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Terrorgefahr: Kein Internet zur WM?

(1.4.2006) April, April: Die Bundesregierung hat in Kooperation mit der zentralen Registratur für Deutsche Internet-Domains (DENIC) und den großen Providern die zeitweilige Schließung eines Großteils der Internetzugänge in den Austragungsstädten der Fußball-WM beschlossen. Hacker könnten durch eine gezielte Überlastung der Hauptknoten im Trubel der Weltmeisterschaft deutsche Unternehmen massiv schädigen. Konkret befürchte man, die Backbones in den Austragungsorten würden der aufkommenden Datenflut nicht standhalten. In unserer Branche werden besonders solche Unternehmen betroffen sein, die auf ihr tägliches internetbasiertes Projektmanagement (IBPM) nicht werden verzichten können.

Anstoß für diesen Beschluss gab Bayerns Innenminister Dr. Günther Beckstein. Die Terrorgefahr sei während der WM deutlich erhöht - das umfasse nicht nur mögliche physische Gewaltakte durch Bombenterror, sondern auch Internet-Kriminalität. Um die Knoten zu entlasten, werde die Bundesregierung bereits am 1. April bei einzelnen Internet-Zugängen vorsorglich das Licht ausknipsen. Unternehmen können auf Antrag (bis 1. Mai 2006) eine Sondergenehmigung erhalten.

Beckstein war zuvor unter anderem mit der Forderung nach jahrelanger Speicherung von Telefon- und Internet-Verbindungsdaten in die Schlagzeilen geraten - zur Freude vieler Internet-Liberaler damals erfolglos. In diesem Falle hat das Bundesverfassungsgericht die "temporäre" Beschneidung der Bürgerrechte in den Spielstädten bereits verfassungsrechtlich abgesegnet - der Schutz wiege hier stärker als die Informationsfreiheit. Angesichts der drastischen Einschränkung wirbt Beckstein aktiv um Akzeptanz bei Bürgern und Betrieben: Die Kommunikationsarbeit im Vorfeld der Schließung wurde der niedersächsischen Agentur pr nord übertragen.

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