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Keramik direkt auf Schiffstahl verklebt

(10.8.2009) Sie klingen wie Musik, die Namen der Schiffe der Genfer Reederei MSC (Mediterranean Shipping Company): MSC Musica, MSC Orchestra und nun als das jüngste Mitglied der Kreuzfahrtflotte - die MSC Poesia. Im April 2008 ging das 90.000 Bruttoregistertonnen große "Vier-Sterne-Plus Schiff" vom Stapel und wurde im Hafen von Dover getauft. Beim Bau der zahlreichen Sport- und Wellnessanlagen, die sich über die insgesamt 13 Passagierdecks verteilen, kamen u.a. Produkte aus dem Profi-Sortiment der Sopro Bauchemie GmbH zum Einsatz. Sie ermöglichten es, keramische Beläge direkt auf der Stahlhaut des Schiffes sicher zu verlegen.


Stahl - in froher Erwartung ...

Die MSC Poesia ist ein modernes Kreuzfahrtschiff, das seinen über 2.550 Passagieren alle Möglichkeiten eines abwechslungsreichen Bordlebens bietet. Vor allem sportliche Naturen sollten hier auf ihre Kosten kommen. Sie können sich sowohl auf dem Joggingpfad, im Fitnessstudio oder beim Golftraining austoben, als auch in den Schwimmbädern, Whirlpools, Jacuzzis und Saunalandschaften der zahlreichen Wellnessbereiche entspannen und den Urlaub auf hoher See genießen.

Besonderheiten des Schiffbaus


... mit Fliesen ... (Bild vergrößern)

Gebaut wurde die knapp 300 Meter lange und über 30 Meter breite MSC Poesia im französischen Atlantikhafen St. Nazaire auf der Werft von Aker Yards France. Der Ausbau der insgesamt 13 Passagierdecks wurde von der Maritec International geplant und koordiniert, einem seit vielen Jahren auf den Schiffsbau spezialisierten französischen Unternehmen. Ein Unternehmen, welches um die Besonderheiten des Schiffbaus daher bestens Bescheid weiß. Zu diesen Besonderheiten gehört beispielsweise, dass hier keramische Beläge nicht wie sonst üblich auf Beton oder Mauerwerk verlegt werden können, sondern in der Masse direkt auf Stahluntergründe, also quasi auf der Schiffshaut geklebt und verlegt werden müssen. Dies ist aber nicht der einzige Unterschied zum herkömmlichen Bau. Hinzu kommt, dass die Untergründe, auf die die Keramikbeläge aufgebracht werden sollen, auf einem Schiff nicht wie bei einem Haus auf einem festen Fundament ruhen, sondern auf einem in sich tragenden Schiffskörper. Einem Schiffkörper, der ständig in Bewegung ist und somit mehr oder minder starken und in alle Richtungen verlaufenden Verformungen unterliegt.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass ein Kreuzfahrtschiff während der Seereise in der Regel keinen Fliesenleger an Bord hat, der eventuell notwendige Reparaturarbeiten an den keramischen Belägen durchführen kann. Die Konsequenz aus all diesen Vorgaben besteht darin, die Verlegung bereits auf der Werft in so hoher Qualität durchzuführen, dass schon von vornherein alle Risiken weitgehend ausgeschlossen werden. Dazu bedarf es neben dem notwendigen handwerklichen Können vor allem auch der "richtigen" Verlegeprodukte. Der Versuch, starre Oberbeläge wie sie keramische Fliesen und Platten darstellen mit Hilfe zementärer und hydraulisch erhärtender Kleber auf den "schwingenden" Stahluntergrund, der zudem einen hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten besitzt (hohe Haftscherbelastung) zu verlegen, erscheint dabei wenig erfolgversprechend. Vor allem auf Grund der hohen Spannungen und des möglichen Haftverbundverlustes sind hydraulisch erhärtende Mörtel hier nicht geeignet.


... und Mosaik belegt zu werden.

Sonderlösungen gesucht

Gesucht sind also Sonderlösungen und Spezialprodukte, die eine sichere Verlegung direkt auf der Stahlhaut des Schiffes ermöglichen. Im vorliegenden Fall haben die Schiffsbauer auf Produkte der Sopro Bauchemie GmbH aus Wiesbaden zurückgegriffen, einem Unternehmen, das bereits über langjährige Erfahrung auf dem Gebiet des Schiffsbaus verfügt. So wurden in St. Nazaire große Teile der keramischen Beläge in Form von Fliesen und Mosaik, die im Bereich der Schwimmbäder und Wellnessbereiche zum Einsatz kamen, mit Hilfe eines hochflexiblen Reaktionsharzklebers verlegt. Es handelt es hierbei um den Sopro PU-Kleber, einen zweikomponentigen, hellen Polyurethan-Reaktionsharz-Klebstoff, R1 T nach DIN EN 12004 zum Ansetzen und Verlegen von keramischen Fliesen und Platten. Er eignet sich speziell zum Verkleben auf Holz- und Gipsbaustoffen sowie Metallen.

Im Falle der MSC Poesia wurde ausschließlich mit diesem PU-Kleber gearbeitet. Auf eine Grundierung konnte dabei verzichtet werden, allerdings wurde darauf geachtet, dass der Stahluntergrund frei von Staub, Ölen und Fetten war. In einigen Teilbereichen wurde der Kleber zunächst als eine Art "Spachtelmasse" zum Ausgleich von auf dem Untergrund noch vorhandenen Unebenheiten bzw. zur Begradigung von Schweißnähten u. ä. eingesetzt. Anschließend wurden die keramischen Beläge in Form von Fliesen und Mosaik mit dem Reaktionsharzkleber direkt und sicher auf die "Schiffshaut" verlegt. Sicher deshalb, weil der Sopro PU-Kleber speziell für erhöhte Anforderungen an Haftzugfestigkeit und Haftscherfestigkeit, Elastizität und Wasserdichtigkeit auf kritischen Untergründen entwickelt wurde. So lässt er nicht nur einen hohen Haftverbund erwarten, sondern soll auch noch nach seiner Aushärtung so elastisch bleiben, dass er die Bewegungen des Schiffes ausgleicht. Hohllagen unter den Fliesen und in der Folge davon Rissbildungen in den keramischen Belägen würden so wirksam verhindert.

Verfugt wurden die Beläge zum einen mit Sopro FugenEpoxi (FEP), einem zweikomponentigen Epoxidharzmörtel, GR nach DIN EN 13888 und zum anderen mit der Sopro TitecFuge (TF), einem schnell erhärtenden, hochfesten, trasshaltigen Fugenmörtel, CG2 nach DIN EN 13888. Auf Grund ihrer hohen Flexibilität und einer sehr guten Flankenanhaftung an den keramischen Belag, wird trotz der oben genannten Verformungen eine langlebige Fugenfüllung gewährleistet.

Weitere Informationen zum PU-Kleber können per E-Mail an Sopro angefordert werden; siehe zudem "Bereits in vierter Auflage: Der Sopro Planer" vom 28.1.2009.

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