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Blühende Verneigung - über die Begrünung geneigter Dächer

(1.2.2005) Während die Flachdachbegrünung heute alljährlich auf Millionen von Quadratmetern ausgeführt wird, stellt die Begrünung von stärker geneigten Dächern nach wie vor eher den Ausnahmefall dar. In der Bevölkerung wird dies eventuell anders eingeschätzt, denn viele, wenn nicht sogar die Mehrzahl der begrünten Dachflächen sind vom Boden aus nicht einsehbar, da sie auf flachen oder flach geneigten Dächern liegen; begrünte Schrägdächer fallen jedoch schon von weitem ins Auge...

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Da man sie kennt und sieht, geben begrünte Schrägdächer immer wieder Anlass für Diskussionen. Abgesehen davon, dass sich die Geister wahrscheinlich immer daran scheiden werden, ob ein "Grasdach" oder ein "Sedum-Dach" nun schöner ist als ein Ziegeldach, fallen natürlich nicht funktionierende oder auch ungepflegte Begrünungen besonders auf. Nicht nur aus diesem Grund, sondern weil ein abrutschendes Dach eventuell auch zur Gefahr für Leib und Leben werden kann, kommt es auf eine sorgfältige Planung und Ausführung sowie auf eine fachgerechte Pflege und Wartung bei begrünten Schrägdächern besonders an.

Um es von vornherein klarzustellen: Schrägdachbegrünungen sind bei richtiger Planung und Ausführung dauerhaft und sicher, sie speichern Wasser und verzögern den Abfluss von Überschusswasser; sie wirken schall- und wärmedämmend und sie bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Da geneigte Flächen der Sonne zu- oder abgewandt sein können und z.B. der Firstbereich schneller austrocknet als der Traufbereich, ergeben sich, was die Themen Pflanzenauswahl und Wasserversorgung anbelangt, naturgemäß Unterschiede zum Flachdach. Auch die Themen Schubabtragung und Schutz vor Erosion werden mit zunehmender Dachneigung immer wichtiger.

Gemäß den "Fachregeln für Dächer mit Abdichtungen" sollen zwar auch Flachdächer eine Mindestneigung von 2% aufweisen, mit verstärkten Schub- und Erosionskräften ist jedoch erst ab einer Dachneigung von ca. 10° zu rechnen, was etwa 18 % entspricht. Bis zu dieser Neigung kann die "normale" Flachdach-Begrünungstechnik eingesetzt werden. Übersteigt die Dachneigung 10° sind abhängig von der Neigung verschiedene Maßnahmen zu ergreifen.


Geneigte Dachflächen, die zur Begrünung vorgesehen sind, sollten von vornherein mit einer wurzelfesten Dachabdichtung versehen werden, die zumindest in den Randbereichen mechanisch fixiert sein sollte. Das zusätzliche Aufbringen dünner Wurzelschutzfolien würde zur Ausbildung einer Gleitebene führen, die das Arbeiten auf dem Dach unnötigerweise erschwert.

Da sich in Gefällerichtung Schubkräfte ausbilden, die natürlich mit zunehmender Neigung, Aufbaudicke und Dachlänge größer werden, ist am Fußpunkt des Daches für ein entsprechend stabiles Widerlager zu sorgen. Die Dimensionierung dieses Widerlagers und eventuell weiterer notwendiger Schubschwellen innerhalb der Dachfläche sollte durch den Statiker erfolgen, der auch die in der jeweiligen Region anzusetzende Schneelast kennt und mit berücksichtigt. Grundsätzlich kann der eigentliche Dachrand ausreichend hoch und stabil ausgebildet werden, was aber oftmals zu recht massiven Konstruktionen führt. Eine Alternative, die einen "schlanken" Dachrand ermöglicht besteht darin, eine Schwelle knapp oberhalb der Dachtraufe zu setzen und als unteren Abschluss z.B. ein geschlitztes Dachtraufprofil aus Edelstahl (ZinCo-DP-Profil) einzubauen, welches sehr filigran sein kann, da es kaum Kräfte aufzunehmen hat. Die oberhalb einzubauende Schwelle muss natürlich – wie auch eventuell notwendige weitere Schwellen innerhalb der Dachfläche – fachgerecht eingedichtet werden. Schubschwellen sollten zudem stellenweise unterbrochen sein, damit Überschusswasser nach unten ablaufen kann.

