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Moderne Klimatechnik - dann klappt's nicht nur mit 'nem Teleskop

Fernüberwachung, Kreiselkräfte, Parabolspiegel(12.7.2006) Den Auftrag zur Ausrüstung von 25 neuartigen Teleskopen mit Klimatechnik meldet der Hersteller Menerga, der seit dem Jahr 2000 das technische Entwicklungsvorhaben der amerikanischen Vertex Antennentechnik von Seiten der Klimatechnik her begleitet. Das Antennenbauunternehmen gehört der General Dynamics Gruppe an. Das Projekt war weltweit ausgeschrieben. Die Teleskope empfangen Millimeter- und Submillimeterwellen, ein Bereich zwischen Radiowellen und Infrarotstrahlen. Insgesamt sollen über 60 Teleskope gebaut werden, die im Rahmen eines internationalen, rein nichtmilitärischen Projektes zum Atacama Large Millimeter Array (ALMA) vernetzt werden. Sie werden in Chile auf einer Hochebene der Atacamawüste in 5.000 m Höhe aufgestellt und sollen Bilder aus bislang unerforschten Tiefen des Weltraumes liefern. Im Jahr 1999 wurde das Projekt vom European Southern Observatory (ESO) und dem National Radio Astronomy Observatory (NRAO) initiiert.

Der bewegliche Teil des Teleskops, der aus einer staubdicht geschlossenen Einheit von Parabolspiegel, Receiver Cabin und dem Invacon als Verbindungsglied besteht, muss auf Bruchteile von 1/1000 Millimetern positioniert werden, um die gewünschte Messgenauigkeit zu ermöglichen. In der Receiver Cabin sind Auswerteelektronik und Kommunikationstechnik untergebracht. "Bei direkter Sonneneinstrahlung erreichen Oberflächen schnell Temperaturen von 30 bis 40 °C. Im Schatten liegen sie jedoch im Minusbereich", beschreibt Dr.-Ing. Jürgen Röben, Mitglied der Geschäftsleitung von Menerga, die klimatischen Bedingungen in der Atacamawüste." Da mehrere Werkstoffe mit unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten zum Einsatz kommen, muss eine Klimatechnik den thermischen Verzug auch unter diesen extremen Bedingungen verhindern, sonst sind reproduzierbare Messungen nicht möglich."

Grundlage für die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Antennenbauer war die Bereitschaft des Mülheimer Herstellers langfristige Projekte zu begleiten und die Lieferung der Klimatechnik aus einer Hand mit Einrichtungen zur Fernüberwachung und zur Fernsteuerung. Immer wieder gab es neue Anforderungen an die Klimatechnik. Ein Beispiel sind Kreiselkräfte auf die Lager der Ventilatoren und Kompressoren, die bei der Positionierung der Teleskope durch die Servomotoren entstehen. Auch der Energieverbrauch wurde in späteren Projektphasen immer wichtiger, so dass der Funktionsumfang der Klimageräte um die freie Kühlung erweitert wurde. "Für uns sind die ALMA-Teleskope nicht nur eine spektakuläre Referenz", erklärt Dr. Röben. "Viele Erkenntnisse daraus fließen in unser Alltagsgeschäft ein. Wichtig ist uns auch die Botschaft an unsere Kunden, dass wir bereit und in der Lage sind, sehr anspruchsvolle Projekte in enger Zusammenarbeit mit den Auftraggebern zu lösen."

Den ersten Praxistest unter den extremen Bedingungen der chilenischen Wüste bestand das Teleskop bereits. Die Max-Planck-Gesellschaft bestellte vorab im Rahmen ihres APEX-Projektes (Atacama Pathfinder Experiment) eine modifizierte Anlage, die ohne Basisstation, wie sie für das ALMA-Projekt geplant ist, arbeiten kann. Die Inbetriebnahme der Klimaanlagen begleiteten Mitarbeiter von Menerga vor Ort. Bereits jetzt zeige sich, wie die Max-Planck-Gesellschaft mitteilt, dass dieses Teleskop eine nahezu ungehinderte Sicht auf Galaxienkerne und die Entstehungsgebiete neuer Sterne ermögliche.

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