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Plagiarius-Verleihung 2005: 1.Preis geht an Plagiat einer Dornbracht-Armatur

Plagiat, Fälschung, Plagiarius, Plagiate, Nachahmer, Plagiator, Fälscher, Aktion Plagiarius, Fälschungen(20.2.2005) Der von Plagiatoren und Fälschern gefürchtete Negativpreis "Plagiarius" wurde dieses Jahr bereits zum 29. Mal verliehen. Symbolfigur des 1977 von Designer Rido Busse initiierten Preises ist der schwarze Zwerg mit der goldenen Nase. Der Plagiarius zeigt öffentlich die Unverfrorenheit und Skrupellosigkeit von Nachahmern. Mangels eigener Kreativität und vor allem aus Profitgier werden innovative Ideen Anderer 1:1 übernommen und als eigene Leistung ausgegeben. Mit der Preisverleihung klärt die Aktion Plagiarius sowohl Designer und Firmen, aber auch Politiker, den Gesetzgeber und nicht zuletzt die Konsumenten über das enorme Ausmaß und die negativen Auswirkungen von Plagiaten und Fälschungen auf. Sie sollen für einen bewussteren und kritischeren Umgang mit dem Thema "Original und Plagiat" sensibilisiert werden.

Die Europäische Kommission schätzt, dass heute bereits 7-10% des Welthandels Fälschungen und Plagiate sind und dass dadurch weltweit ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von € 200-300 Mrd. pro Jahr entsteht und mehr als 200.000 Arbeitsplätze vernichtet werden. Alarmierende Zahlen, bei denen man nicht mehr von einem Kavaliersdelikt sprechen kann, sondern vielmehr von skrupelloser Wirtschaftskriminalität, die es mit allen Mitteln aktiv zu bekämpfen gilt.

Auch Binnenmarktkommissar Fritz Bolkestein betonte im Rahmen der EU-weiten Verabschiedung der 'Richtlinie zur Durchsetzung der Rechte an geistigem Eigentum' am 9. März 2004: "Nachahmer und Produktpiraten untergraben den legalen Handel und senken die Innovationsbereitschaft. ... (Sie) bringen die Rechteinhaber um den wohlverdienten Lohn für ihre Arbeit. Wenn wir dem keinen Riegel vorschieben, gehen die Anreize für industrielle Innovation und kulturelles Schaffen verloren. Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit und die kulturelle Vielfalt und Dynamik Europas bedrohen."

Auch Faktoren wie internationaler Wettbewerb, moderne Technik und immer kurzlebigere Trends führen zu immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen, die es den Innovativen kaum noch ermöglichen, die Gewinnschwelle zu erreichen. Unternehmen geraten zunehmend unter Druck, ständig neue Produkte, Trends und Erlebniswelten zu kreieren. Kaum sind die neuesten viel versprechenden Ideen aber auf Messen präsentiert, beginnt nicht nur der erhoffte Absatz, sondern häufig läuft parallel bereits die Produktion von Plagiaten und Fälschungen auf Hochtouren. Vor diesem Hintergrund macht die Aktion Plagiarius immer wieder auf die Bedeutung von Gewerblichen Schutzrechten aufmerksam. Eingetragene Schutzrechte (Patente, Marken, Gebrauchs- und Geschmacksmuster) geben Designern, Erfindern und Unternehmen eine juristische Grundlage, die in Forschung, Entwicklung und Marketing getätigten Investitionen wieder zu erwirtschaften bzw. im Streitfall einzuklagen. Dieser Return on Investment ist wesentliche Voraussetzung für zukünftige Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte - neuer Originale. Diese sichern Fortschritt, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze in Deutschland.

Für das katastrophale Ausmaß des Problems der Produkt- und Markenpiraterie sind aber nicht nur die Hersteller - oftmals aus Fernost - und die Händler verantwortlich. Hauptverantwortlicher ist der Auftraggeber der Fälschungen und Plagiate. Dieser ist jedoch oftmals nicht ein asiatisches Unternehmen, sondern der deutsche, europäische oder amerikanische Konkurrent, der ein bestimmtes Produkt z. B. in China oder Taiwan billig nachmachen lässt, um es gewinnbringend z.B. in Europa zu vermarkten. Es ist daher wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette, d.h. alle am Prozess Beteiligten, zu überprüfen und ggfs. abzumahnen.