Was das Thema Dachentwässerung anbelangt kann diese punktuell über Dachabläufe oder Wasserspeier erfolgen, die natürlich am tiefsten Punkt des Daches eingebaut werden müssen, oder aber auch über außen liegende Dachrinnen, was natürlich voraussetzt, dass entlang der Traufe wasserdurchlässige Profile oder Traufbalken, die an stabilen Haltern mit etwas Abstand zur Abdichtung einzubauen sind, vorgesehen werden.


Der eigentliche Gründach-Aufbau unterscheidet sich ebenfalls von dem auf Flachdächern. Kommt es bei Flachdächern insbesondere darauf an, etwaige Pfützen auf der Dachfläche durch z.B. ausreichend hohe Dränelemente so zu überbrücken, dass es nicht zu Vernässungen kommt, so können auf Schrägdächern oberseitig profilierte Dränelemente aus Hartschaum dazu benutzt werden, die aus der Substratauflage resultierenden Schubkräfte in die oben erwähnten Widerlager abzuleiten. Diese Bauweise - bei Dachneigungen über 15° ergänzt durch ein grobmaschiges Jutenetz, welches leicht in die Substratschicht eingearbeitet wird - empfiehlt sich bis zu einer Dachneigung bis ca. 25°. Auf steileren Dächern haben sich stabile, ca. 50 x 50 cm  große und 10 cm hohe, zusammensteckbare Raster-Elemente aus Recycling-Kunststoff (ZinCo-Georaster) bewährt, welche größere Kräfte aufnehmen können (bis ca. 800 kg/lfm) und die nahezu die gesamte Höhe der Substratschicht sichern. Ein Einsatz dieser Bauweise ist bis 35° problemlos und mit ergänzenden Maßnahmen auch darüber hinaus möglich:


Um mehr Wasser zurückhalten zu können, werden bei geneigten Dächern im Regelfall wesentlich dickere Schutz- und Speichermatten eingesetzt als bei flachen Dächern. Aus demselben Grund empfiehlt es sich, mit zunehmender Dachneigung auch die Dicke der Substratschicht zu erhöhen. Genügen bei Dachneigungen von weniger als 10° sieben oder acht Zentimeter für eine extensive Begrünung mit Sedum-Arten und anderen Stauden, so sollten es bei 20° wenigstens zehn Zentimeter und bei 30° zwölf Zentimeter sein. Um Pflanzenausfälle bei längerer Trockenheit zu vermeiden - diese könnten zu Ansatzpunkten für Erosion führen - sollte bei stärker geneigten Dächern auf jeden Fall die Möglichkeit einer Zusatzbewässerung vorgesehen werden. Dies kann durch im Firstbereich verlegte Tropfschläuche oder "über Kopf" durch Regner oder Sprühdüsen erfolgen.

Die Vegetation auf geneigten Dächern lässt sich bis zu einer Neigung von 25-30° in Form von Flachballenpflanzen einbringen, wobei allerdings die Pflanzdichte gegenüber einer Flachdachbegrünung deutlich erhöht werden sollte. Bei Neigungen von mehr als 30° ist auf jeden Fall vorkultivierten Vegetationsmatten oder vorkultivierten Gitter-Elementen der Vorzug zu geben; diese empfehlen sich auch bei geringerer Neigung in stark windexponierten First- und Randbereichen.

Die Vegetation als solche kann eine Mischung aus Sedum-Arten und Stauden sein, wobei bei größerer Dachneigung der Staudenanteil reduziert werden sollte. Auch eine trockenheitsverträgliche Gras-Kraut-Vegetation ist möglich. "Rollrasen", wie er zum Teil auf Schrägdächern eingesetzt wird, wird sich erfahrungsgemäß nicht halten - es sei denn er wird regelmäßig gewässert, gedüngt und gemäht.

Für die Begrünung von Tonnendächern sind im Prinzip dieselben Empfehlungen zu berücksichtigen, wobei je nach Dachwölbung auch Konstruktionen zum Einsatz kommen, wo Schub aufnehmende Schwellen von oben mittels Edelstahlbändern oder Ketten abgehängt werden.

Autor:

  • Roland Appl, Technischer Leiter bei der ZinCo GmbH

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