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Reduzierter Mehrwertsteuersatz könnte eine Million Arbeitsplätze schaffen

(25.3.2006) Ein reduzierter Mehrwertsteuersatz auf arbeitsintensive Leistungen könnte in Deutschland bis zu einer Million Arbeitsplätze schaffen. Das ist das Ergebnis einer Modellrechnung der Verbände des Bayerischen Zimmerer- und Holzbaugewerbes (VBZH). Auch die öffentlichen Kassen könnten dadurch profitieren: Zwar würden die Mehrwertsteuer-Einnahmen leicht zurückgehen, dafür würden aber die Einnahmen bei der Lohnsteuer, der Sozialversicherung und der gesetzlichen Unfallversicherung umso stärker steigen. Insgesamt geht es um ein Plus im zweistelligen Milliardenbetrag, so das Ergebnis des Rechenexempels.

Die Europäische Union verlängert demnächst ein Modellprojekt, in dem die Mitgliedsstaaten den reduzierten Mehrwertsteuersatz für arbeitsintensive Leistungen wie Hausrenovierungen, Reparaturen und Friseurdienste bis zum Jahr 2010 testen können. Ziel ist es, Arbeitsplätze zu schaffen und die Schwarzarbeit einzudämmen. Die Bundesregierung müsste Deutschland für das Projekt schon bald anmelden - Stichtag ist der 31. März.

"Durch einen reduzierten Mehrwertsteuersatz würde die Schwarzarbeit zurückgehen, weil der Preisunterschied zwischen illegalen und legalen Handwerksleistungen nicht mehr so groß wäre", sagt VBZH-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Strauß. Die Betriebe würden wieder mehr Aufträge bekommen und könnten endlich wieder Arbeitsplätze schaffen. Schätzungen zufolge hat die Schattenwirtschaft zurzeit ein Volumen von 350 Milliarden Euro pro Jahr. Rund ein Drittel davon dürfte nach einer Mehrwertsteuerermäßigung legal werden, schätzt Strauß als Grundlage für seine Modellrechnung. "Allein die Sozialversicherungen könnten durch die zusätzlichen Stellen jährlich zehn Milliarden Euro mehr einnehmen," so Strauß.

In den neun EU-Staaten, die das Modellprojekt seit 1999 testen, sind auf diese Weise bereits hunderttausende neuer Jobs geschaffen worden, in Frankreich beispielsweise 150.000 Stellen. Umso unverständlicher sei es, dass sich die Bundesregierung für das Projekt offenbar nicht interessiert, bemängelt der VBZH-Hauptgeschäftsführer. Nach dem aktuellen Stand werden sich alle EU-Länder mit Ausnahme von Deutschland und Dänemark an dem Versuch beteiligen. Strauß fordert: "Die Bundesregierung muss diese letzte Chance nutzen und bis 31. März den Antrag stellen, damit das deutsche Handwerk wieder in Schwung kommt."

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