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Ohne den richtigen Versicherungsschutz wird der Hausbau zum russischen Roulette

(18.11.2005) "Eltern haften für ihre Kinder" - auf vielen Baustellen gehört dieses Schild zur Standardausstattung. Doch die Kosten dafür können sich Bauherren getrost sparen. Denn haften müssen sie trotzdem für Unfälle, die auf ihrem Baugrund passieren. Wirklichen Schutz vor existenzbedrohenden Risiken bringt beim Hausbau nur der Abschluss der richtigen Versicherungsverträge. Die wichtigsten:

  • Bauherren-Haftpflichtversicherung,
  • Bauleistungsversicherung,
  • Feuer-Rohbauversicherung,
  • Bauhelfer-Unfallversicherung,.

Bauherren-Haftpflichtversicherung

Was für jeden Autofahrer Pflicht ist, sollte auch für Bauherren selbstverständlich sein: eine Haftpflichtversicherung, die im Falle eines Falles für den Schaden aufkommt, der einer anderen Person zugefügt wird. Auf einer Baustelle kann schließlich viel passieren. Fällt ein Stein vom Gerüst und verletzt einen Passanten oder schleichen sich Kinder in den Bau und stürzen von einer ungesicherten Treppe, kann das für den Bauherren fatale Folgen haben. Neben den Behandlungskosten muss unter Umständen Schmerzensgeld und eine lebenslange Rente an die betroffene Person gezahlt werden. Der rechtzeitige Abschluss einer Bauherren-Haftpflichtversicherung kann dagegen verhindern, dass der Bauherr schon um Haus und Hof kommt, bevor diese überhaupt fertig gestellt sind. Denn für Personen- und Sachschäden, die Dritte auf dem Baugrundstück erleiden, muss dann der Versicherer zahlen. Das selbst, wenn der Bauherr den Unfall grob fahrlässig verschuldet hat.

Damit die schlimmsten Schadensfälle komplett abgedeckt sind, sollte die Versicherungssumme mindestens drei Millionen Euro betragen. An den Kosten muss der Versicherungsabschluss keineswegs scheitern. Die Stiftung Warentest hat für ein Bauvorhaben mit einer Bausumme von 250.000 Euro Einmalprämien in einer Preisspanne von knapp über 100 Euro bis zu rund 300 Euro ermittelt. Je nach Anbieter besteht der Versicherungsschutz dann meist für zwei bis drei, teilweise aber auch für fünf Jahre ab Vertragsschluss.

  • Beiträge sparen kann vielfach, wer ein Fertighaus baut. Einige Versicherer sehen hier nämlich geringere Schadensrisiken und kassieren niedrigere Prämien (siehe auch Meldung "Fertighaus-Bauherren oft günstiger versichert" vom 22.5.2005).
  • Dagegen trauen viele Assekuranzen den handwerklichen Fähigkeiten der Bauherren nicht so richtig über den Weg. Die Folge: Pro 1.000 Euro eingeplanter Eigenleistungen wird oft ein Beitragsaufschlag fällig.

Bevor der Vertrag unterzeichnet wird, sollte jeder Bauherr aber zunächst die Bedingungen seiner Privathaftpflicht studieren. Denn diese enthält häufig bereits auch einen Versicherungsschutz für Bauvorhaben. Allerdings meist begrenzt auf Bausummen von 20.000 bis 50.000 Euro. Ohne Zusatzpolice dürften dadurch wohl nur kleinere Umbauvorhaben zu versichern sein.

Bauleistungsversicherung

Nicht nur die Schädigung anderer kann ein Bauvorhaben gefährden. Wird das Objekt zum Beispiel durch einen Sturm, heftigen Regen oder Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen, können die Folgekosten das finanzielle Gerüst ebenfalls zum Einstürzen bringen. Für solche Fälle bietet die Bauleistungsversicherung eine sinnvolle Art von "Teilkaskoschutz". Sie springt in den genannten Fällen ein. Auch dann, wenn Vandalen das Objekt mutwillig beschädigen. Außerdem steht der Versicherer für den durch Material- oder Konstruktionsfehler sowie Unachtsamkeiten von Bauhandwerkern verursachten Murks am Bau gerade. Die Kosten kann er sich anschließend aber von den Verursachern zurückholen.

Jeden Minischaden wollen die Anbieter allerdings nicht übernehmen. Die aktuellen Versicherungstarife sehen daher durchweg eine Selbstbeteiligung des Kunden in Höhe von 150 bis 300 Euro pro Schadensfall vor. Sparpotential gibt es bei den Versicherungsprämien: Hier ermittelten die Berliner Warentester zum Jahresbeginn bei vergleichbarer Leistung eine Preisspanne von 320 bis rund 900 Euro (Einmalbeitrag für eine Bausumme von 250.000 Euro).

Feuer-Rohbauversicherung

Bei Schäden, die durch Brand, Blitzeinschlag oder Explosionen entstehen, zahlt die Bauleistungsversicherung nicht. Wer diesen Schutz will, braucht zusätzlich eine Feuer-Rohbauversicherung. Doch der Abschluss einer speziellen Police ist oft nicht nötig. Denn normale Wohngebäudeversicherungen schließen diesen Versicherungsschutz häufig kostenlos ein. Voraussetzung vieler Versicherer: Es wird ein Vertrag mit mindestens fünfjähriger Laufzeit abgeschlossen. Aus der meist auf eine Laufzeit von zwölf Monaten beschränkten Feuerversicherung für den Rohbau wird am Ende der Bauphase dann automatisch eine normale Wohngebäudeversicherung.

Bauhelfer-Unfallversicherung

Packen Freunde und Verwandte auf der Baustelle kostenlos mit an, sind sie automatisch unfallversichert. Und zwar über die Bauhelfer-Unfallversicherung der Bau-Berufsgenossenschaften. Allerdings nicht kostenlos. Der Bauherr muss die Helfer bei der Genossenschaft anmelden und je geleisteter Arbeitsstunde für den Unfallschutz circa 1,50 bis 2 Euro zahlen. Tut er dies nicht, sind die freiwilligen Helfer im Falle eines Falles zwar dennoch versichert. Dem Bauherren droht dann aber ein saftiges Bußgeld. Für den eigenen Arbeitseinsatz fallen dagegen keine Abgaben an die Genossenschaft an. Denn Bauherren selbst können sich nur mit einer privaten Unfallpolice gegen die finanziellen Unfallfolgen absichern.

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