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Kommunale Holzheizungen sind im Kommen

(1.9.2005) Noch beheizen wenige Kommunen ihre Gebäude mit dem Brennstoff Holz - doch die wirtschaftlichen Erfolge sprechen für sich.

Im Rückblick gesehen, sagt Norbert Loth, habe die Politik eine "ganz kluge Entscheidung" getroffen. Mit einem Schmunzeln erinnert sich der Technische Werksleiter der Verbandsgemeinde Bad Hönningen im Norden von Rheinland-Pfalz daran, dass für die energetische Sanierung des örtlichen Schulzentrums lange Zeit eine Gasheizung favorisiert worden war: "Dann hat unser Gemeindeförster eine solch flammende Rede gehalten, in der er die Nachhaltigkeit von Holz betont hatte, dass es ein fast einstimmiges Votum für eine Hackschnitzelheizung gab."

Brennstoffkostenvergleich ab 1998
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Vergleich zwischen Holzpellets, Heizöl und Erdgas bei einem Bedarf von 3000 l Heizöl bzw. der vergleichbaren Energiemenge von Holzpellets (6.100 kg) Erdgas (33.540 kWh plus Grundgebühr) für die Bundesrepublik Deutschland (Stand: Juni 2005, Quelle: brennstoffspiegel.de)

Beim Förster kann sich der Kämmerer von Bad Hönningen noch heute bedanken: Im Vergleich zur früheren Stromheizung in dem Schulkomplex, den insgesamt 1.000 Schüler besuchen, beträgt die Energierechnung mit gut 28.000 Euro mittlerweile weniger als die Hälfte im Vergleich zu vor fünf Jahren.

Seit Oktober 2002 läuft in Bad Hönningen die erste größere Holzhackheizung, die auf eine thermische Leistung auf 405 Kilowatt ausgelegt ist. Für eine besonders hohe Nachfrage steht noch ein Gaskessel mit 420 kW Leistung in Reserve. "Übers Jahr gesehen deckt aber die Hackheizung 90% des Wärmebedarfs ab, womit wir unser selbst gestecktes Ziel erreicht haben", freut sich Werkleiter Roth.

Ein anderes Ziel wird die Gemeindespitze infolge der spürbar gestiegenen Öl- und Gaspreise in den vergangenen Monaten vorzeitig erreichen. "Ursprünglich waren wir von einer Amortisationsdauer von elf bis zwölf Jahren ausgegangen. Beim derzeitigen Energiepreisniveau können wir die Kosten vielleicht schon nach acht Jahren erwirtschaften", wagt Loth eine Prognose.

Die guten Erfahrungen mit den Holzhackheizung hat die Verwaltung in Bad Hönningen jedenfalls motiviert, im kommenden Jahr bei der anstehenden Heizungssanierung einer Sporthalle, die mit einem Kindergarten kombiniert ist, wiederum auf den Brennstoff Holz zu setzen. Loth: "Dieses Mal gab es im Vorfeld keine langwierigen Debatten."

Solche Beispiele sind Bernhard Geisen, Geschäftsführer des Bundesverbandes BioEnergie (BBE), am liebsten: "Bislang hat es nach unseren Beobachtungen bundesweit in den Kommunen noch nicht den großen Run gegeben, verstärkt ihre Liegenschaften mit Biowärme auf Holzbasis zu beheizen." Deshalb seien positive Beispiele so wichtig, um nach wie vor bestehende Informationsdefizite abzubauen.

Geisen baut nicht nur auf den Informationsaustausch mit dem Städte- und Gemeindebund, sondern auch auf den BBE-Fachkongress "HolzEnergie 2005", der während der "IHE - Internationale Messe für Holzenergie" vom 22.-25. September in Augsburg stattfindet. Die Veranstaltung ist mittlerweile zur bundesweit wichtigsten Holzfachmesse avanciert: "Wir müssen die best practise-Beispiele einfach viel bekannter machen. Für den Bioenergie-Verband zählen die Kommunen mit zu den 'wichtigsten Zielgruppen', um den Holzeinsatz zu forcieren." Dass das vielerorts ein langwieriger Prozess ist, darüber macht sich Geisen keine Illusionen: "Bei vielen Kommunalpolitikern gilt es wirklich die bekannten dicken Bretter zu bohren, zumal viele Städte auch mit ihren Energieversorgern eng verbandelt sind, die ihren Gasabsatz halten wollen."

Auch Michael Kralemann, der die Initiative "BEN - Bioenergie in Niedersachsen koordiniert", sieht gerade auf kommunaler Ebene noch einen großen Nachholbedarf beim Holzenergie-Einsatz: "Wenn, dann geht die Initiative überwiegend von den Forstleuten aus, die immer viel Überzeugungsarbeit leisten müssen."

Wie es auch anders geht, zeigt Bene Müller von der solarcomplex GmbH aus Singen. Für alle kommunalen Liegenschaften im Landkreis Konstanz hat das Beratungs- und Ingenieurbüro mit finanzieller Unterstützung der Forstdirektion Freiburg ein Kataster erstellt, welche Gebäude sich für den Holzeinsatz eignen. "Bei unserer Untersuchung sind wir zum einen davon ausgegangen, dass die Biowärme preislich am günstigsten ist. Bei der zweiten Variante durfte der Wärmepreis auf Holzbasis maximal zehn Prozent höher liegen als beim Einsatz von Öl oder Gas", erklärt Geschäftsführer Müller das Vorgehen.

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Ähnlich die Situation im oberallgäuischen Sonthofen. "Wir waren von Anfang an davon überzeugt, dass sich Holz mittel- und langfristig besser rechnen würde", erzählt Christoph Lindermayr, "bei den gestiegenen Preisen für fossile Energien können wir schon heute sagen, dass die Entscheidung für Holz richtig war."

Der Diplomingenieur ist Projektleiter der BioEnergie Oberallgäu GmbH (BEO), deren Holzheizkraftwerk seit Anfang Januar in Betrieb ist. Ausgelegt ist das Sieben-Millionen-Projekt auf eine Feuerungsleistung von 4,9 Megawatt. Dank der Kraft-Wärme-Kopplungstechnik (KWK) erzeugt eine Turbine mit 700 kW Leistung Strom.

Freude herrschte bei den BEO-Initiatoren nicht nur über den 2,45 Mio.-Euro-Zuschuss aus dem bayerischen Landwirtschafts- und Forstministerium. Das neue Kraftwerk trage wesentlich dazu bei, die Wertschöpfung in der Region zu verbessern", betonte Landrat Gebhard Kaiser bei der offiziellen Einweihung Anfang Juli, "nicht Ölmultis und große Raffinieren verdienen hier ihr Geld, sondern die heimische Land- und Forstwirtschaft." Das größte Holzheizkraftwerk im Allgäu wird mit jährlich 10.000 Tonnen naturbelassenem Wald- und Restholz aus dem Umkreis von Sonthofen befeuert. Lieferanten sind einige Sägewerke und mehrere Waldbauern. Damit spare allein das Holzheizkraftwerk nun jährlich 2,3 Millionen Liter Erdöl hat, hat Kaiser berechnen lassen.

Dank eines schon vorhandenen kleineren Fernwärmenetzes werden an der Iller mit der Biowärme nun nicht nur das Sonthofener Rathaus sowie weitere öffentliche Gebäude beheizt, sondern auch 800 Wohnungen des Sozialwirtschaftswerks Oberallgäu, sprich, die Holzenergie hilft mit, die Kosten für die zweite Miete zu reduzieren. Wie sagte BEO-Projektleiter Christoph Lindermayr so schön: "Bei dem neuen Holzheizkraftwerk gibt es nur Gewinner."

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