Redaktion  || < älter 2005/0161 jünger > >>|  

Baubranche gehört zu den Limited-Pionieren in Deutschland

(1.2.2005) Der Kassler Bauhandwerker Andreas Lüttger machte vor einem Jahr in der Branche den Anfang: Er gründete auf dem Weg zur eigenen Kapitalgesellschaft statt einer GmbH eine wesentlich kostengünstige und fast bürokratiefreie englische Limited. Firmensitz seines Ein-Mann-Unternehmens "Exakt Ltd." ist die Calthorpe Road in Birmingham (UK); die Steuern werden nach wie vor in Deutschland bezahlt.

Nach Angaben des marktführenden Limited-Anbieters Go Ahead ist mittlerweile jede vierte neue Kapitalgesellschaft, die in Deutschland ins Leben gerufen wird, eine Limited britischen Zuschnitts. 12.000 bis 15.000 Ltd.-Firmen sollen bereits auf dem Markt sein, darunter auffallend viele im Bau- und Handwerkmillieu. In der Euro-GmbH mit ihrem einfachen Gesellschaftsrecht sieht der Kassler Mauerer eine "innovative Rechtsform", die jetzt endlich auch für deutsche Unternehmer zur Verfügung stehe. Sie bietet entscheidende Vorteile gerade auch für Existenzgründer, Personengesellschaften und Dienstleister und darüber hinaus auch für bestehende GmbHs, die mit Hilfe der Limited bzw. Limited & Co. KG die zum Beispiel aus neuen Geschäftsfeldern resultierende Risiken aus ihrer Stammgesellschaft auslagern und zudem noch steuerliche Vorteile in Anspruch nehmen wollen.

   GmbH Limited
Grundkapital mindestens 25.000 € mindestens 1,50 €
Gründungsgebühren ca. 750-2.000 € ab 259 €
Aufnahme neuer Gesellschafter kostenpflichtige Beglaubigung durch Notar kostenfrei, jederzeit möglich Aufnahme
Gründungsdauer ca. 4-12 Wochen Schnellgründung, innerhalb von 24 Stunden möglich; ansonsten 5-7 Tage
Verbreitungsgrad GmbH in Deutschland und Österreich weltweit bekannteste Gesellschaftsform

Neues EU-Recht, zuletzt ein BGH-Urteil vom März 2003, macht solche Vorteilsgründungen möglich, bei dem die Firma nur in England registriert ist, ihre Geschäftstätigkeit jedoch nach wie vor in Deutschland ausübt. Laut aktueller Studie der Marktforschung Rheinland GmbH mit Sitz in Euskirchen liegen derzeit die Jahreskosten für eine Ltd.-Gründung inklusive registriertem Büro zwischen 259 Euro bei Go Ahead und 3.025 Euro bei der Global Network Solution. Wer sich auf den britischen Weg begeben will, dem rät Marktforscher Dr. Bernhard Gutmann: "Es scheint von finanziellem Vorteil zu sein, sich mit den Angeboten der verschiedenen Dienstleister zu befassen oder den Rat unabhängiger Kenner der Materie einzuholen."

Wer sich wie Lüttger einen Gründer"vater" vor Ort auf der Insel nimmt, hat seine neue Gesellschaft womöglich schon nach einigen Tagen offiziell im englischen Handelsregister angemeldet, kommt minimal mit 1,50 Euro Stammkapital aus (bei der GmbH sind 25.000 € die Mindesteinlage). Eine Limited, so der Birminghamer Consultingpate Michael Silberberger, schließt überdies die persönliche Haftung des Unternehmers ähnlich wie bei der GmbH aus und macht das Konstrukt damit für Bauleute besonderes interessant. "Gerade der Haftungsausschluss ist für mich als Bauhandwerker entscheidend", betont Lüttger mit Blick "auf viele selbständige Kollegen, die beispielsweise mit der Insolvenz des Bauträgers gleichzeitig in den privaten Ruin getrieben wurden". "Überall dort, wo Haftungsrisiken wie Produkthaftungen, Gewährleistungsansprüche etc. vorhanden sind, greifen Unternehmer zur Limited", weiß Consulter Michael Silberberger, Co-Autor der Broschüre "Die britische Limited in Österreich und Deutschland".

Insbesondere Handwerksmeister ohne GmbH-Status, die als Personengesellschaft bislang über die Bundesversicherungsanstalt pflichtversichert sind, können sich via Limited und damit Chef einer Kapitalgesellschaft davon befreien lassen. Diese Möglichkeit, die jetzt schon für den Gegenwert einer halben Schachtel Zigaretten plus Ltd-Gründungskosten zu haben ist, hatten bisher nur GmbH-Geschäftsführer.

Die Limitedgründung stellt das bekannte Prozedere bei der Etablierung der eigenen Firma in punkto Schnelligkeit und Kosten voll in den Schatten. Ltd.-Unternehmer, die ausschließlich über ihre deutsche Niederlassung tätig werden, benötigen in England weder einen Steuerberater noch einen Anwalt. Sie müssen lediglich einmal im Jahr eine Null-Steuererklärung abgeben - eine Aufgabe, die von der jeweiligen Gründungsagentur übernommen wird. Online-Bestellungen anstelle von Nortarterminen sind dabei ebenso Gang und Gäbe wie Expressgründungen binnen 24 oder 48 Stunden. Im Regelfall hält der frisch gebackene Ltd.-"Direktor" seinen Eintrag im britischen Handelsregister innerhalb einer Woche in den Händen. Die jährlichen Folgekosten für die Übernahme der Funktion des im englischen Recht vorgeschriebenen "secretary" inklusive des ebenfalls notwendigen Büroservices liegen bei gutem Preis-Leistungs-Verhältnis knapp unter 100 Euro. Mittlerweile werden die Limited und Limited & & Co. KG von rund 600 Juristen und Steuerberatern empfohlen.

Eine Befragung unter 50 "frühen" Limited-Gründern, die bereits mit dieser Gesellschaftsform seit mehr als einem Jahr auf dem Markt agieren, signalisiert überaus große Zufriedenheit (94 Prozent). Jeweils vier von fünf Unternehmen würden wieder eine Ltd. gründen bzw. haben diese englische Unternehmensform bereits weiter empfohlen. Die Erfahrungen mit Kunden, Lieferanten und Finanzämtern wurde ebenfalls überdurchschnittlich bewertet. Anfängliche Bedenken einiger Banken sind gewichen, zumal Basel II seine Schatten voraus wirft. So kann auch Finanzexperte Jörg H. Fischer vom Institut für Ökonomie und Management Essen im Falle der Limited "keinen Nachteil bei der Bankenfinanzierung im Gegensatz zur klassischen GmbH und AG" ausmachen. "In Zeiten von Basel II entscheidet weniger die Gesellschaftsform als die Bilanz."

siehe auch: