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Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg: "China ist für uns ein Glücksfall"

(17.8.2005) Die beiden Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg planen in China in der Nähe von Shanghai die neue Stadt Lingang für 800.000 Menschen. Der ZEIT sagen sie: "Wir legen im Zentrum einen See an, der nie zugeschüttet wird, stellen auf ein paar Inseln die Kulturbauten und schaffen am Ufer dieses Sees lauter erste Adressen. Alle haben sie die gleiche Lage, und alle schauen sie auf die Mitte, eine Mitte, die kollektiv ist. Das Wasser, der Strand, die Promenade laden die Bürger ein, und auch viele Besucher. Denn so etwas gibt es in ganz China nicht." Von Gerkan: "Das ist ein bisschen Theaterinszenierung, was man da macht ... China ist für uns jedenfalls ein Glücksfall. Das ist mit Europa nicht zu vergleichen. Wir stoßen dort nicht auf Wände, sondern auf ein Vakuum."

In der ZEIT kritisieren die Architekten moderne Planungen in Deutschland. In vielen ländlichen Regionen komme man "nur durch geschundene, zerstörte Orte. Sie kriegen eine Netzhautablösung von diesem Grauen, diesen verkrüppelten Häusern und Bauernhöfen." Auch viele Städte seien systematisch zerstört worden. "Die meisten Großunternehmen fühlen sich nicht als Teil eines städtischen Kollektivs. Sie ignorieren das Bild, das Gefüge, den Konsens einer Stadt." Von Gerkan: "Aber warum müssen ausgerechnet die Bauherren mit den größten Selbstdarstellungsbedürfnissen den schlechtesten Geschmack haben?" Marg: "Uns bleibt ja immerhin der Versuch, Fantasie und Inszenierungsideen zu implantieren. Die sind politische Mangelware."

Für das komplette Interview siehe ZEIT Nr. 34 vom 18. August 2005.

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