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Unipor-Ziegelwerke melden deutlichen Absatz-Rückgang

(20.1.2006) Einen deutlich geringeren Absatz in 2005 melden jetzt die 23 Unternehmen der Unipor-Ziegel-Gruppe. Sie verzeichnen insgesamt einen Rückgang von 12,2 Prozent auf 1,08 Milliarden verkaufter Ziegel-Normalformate (2004: 1,23 Mrd.). Im gleichen Zeitraum fiel der bereinigte Gesamtumsatz um 5,3 Prozent auf 120,8 Millionen Euro (Vorjahr: 127,5 Mio.). Das gab der Verbund mittelständischer Ziegel-Unternehmen jetzt auf der Fachmesse DEUBAU in Essen bekannt.

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"Mit diesem schwachen Ergebnis liegen wir im Trend der gesamten deutschen Wandbaustoff-Industrie. Allerdings sind wir noch mit einem blauen Auge davon gekommen", wertet Vorstandsvorsitzender Kastulus Bader die Zahlen und verweist dabei auf den gleich gebliebenen Marktanteil. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr bundesweit 31.800 Wohneinheiten mit Unipor-Ziegeln errichtet - und damit jeder achte Neubau in Deutschland. Für 2006 erwartet Unipor das "schwerste Jahr für die deutsche Ziegelindustrie seit 1949". Bader begründet die Prognose mit vergangenen baupolitischen Entscheidungen, die zu einem Rekordtief bei den Baugenehmigungen in 2005 geführt haben.

Die 23 selbstständigen Unternehmen der Unipor-Ziegel-Gruppe melden deutlichen Absatz- und Umsatzrückgang für das vergangene Geschäftsjahr. Im Kernbereich Hintermauerziegel fiel der Umsatz um 5,1 Prozent auf 89,0 Millionen Euro (Vorjahr: 93,8 Mio.). Bei diesen Zahlen fallen die regionalen Unterschiede besonders ins Auge: Während die süddeutschen Werke ihr Vorjahres-Ergebnis nahezu halten konnten, verzeichnen die Unipor-Mitgliedswerke im Norden und Nordwesten ein enttäuschendes Umsatz-Minus von 15,2 Prozent. "Wir sehen diese Umsätze im Norden Deutschlands als das Resultat eines unglücklichen Preis-Wettbewerbes und appellieren an alle Markt-Teilnehmer, in dieser schwierigen konjunkturellen Lage wieder mehr Vernunft walten zu lassen", erklärt Unipor-Vorstandsvorsitzender Kastulus Bader. Langfristig sei keinem gedient, wenn "Wandbaustoffe teilweise unter den Herstellungskosten" verkauft würden.


Der deutliche Absatz-Rückgang hänge hingegen mit dem bundesweit starken Rückgang der Bau-Fertigstellungen in 2005 zusammen. Laut Bader sind für diese Entwicklung die politischen Entscheidungsträger auf Bundesebene verantwortlich. Wegen des lang diskutierten Wegfalls der Eigenheimzulage und der unsicheren Arbeitsmarkt-Situation seien die Menschen in Deutschland stark verunsichert. Bauwillige trauen sich derzeit nicht, langfristige finanzielle Verpflichtungen einzugehen, erläutert Bader die Lage. Dabei sind Hypotheken-Zinsen und Baupreise auf "selten niedrigem Niveau". Diese "psychische Investitions-Barriere" zu lösen, sei eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Baupolitik in den nächsten Jahren.

