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Weltweit erstes Photovoltaik-Markisentuch für 2010 angekündigt

(14.2.2009, R+T-Bericht) Die Photovoltaik-Markise gilt bei Dickson als echtes Vorzeigeprojekt. Unternehmenschef Eugène Deleplanque sieht in dieser Neuentwicklung "ein unglaubliches Potenzial an innovativen Lösungen zur Verbesserung unserer Wohn- und Arbeitswelt". Die Idee zur Entwicklung einer Markise, die Strom großflächig aus erneuerbarer Energie nicht nur für den Eigengebrauch produziert und sich darüber hinaus problemlos in bestehende Bausubstanzen integrieren lässt, entstand 2005. Zwei Jahre später konnten in Zusammenarbeit mit der ENSAIT (Ecole Nationale Supérieure des Arts et Industries Textiles) die ersten Modelle vorgestellt werden. Insgesamt sind bei Dickson 10 Mitarbeiter mit dem Projekt beschäftigt (Ingenieure, Produkt-Manager und Marketing-Verantwortliche). 2008 wurde gemeinsam mit Somfy ein erster Prototyp entwickelt.

Schatten spenden und dabei Strom produzieren

Der von Dickson konzipierte Photovoltaik-Markisenstoff schließt hauchdünne, elastische Solarzellen ein. Treffen Licht-Photone auf die Oberfläche dieser Zellen, übertragen sie ihre Energie an die Elektronen im Zellkern. Diese geraten in Bewegung und erzeugen so elektrischen Strom, der über einen Wechselrichter ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Die so gewonnene Elektrizität kann direkt an den örtlichen Stromversorger verkauft werden.

Zur Optimierung der Stromerzeugung und zur Verlängerung der Lebensdauer der Solarzellen fährt ein an eine Wetterstation gekoppelter Motor die Markisen bei Helligkeit aus (um Frostschäden zu vermeiden allerdings nur bei Temperaturen von über 2 Grad plus) und bei stärkerem Wind wieder ein.

Das gesamte System besteht aus 6 Komponenten:

  1. Photovoltaik-Markisenstoff: Auf der Basis der Produktreihe Orchestra von Dickson wurden in das spinndüsengefärbte Tuch Solarzellen einer neuen, ultradünnen (< 1 mm) und sehr leichten (900 g/m²) Generation integriert. Die amorphen Siliziumzellen (ASi) sind so biegsam, dass sie sich problemlos mit dem Stoff einrollen lassen. Die Solarzellen können zwischen 60 und 98 % der Markisenoberfläche bedecken.
  2. Antriebsmotor
  3. Mechanik zum Ausfahren und Einrollen der Markise
  4. Wechselrichter zur Netzeinspeisung: Der Stromumwandler dient als Verbindungselement zwischen den Gleichstrom erzeugenden Solarzellen und dem allgemeinen Stromnetz.
  5. Wetterstation
  6. Steuerung und Übertragungssystem

Die Schätzwerte für die Stromerzeugung mit Markisen basieren auf einer Bestrahlungsstärke von 1.000 W/m² und liegen bei 40 Wp/m² Stromausbeute der Zellen, also bei 4%. Die Lebensdauer der von Dickson verwendeten Solarzellen soll bei 20 Jahren liegen.

Markteinführung 2010

Derzeit ist die Markteinführung der Photovoltaik-Markise für 2010 geplant. Weil der Verkaufspreis den einer herkömmlichen Markise sicher deutlich überschreitet, wird es je nach Land unterschiedliche Kaufanreize geben, die sich aus steuerlichen Subventionen und dem kWh-Preis zusammensetzen, die man für die Stromeinspeisung ins Netz erhält. Dickson rechnet derzeit damit, dass sich die Investition in rund sieben Jahren amortisiert.

Die Entwicklung des Photovoltaik-Marktes in Europa (Quelle: EPIA - European Photovoltaic Industry Association)

Noch vor zehn Jahren sprach man dem Solarstrom auf dem Energiemarkt nur eine winzige Nebenrolle zu. Heute ist die Photovoltaik im "Kreis der Großen" angekommen - mit Wachstumsraten von fast 40%, einer Jahresleistung von knapp 3,8 GW (2007), nahezu 70.000 Arbeitsplätzen in Europa und Tausenden von Unternehmen, die in diesem Sektor rund 9 Milliarden Euro Umsatz erzielen.

Voraussetzung für den Erfolg war die Einführung staatlich festgelegter Preise für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen. Als Vorreiter positionierten sich hier Deutschland und Japan. Zahlreiche Länder (wie Frankreich in 2006) folgten diesem Beispiel und kurbelten damit die Entwicklung weiter an.

Übrigens: Die 5 größten europäischen Solarstrom-Erzeugerländer sind (Jahresleistung):

  1. Deutschland: 3.846 MWp
  2. Spanien: 515 MWp
  3. Italien: 100,2 MWp
  4. Niederlande: 55 MWp
  5. Frankreich: 46 MWp

Nach Expertenmeinung hat der Photovoltaikstrom in Süditalien bereits heute mit dem "Strom aus der Steckdose" gleichgezogen. Für 2015 wird dies auch für Spanien und Südfrankreich erwartet, in einem Großteil des restlichen Europas dürfte es 2020 soweit sein.

EPIA beurteilt die Wachstumschancen für Photovoltaikstrom in Europa als so gut, dass der Anteil am Gesamtstromaufkommen 2020 bei rund 10-12 % liegen dürfte - im Gegensatz zu den heute prognostizierten 3%.

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*)  Die Maßeinheit Wp (Watt Peak) definiert die Nennleistung der Stromerzeugung unter Standard- bzw. Testbedingungen (Bestrahlungsstärke 1.000 W/m², normaler Luftdruck, Modultemperatur von 25°C).

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