichtenden Betone (SVB) sowie die leicht verarbeitbaren Betone (LVB) der Konsistenzklassen F5 und F6. Diese weisen eine deutlich weichere Konsistenz als herkömmlicher Rüttelbeton auf und zeichnen sich dadurch aus, dass keinerlei (beim SVB) bzw. nur geringe (beim LVB) mechanische Verdichtungsmaßnahmen erforderlich sind, um eine gleichmäßige und hohe Betonqualität zu erreichen. Durch das gute Fließverhalten erfüllt besonders der selbstverdichtende Beton auch anspruchsvolle Schalungsgeometrien und ermöglicht die Realisierung individueller architektonischer Ideen. Die Oberfläche ist nach dem Ausschalen bei gleichzeitiger Ausführung als Sichtbeton nahezu porenfrei.

Bei der Verwendung von LVB und SVB ist generell eine korrekte Bemessung des Schalungsdrucks bzw. ein perfektes Zusammenspiel von Schalungselementen und Beton erforderlich, um ein optimales Ergebnis zu erreichen. Der BTB arbeitet in diesem Bereich mit dem Güteschutzverband Betonschalungen e.V. (GSV) zusammen. Auch innovative Lösungen wie die unbewehrte Wand sowie spezielle Betone wie SVB könnten vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an die Energieeffizienz im Bereich der Außenwände zusammen mit passenden Schalungssystemen in Zukunft auch im Wohn- und Nichtwohnbau eine bedeutende Rolle spielen. Sie lassen sich in Kombination mit entsprechenden Dämmsystemen wirtschaftlich einsetzen, erfüllen alle Qualitätsstandards und bieten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Aber auch vorkonfektionierte Wandsysteme, bei denen der Dämmstoff vor dem Einfüllen des Betons bereits in der vorgesehenen Wand integriert ist, wären eine Zukunftsoption. Wo die Reise letztendlich hingeht, bleibe abzuwarten; das werde am Ende der Kunde entscheiden - so Aßbrock.

Nachhaltiges Bauen
Ökologisches Baustoffprofil Transportbeton veröffentlicht

Die in einem Forschungsprojekt ermittelten Öko-Bilanzdaten für Betone der Druckfestigkeitsklassen C20/25, C25/30 und C30/37 sind mittlerweile im Informationsportal Nachhaltiges Bauen des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung veröffentlicht worden. Die Daten können von Planern genutzt werden, um eine Gesamtbilanz für die energetische Bewertung von Gebäuden zu erstellen. Im Vergleich über einen Zeitraum von zehn Jahren konnte der Baustoff Transportbeton seine Energiebilanz um rund ein Drittel verbessern. Die Hintergrundinformationen sind über die BTB-Broschüre im PDF-Format "Ökobilanzielle Baustoffprofile für Transportbeton" verfügbar.

DIN EN 12620 "Gesteinskörnungen für Beton"
Nun auch gültig für Recyclingkörnung

Die neu erschienene Norm DIN EN 12620 enthält die so genannte A1-Änderung, mit der spezielle Anforderungen an rezyklierte Gesteinskörnungen in die ansonsten unveränderte Norm aufgenommen worden sind. Die neuen - ausschließlich bautechnischen - Anforderungen an rezyklierte Körnungen sind weitestgehend so festgelegt, dass sie auch die bisherigen nationalen Anforderungen (insbesondere an die stoffliche Zusammensetzung) abbilden. Die Norm führt zur CE-Kennzeichnung. Durch die A1-Änderung wird diese für rezyklierte Gesteinskörnungen verpflichtend. Die Umsetzung in das bestehende deutsche Regelwerk im Betonbau wird durch eine entsprechende Ergänzung der DIN 1045-2 sowie der DAfStB-Richtlinie zur Verwendung von rezyklierten Gesteinskörnungen für die Herstellung von Beton erfolgen. Damit wäre dann eine Verwendung rezyklierter Gesteinskörnungen auch im Betonbau unter vereinfachten Bedingungen möglich.

Ultrahochfester Beton im Transportbetonwerk

Kurz vor dem Abschluss steht eine Studie zur erforderlichen Anlagenausstattung eines Transportbetonwerkes, einschließlich Fahrmischern und Betonpumpen zur Herstellung von so genanntem Ultrahochfestem Beton (UHFB).


Der Leitgedanke für dieses Forschungsprojekt besteht darin, ausgehend von den in der nationalen und internationalen Literatur dokumentierten Erkenntnissen und eigenen Erfahrungen, gezielt die erforderliche Anlagenausstattung eines Transportbetonwerkes einschließlich der Transportbetonfahrzeuge und der Betonpumpen zu beschreiben, um somit eine solide wissenschaftliche Basis zur zielsicheren Herstellung, Lieferung und Förderung von UHFB zu entwickeln. Am Ende steht eine Beurteilung der maschinen- und prozesstechnischen Voraussetzungen für einen auf die Belange von UHFB mit Nennfestigkeiten von 150 N/mm² bis 200 N/mm² abgestimmten Mischprozess. Das Vorhaben wird durch Praxisversuche in Mitgliedswerken begleitet.

ELSE – Elektronische Lieferscheine für die Transportbetonindustrie
Testbetrieb erfolgreich gestartet

Einige verbandlich organisierte Unternehmen beteiligen sich bereits mit insgesamt rund 30 Werken an dem zu Beginn des Jahres 2009 begonnenen Testbetrieb des ELSE-Systems unter echten Praxisbedingungen. Mittlerweile sind mehrere tausend Lieferscheine aus dem täglichen Betrieb von Transportbetonwerken auf der internetbasierten ELSE-Datenbank abgelegt. Hervorzuheben ist dabei, dass die Integration des Systems in Transportbetonwerke sehr unterschiedlichen Typs erfolgte. Dies unterstreicht die individuelle Nutzbarkeit des auf einer gemeinsamen Plattform entwickelten Programms (für weitere Informationen siehe beton-else.de).

Stahlfaserbeton

Die Arbeit an der Stahlfaserbetonrichtlinie des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStB) konnte mit einer Einspruchssitzung im Februar 2009 erfolgreich abgeschlossen werden. BTB-Einsprüche wurden dabei noch berücksichtigt. Mit der Veröffentlichung ist in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu rechnen. Für die Transportbetonindustrie konnten noch wichtige Änderungen im Bereich des Konformitätsnachweises für den Stahlfasergehalt eingebracht werden. Die Richtlinie ist grundsätzlich auch für Industrieböden anwendbar.

2010-Revision der europäischen Betonnorm EN 206-1
Konturen sind bereits erkennbar

Voraussichtlich im nächsten Jahr wird der Beschluss gefasst werden, die EN 206-1 einer Revision zu unterziehen. Bis dahin sollen Erfahrungen national wie auch auf europäischer Ebene gesammelt werden. An einigen Themenbereichen wird bereits jetzt gearbeitet, um belastbare Entscheidungsgrundlagen für eine Revision zur Verfügung zu haben. Dabei wurde die Beratung auf drei Arbeitsgruppen (engl. Task Group TG) verteilt:

  • TG 5: Verwendung von Zusatzstoffen
  • TG 10: Konformitätsbewertung, werkseigene Produktionskontrolle (WPK)
  • TG 17: Prinzip der gleichen Betondauerhaftigkeit (Eq. Performance Concept)

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