Guter Absatz bei hoch wärmedämmenden Ziegeln

Einen positiven Trend sieht Unipor bei den aktuellen Jahreszahlen: Trotz des allgemeinen Rückgangs der Bau-Fertigstellungen in 2005 erfuhren die hochwertigen, wärmedämmenden Mauerziegel eine überdurchschnittlich gute Nachfrage auf dem Markt. "Das ist auch der Grund, warum wir beim Umsatz deutlich besser dastehen als beim Absatz," erklärt Unipor-Geschäftsführer Dr.-Ing. Thomas Fehlhaber. Es habe sich als richtig erwiesen, den Schwerpunkt bei der Produkt-Entwicklung auf hoch wärmedämmende Mauerziegel für Ein- und Zweifamilienhäuser zu legen. Diese sogenannten W-Klasse-Ziegel (W=Wärmedämmung) ermöglichen den Bau von KfW-geförderten Energiesparhäusern, ohne dass eine kostspielige Zusatzdämmung der Außenwände erforderlich ist. Die Mehrkosten bei der Anschaffung dieser Ziegel amortisieren sich binnen kurzer Zeit durch die erzielte Heizkosten-Ersparnis. Darüber hinaus bietet Unipor zwei weitere Ziegel-Klassen an, die für Mehrfamilien-Objekte konzipiert sind und hohe Anforderungen an Statik und Schallschutz erfüllen (siehe auch "Neue Produktklassen von Unipor vom 19.12.2005).

Zudem wird die Unipor-Gruppe im laufenden Jahr ihren Etat für Forschung und Entwicklung aufstocken. "Wir wollen unsere Position als Forschungs-Spitzenreiter unter den deutschen Mauerziegel-Gruppen weiter ausbauen", erläutert Fehlhaber die Zielsetzung. Hohe Erwartungen setzt Unipor dabei auch auf einen jüngst patentierten Ziegel, der für eine Wärmedämm-Füllung konzipiert ist. Unipor prüft derzeit verschiedene Füll-Materialien, die den hohen internen Qualität-Standards entsprechen.

Ziegelindustrie droht neuer Konzentrations-Prozess

Der dramatische Rückgang an Baugenehmigungen im vergangenen Jahr lässt Unipor düster in die Zukunft blicken. "Die Baugenehmigungen sind jüngsten LBS-Zahlen zufolge um 11 Prozent auf 238.000 Wohneinheiten gefallen - und befinden sich damit auf dem niedrigsten Stand seit 1949", erklärt Vorstandsvorsitzender Kastulus Bader. Die Zahl der Vorjahres-Baugenehmigungen ist für die Ziegelindustrie ein wichtiger Früh-Indikator für die Zahl der Fertigstellungen im laufenden Jahr. Erfahrungsgemäß vergehen zwischen Baugenehmigung und Beginn der Baumaßnahme rund sechs Monate. "Wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, wird auch die Zahl der Bau-Fertigstellungen in 2006 auf ein Rekordtief fallen", stellt Bader fest. Die Ziegelindustrie stünde vor ihrem "schwersten Jahr seit Bestehen der Bundesrepublik". Bader befürchtet daher einen weiteren Konzentrations-Prozess in der Ziegelindustrie - bedingt durch Insolvenzen und Werks-Stilllegungen.

Um der negativen Entwicklung ein Ende zu setzen, appelliert Unipor an die Bundesregierung, das selbst genutzte Wohneigentum "endlich als vierte Säule" der privaten Altersvorsorge anzuerkennen. Momentan werde der Eigenheim-Bau gegenüber anderen Vorsorge-Formen gezielt diskriminiert. Während beispielsweise die Riester-Rente steuerlich begünstigt und vor staatlichen Zugriffen geschützt ist - so Bader - kann auf das Wohneigentum "immer noch munter zugegriffen werden" (siehe auch "Eigenheimförderung ab 2007 Teil der Riester-Rente?" vom 3.1.2006). Unipor schließt sich daher einer zentralen Forderung der Deutschen Bauwirtschaft an, die eine Gleichstellung des Wohneigentums als Element der privaten Altersvorsorge fordert. Eine solche Lösung sei auch in Zeiten leerer öffentlicher Kassen umsetzbar, denn sie koste den Staat keinen Cent. Er verzichte lediglich auf mögliche Zusatz-Einnahmen in der Zukunft, die jedoch mittelfristig durch eine anspringende Baukonjunktur ausgeglichen werden könnten. Außerdem reduziere der Staat damit die Altersarmut, die dann nicht mehr von der Solidargemeinschaft aufgefangen werden muss. "Das Eigenheim zur vierten Säule der Altersvorsorge zu machen, bedeutet die Verantwortung für die eigene Zukunft wieder stärker dahin zu verlagern, wo sie auch hingehört: nämlich weiter weg vom Staat - und näher zum mündigen Bürger", stellt Bader fest.

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