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Innere Sicherheit: Neue Wege zur Aufdeckung von Gelände-Manipulationen

(30.1.2005) Für viele Sicherheitsexperten ist der Internationale Terrorismus DIE Herausforderung des gerade begonnenen Jahrhunderts. Denn in den Augen fanatisierter Täter werden zunehmend auch schwer zu überwachende zivile Einrichtungen wie Schienenstrecken oder Versorgungspipelines zu "legitimen" Zielen. Ihre Sicherung könnte in Zukunft deutlich einfacher werden: Mitarbeiter der LANXESS Deutschland GmbH, Leverkusen, haben einen Lumineszenz-Indikator entwickelt, der in einem neuen Oberflächenüberwachungssystem auch kleinflächige Geländemanipulationen aus der Luft schnell, effektiv und zuverlässig aufzudecken hilft.

Die witterungsfeste Chemikalie wird auf einem zu überwachenden Gelände versprüht. Unter normalen Bedingungen ist dieser Stoff im präparierten Gelände für das menschliche Auge unsichtbar. Unter Bestrahlung mit einem gepulsten Laser zeigt er jedoch eine sicher zu detektierende Lumineszenz: Dadurch verraten sich Geländebereiche, die nach dem Markieren manipuliert wurden, unter dieser speziellen Beleuchtung unmittelbar durch Lumineszenz-freie Flecken, die durch unbeabsichtigtes Umgruppieren von Steinen oder Bewegen von Erdmaterial verursacht werden.

Die Vorteile des neuen Systems liegen auf der Hand: Durch das Sprühverfahren lassen sich auch größere Geländeareale schnell, unkompliziert und vor allem wirtschaftlich sichern. Auch die Überwachung des geschützten Bereichs ist kostengünstig, aber nicht minder effektiv: sie erfolgt z.B. vom Hubschrauber aus mittels einer eigens entwickelten, vollautomatischen Bildverarbeitungssoftware - bei Tag und Nacht. Diese selbstlernende Software vergleicht Bilder des frisch besprühten und des aktuell überflogenen Streckenabschnitts in Echtzeit miteinander und erkennt noch aus einer Höhe von etwa 100 Metern Geländeveränderungen von der Größe einer Postkarte. Wird bei einem regelmäßigen Kontrollflug eine Störung im Gelände registriert, kann sie von geschultem Personal gezielt untersucht werden. Damit entfallen fehlerträchtige Kontrollgänge. Gleisbauarbeiten oder Wildspuren werden von der Software übrigens automatisch als unproblematisch klassifiziert.

Von zentraler Bedeutung für das System ist selbstverständlich die Natur der witterungsfesten Indikator-Dispersion der LANXESS Deutschland GmbH. Ihre Bestandteile sind nur bei wenigen Herstellern verfügbar und von und zu widerrechtlichen Zwecken kaum beschaffen. Daher eignen sie sich auch zum Täterschaftsnachweis bei Verdächtigen, an denen Spuren der Chemikalien nachgewiesen werden. Selbst nachträgliches Einsprühen einer manipulierten Stelle im Gelände würde sicher erkannt, da die Lumineszenz des Markers über einen einstellbaren Zeitraum von etwa vier Wochen bis sechs Monaten hinweg stetig abnimmt - eine frisch übersprühte Stelle würde sich also durch eine höhere Aktivität verraten. Selbstverständlich haben sowohl der Lumineszenz-Indikator selbst als auch der Binder, der die Haftung des Indikators an einer Vielzahl von Untergründen sicherstellt, eingehende ökotoxikologische Untersuchungen passiert.

In Testversuchen hat das neue Oberflächenüberwachungssystem seine technische Einsatzreife bereits unter Beweis gestellt; derzeit ist ein großer Feldversuch angedacht, der in erster Linie der Feinjustage einiger Systemparameter dienen wird. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass sich durch das neue System die Sicherheit nicht nur von Bahn- und Pipelinetrassen, sondern auch von Kraftwerken und Flughäfen deutlich steigern lässt. Kontrollgänge etwa am Gleisbett einer Bahn-Trasse aufgrund einer Bombendrohung sind teuer, fehlerträchtig und sogar gefährlich - und schaffen höchstens bis zum nächsten Drohanruf Sicherheit. Das neue Oberflächenüberwachungssystem ermöglicht es dagegen, manipulierte Stellen im Gelände unmittelbar zu erkennen.

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