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Entwicklung im Holzgewerbe

(10.9.2006) Anlässlich der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz am 7. September 2006 in Köln nahm Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holz und Kunststoffe verarbeitenden Industrie e.V. und des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie e.V., u.a. auch Stellung zur Entwicklung im Holzgewerbe:

Die Konjunkturentwicklung im Holzgewerbe, also bei den Herstellern von Säge-, Platten- und Holzprodukten im baunahen Bereich, beschleunigte sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Nach einem leichten Anstieg um 0,8 Prozent im Gesamtjahr 2005 erhöhte sich der Umsatz in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um weitere 7,3 Prozent. Der Halbjahresumsatz lag mit 8,2 Mrd. Euro rund 560 Mio. Euro über dem Vorjahresumsatz.

Verantwortlich für diese Entwicklung seien vor allem die Sägewerke, die ihren Umsatz dank steigender Nachfrage aus dem Bausektor, der Holzwerkstoffindustrie und dem Ausland um 12,3 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro steigern konnten. Der Umsatz der Holzverpackungsindustrie stieg im ersten Halbjahr 2006 ebenfalls deutlich um 9,2 Prozent auf 480 Mio. Euro. Deutschland ist nach wie vor Exportweltmeister und braucht zum Versand seiner Produkte auch die deutsche Holz-Verpackungsindustrie. Die rund 550 Betriebe dieser Branche mit ihren rund 12.000 Beschäftigten verbrauchen pro Jahr knapp 5 Mio. m³ Holz und sehen sich aktuell starken Preisanhebungen bei diesem Rohstoff gegenüber. Seit dem 1. Quartal 2005 explodierten die Preise für Verpackungsholz um 21 Prozent. Aufgrund vorhandener Angebotsengpässe im Markt ist weiterhin mit einer angespannten Situation zu rechnen. Trotz erwarteter deutlich steigender Umsätze für das Gesamtjahr 2006 ist mit einem starken Druck auf die Ertragslage zu rechnen, wenn es nicht gelingt, die Preiserhöhungen an den Markt weiterzugeben.

Entwicklung im baunahen Bereich

Der baunahe Bereich der Holzindustrie - darunter vor allem der Holzfertigbau - konnte ebenfalls einen überdurchschnittlichen Umsatzanstieg um 7,5 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro realisieren. Diesem Segment spielen die im ersten Halbjahr deutlich ansteigenden Baugenehmigungszahlen - insbesondere für Ein- und Zweifamilienhäuser in die Hände. Während die Gesamtzahl der Genehmigungen zwischen Januar und Mai um 27,4 Prozent zulegten, konnte der Fertigbau sich sogar um 34,1 Prozent steigern. Die zunehmende Nachfrage ist hier in erster Linie auf die starke Position der Branche bei Energiesparhäusern sowie auf Vorzieheffekte im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung 2007 zurückzuführen. Die deutsche Holzfertighausindustrie rechnet deshalb für das Gesamtjahr 2006 mit einer Umsatzsteigerung um 7,8 Prozent.

Das Produktionsvolumen der deutschen Parkettindustrie stieg im ersten Halbjahr 2006 um 9,3 Prozent, wofür insbesondere das stärkste Segment Mehrschichtparkett (Klick-Parkett) mit einem Produktionsplus von 10 Prozent verantwortlich war. Deutlich zulegen konnten auch Landhausdielen (+51%), wobei Mosaikparkett leicht (-1,1%) rückläufig war.

Die Holzwerkstoffhersteller steigerten ihren Umsatz um 3,8 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro. Sowohl die inländische Nachfrage aus der Möbelindustrie als auch die wachsenden Exporte sind für dieses Plus verantwortlich. Leicht negativ verlief das erste Halbjahr 2006 für die zwei kleinsten Segmente innerhalb des Holzgewerbes - die Holzveredelung (z.B. Särge) und Herstellung von Kork-, Flecht- und Korbwaren, die einen Umsatzrückgang um 1,5 Prozent auf 370 Mio. Euro bzw. um 3,2 Prozent auf 25 Mio. Euro verzeichneten.

Prognose für das Gesamtjahr 2006 der Holz- und Möbelindustrie angehoben

Vom ersten Halbjahr zum Ausblick auf das gesamte Jahr 2006 und unserer Prognose für Möbel und Holz: Zu Beginn des Jahres 2006 sind wir von einem Wachstum der Möbelindustrie um insgesamt 2 Prozent ausgegangen. Angesichts der Entwicklung des ersten Halbjahres heben wir diese Prognose insgesamt auf 3,5 Prozent an, wobei auf die unterschiedlichen Entwicklungen im Inland und Ausland hinzuweisen ist: Zwischen Januar und Juni 2006 stagnierte der Inlandsmarkt bei nominal plus 0,5 Prozent, während der Export - mit leicht abnehmender Tendenz - um 14,1 Prozent zulegte. Diese Entwicklung für das Gesamtjahr fortgeschrieben bedeutet ein nach wie vor labiles Inlandsgeschäft bei gutem, aber nachlassendem Exportgeschäft. Die aktuell zu beobachtenden Konjunktureintrübungen in USA werden Spuren auch im europäischen Markt hinterlassen und das Auslandsgeschäft im zweiten Halbjahr bremsen. Sofern wir für 2006 insgesamt ein Exportplus von 10 Prozent erreichen können, ist ein Gesamtanstieg des Herstellerumsatzes mit Möbeln um 3,5 Prozent realisierbar. Die übrige Holzbranche wird aufgrund der nach wie vor hoch eingeschätzten Nachfrage nach Säge- und Holzwerkstoffprodukten und einer leicht abnehmenden Dynamik im baunahen Bereich im Gesamtjahr 2006 eine Umsatzsteigerung von rund 5 Prozent generieren können.

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