Das letzte Glied in der Wertschöpfungskette sind die Konsumenten. Vielfach sind sie die Betrogenen, die unwissentlich Plagiate kaufen und schnell die negativen Auswirkungen der minderwertigen Waren zu spüren bekommen. Durch Missachtung jeglicher Standards in Bezug auf Qualität und Sicherheit ist nicht nur schnell die Freude getrübt, sondern es sind auch Gesundheit oder sogar Leben gefährdet. Beispiele hierfür sind u. a. Medikamente ohne Wirkstoffe, mangelhafte (Kfz-)-Ersatzteile, die zu Unfällen führen, Spielzeug und Textilwaren, hergestellt mit giftigen oder allergieauslösenden Farben oder Fasern, elektronische Produkte, die leicht entflammbar sind etc.

Manche Konsumenten erwerben aber auch sehr bewusst gefälschte oder nachgeahmte Ware und nehmen in Kauf, dass der Originalhersteller geschädigt wird und sie selbst ein minderwertiges Produkt erhalten. Besonders beliebt sind Mitbringsel aus dem Urlaub, Schnäppchen vom Flohmarkt, aber auch das anonyme Einkaufen über das Internet.

Die Verbraucher sollten wieder kritischer werden, mehr Bewusstsein für Qualität entwickeln und sich beim Kauf nicht nur am Preis orientieren. Wenn sie kein Interesse an gefälschten oder nachgeahmten Waren äußern würden - wenn also keine Nachfrage bestünde – wäre der Anreiz zum Kopieren erheblich geringer.

Es liegt in der Verantwortung aller Beteiligten das Problem durch Umdenken und aktives Handeln in den Griff zu bekommen.

Die Preisträger des Plagiarius 2005:

Die Jury traf sich am 22. Januar 2005 und vergab drei Preise, sechs Auszeichnungen und einen Sonderpreis aus insgesamt 30 Einsendungen:

Sechs gleichrangige "Auszeichnungen" wurden vergeben an:

  • Kugelförmige Leuchten "MFL 350" und "MFL 550"
    Original: Moonlight GmbH, Wehr
    Plagiat: BEGA Gantenbrink-Leuchten KG Deutschland, Menden
  • Eieröffner "Clack"
    Original: Take2 Designagentur GmbH & Co. KG, Rosenheim
    Plagiat: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim
  • Synchron-Motor "Elektra"
    Original: Trietex GmbH, Efringen-Kirchen
    Plagiat: Forest Group B.V., Oeventer, Niederlande
  • Proportional-Druckregelventil "MPPE-3-1/8-10-010B”
    Original: Festo AG & Co. KG, Esslingen
    Plagiat: Wuxi Hengli Hydraulic & Pneumatic Co. Ltd., Hudai Town of Wuxi, China
  • Eierbecher "Speedy & Friends”
    Original: Casablanca GmbH & Co. KG Modernes Design, Bocholt
    Plagiat: Mode & Preis Versandhandels GmbH, Lörrach
  • Wasserspender "Lite"
    Original: AdHoc Entwicklung- und Vertrieb GmbH, Mannheim
    Plagiat: Hersteller: Ningbo Easy Houseware Co. Ltd., China
    Vertrieb: XENOS, Waalwijk, Niederlande

Folgender "Sonderpreis" für einen Serientäter wurde verliehen:

  • Keramik-Serie: Vasen "Barrique" (7 Teile)
    Original: Scheurich GmbH & Co. KG, Kleinheubach
    Plagiate: Chengda Porcelain Art Fty, Chaozhou, China

Die Jury wird jedes Jahr neu zusammengestellt aus Vertretern der Bereiche Design, Gewerblicher Rechtsschutz, Wirtschaft, Medien etc. Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2005 setzte sich wie folgt zusammen:

  • Johannes Graf Esterházy
    Director Brand Integrity, Western Europe,
    Philip Morris International Management S.A., Lausanne, Schweiz
  • Lisa Maria Franke
    Geschäftsführerin Bayern Design GmbH, München und Nürnberg
  • Dr. Karlmann Geiss
    Präsident des Bundesgerichtshofs (Karlsruhe), a. D., Ulm
  • Manfred Kohnke
    Chefredakteur Gault Millau, Christian Verlag GmbH, München
  • Dr. Rolf Schultz-Süchting
    Rechtsanwalt, Anwaltskanzlei Schultz-Süchting, Hamburg
  • Antje Sedemund-Treiber
    Präsidentin des Bundespatentgerichts (München), a. D., Wachtberg
  • Dr. Lutz van Raden
    Richter am Bundespatentgericht, München
  • Sabine Zentek
    Rechtsanwältin und Publizistin, Dortmund

Die Verleihung des "Plagiarius 2005" fand während der Frankfurter "Ambiente" statt.

siehe auch: