Redaktion  || < älter 2005/0076 jünger > >>|  

Ausgezeichnete Ziegel-Architektur: Der 6. Unipor-Architekturpreis ist entschieden

(21.1.2005) Der 6. Unipor-Architekturpreis "Im Einklang mit der Natur" ist entschieden: Aus insgesamt 72 eingereichten Projekten ermittelte die hochkarätige Jury jetzt fünf Gewinner. Erster Sieger ist das junge Büro Königs Architekten aus Köln mit der Planung und Realisierung des zeitlos modernen Kirchenbaus in Regensburg-Burgweinting (erstes und zweites Bild). Zusätzlich zu den ersten fünf Preisen vergab die Jury noch drei Belobigungen und einen Sonderpreis.

Architekturpreis, Ziegel-Architektur, Ziegel, Mauerziegel, Ziegelbau, Ziegebauwerk, 6. Unipor-Architekturpreis, Architekten, Architektur, Ziegelbauweise, Baustoff Ziegel, Niedrigenergiehaus, Ziegel-Mauerwerk

Fünf Architekten gewannen jetzt den 6. Unipor-Architekturpreis; "Im Einklang mit der Natur". Die Jury, unter Vorsitz von Prof. Frantisek Sedlacek (FH Köln), wählte die Preisträger aus insgesamt 72 eingereichten Objekten aus. Sie splittete den zweiten und dritten Preis und vergab ihn an je zwei Objekte. Zusätzlich verteilte die Jury in diesem Jahr den Sonderpreis "Traditionelle Ziegelbauweise".

"Die Prämierung beispielhafter Bauten in massiver Ziegelbauweise soll Planern und Bauherren deutlich machen, wie viele Gestaltungsmöglichkeiten der Baustoff Ziegel bietet", beschreibt Unipor-Vorstandsvorsitzender Kastulus Bader die Zielsetzung des Architekturpreises: "Es gibt viele Möglichkeiten, die hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften des Ziegels zu nutzen - und gleichzeitig neue Wege im Bauen zu beschreiten".

Ausschlaggebend für die Beurteilung der Jury waren umweltgerechte Lösungskonzepte, die neben der architektonisch ansprechenden Gestaltung auch professionell und fachgerecht ausgeführt wurden.

1. Preis: Raum der Ruhe

Mit dem zeitlos modernen Kirchenbau in Regensburg-Burgweinting (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps) erhielt das Büro Königs Architekten aus Köln den ersten Preis und damit ein Preisgeld von 5.000 Euro.

Auf einem um wenige Meter erhöhten Plateau liegt am Ortseingang die neue Pfarrkirche. Das gesamte Kirchengelände wird von einer Mauer umschlossen. Die neue Kirche, der Friedhof, die alte Kirche sowie das Wohnhaus des Pfarrers und das Pfarrhaus werden dadurch als Einheit erfasst.


Die Außenform trägt kaum typische Kirchen-Erkennungsmerkmale. Der schlichte Kubus mit freistehendem Glockenturm fällt lediglich durch die atypische Fensteranordnung ins Auge. Im Innenraum trifft der Besucher auf eine völlig andersartige Raumgeometrie: Weich geschwungene Konturen, transparente Decken und geschwungene, weißgrün geschlämmte Ziegelsteinwände. "Die Kirche lebt von der Spannung zwischen klaren geometrischen Formen außen und einer organischen Innenraumgestaltung mit raffinierter Lichtführung", betonte die Jury. "Der Ziegelstein des hell geschlämmten Mauerwerks wird dabei bewusst eingesetzt, um den Oberflächen eine angenehme Maßstäblichkeit und Struktur zu verleihen."

Die Ziegelwand im Innenraum ist nicht schlicht hochgemauert, sondern nimmt die Form eines Kreises ein. Die extra zugeschnittenen Ziegel übernehmen die jeweilige Neigung der Wände. Insgesamt ein sehr gelungenes Exemplar deutscher Ziegelbaukunst.

2. Preis: Ins Grüne geöffnete Niedrigenergiehaus

Der zweite Preis und damit ein Preisgeld von 1.500 Euro wurde zweimal vergeben: Das Büro Clarke und Kuhn aus Berlin überzeugte mit dem Neubau des Wohnhauses in Berlin-Heiligensee. "Der wohl proportionierte, kubische Baukörper verdeutlicht, wie Ziegelmauerwerk in einer klassisch modernen Formsprache zeitgemäß eingesetzt werden kann - in einer Formensprache, die trotz Bauhaus-Tradition in Deutschland nach wie vor zu wenig zum Tragen kommt", so die Jury.


Das freistehende zweigeschossige Einfamilienhaus ist auf einem sehr kleinen Grundstück erbaut worden. Es passt sich maßstäblich seiner Umgebung an, ohne dabei an seiner eigenen Individualität zu verlieren. Die Außen- und Innenwände des Niedrigenergiehauses bestehen aus Ziegel-Mauerwerk. Das Haus öffnet sich im Erdgeschoss mit einer großen Fensterfront nach Süd-Westen zum Garten. Im Obergeschoss befinden sich die Individualräume. Besondere Merkmale des Einfamilienhauses sind das begrünte Flachdach sowie die mit Erdwärme betriebene Wärmepumpe.

2. Preis: Harmonisches Reihenhauskonzept

Ebenfalls zweiter Preisträger ist das Büro mrb Architekten aus München. Diesem ist es gelungen, mit einem klaren und einfachen Entwurfskonzept flexible Grundrisse in einer kostengünstigen und energiebewussten Bauweise zu ermöglichen.

Das harmonische Reihenhausprojekt mit 14 Häusern wurde im Süden Freisings auf einem großflächigen, naturnahen Gelände errichtet. Das Besondere an den entstandenen Reihenhäusern ist, dass die Grundrissplanung ein Höchstmaß an Flexibilität bietet. Falls sich die Wohnbedürfnisse der Parteien ändern, lassen sich die Raumgrößen nachträglich mit relativ geringem Aufwand verändern und den neuen Ansprüchen anpassen. Darüber hinaus sind die Räume des Reihenhausprojektes so gestaltet, dass sie von Tageslicht durchflutet werden. Bei geeignetem Wetter ermöglichen große Gärten und Vorgärten sowie sonnige Dachterrassen eine Ausweitung der Wohnfläche ins Freie.


Als Heizsystem wurde eine umweltfreundliche Wärmepumpe gewählt, welche regenerative Umweltenergien nutzt. Hierbei wird dem Grundwasser Wärme entzogen und an das Heizsystem weitergeleitet.

3. Preis: Wohnen und Arbeiten unter einem Dach

Der dritte Preis und damit 1.000 Euro wurde ebenfalls zweimal vergeben. Dem Büro Deppisch Architekten aus Freising ist es gelungen, die ortstypische Hausform neu zu interpretieren – Wohnen und Arbeiten sind gestalterisch gelungen integriert und von außen ablesbar.


Das ausgezeichnete Einfamilienhaus mit Büro liegt am südwestlichen Ortsrand. Die Südfassade öffnet sich zur Landschaft. Der 29 Meter lange Bau wird durch Wintergarten und Loggia in Eltern-, Kinder- und Bürobereich gegliedert. Die Räume im Obergeschoss sind jeweils mit einer Galerie zum Dachraum geöffnet. "Durch Hausform, Grundriss, Materialwahl sowie durch die Verteilung der Öffnungen und durch aktive solare Maßnahmen wird der Energieverbrauch weitgehend reduziert", so die Jury. Der Energieverbrauch wird durch solare Brauchwasser-Erwärmung, kontrollierte Wohnraumlüftung und Wärmerückgewinnung gesenkt. Ganzjährig schaffen die Glasschuppenfenster im Wintergarten und Dach ein angenehmes Gebäudeklima.

Preis 3: Leben mit der Natur

Der weitere dritte Platz ging an das Büro 03 München GbR. Ihr eingereichtes Einfamilienhaus ist wie selbstverständlich in seine ländliche Nachbarschaft eingefügt, so die Jury.


Zur stark befahrenen Uferstraße hin geschlossen, öffnet es sich weit nach Osten und Süden – Richtung Nutzgarten und Fluss-Aue. Dadurch werden der Garten und der Fluss Teil des Innenraumes. Das Haus erlaubt ein Leben mit der Natur. Die ökologischen Vorstellungen des Bauherren werden durch den Einsatz einer Holzpellets-Heizung, die geplante Solaranlage sowie möglichst viele natürliche beziehungsweise naturbelassene Baustoffe erfüllt.

Sonderpreis: Traditionelle Ziegelbauweise

Das Objekt von Prof. Gerber des Büros Gerber Architekten aus Dortmund erregte die besondere Aufmerksamkeit der Jury. Mit der Begründung: "Die Sanierung alter landwirtschaftlicher Gebäude ist eine Hommage an die traditionelle Ziegelbauweise", verlieh die Prüfungskommission dem Objekt einen Sonderpreis. Damit wurde erstmalig in der Geschichte der Unipor-Architekturpreise ein derartiges Sanierungs-Projekt ausgezeichnet.


Der eingereichte "Tönnishof" wurde komplett modernisiert - siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps. Das Stall- und Scheunengebäude wurden völlig entkernt, so dass nur noch die äußeren Ziegelwände stehen blieben. Die alten Backstein-Fassaden wurden in ihrem Ursprung wieder hergestellt, zugemauerte Öffnungen wieder freigelegt. Später wurden unsachgemäß eingeschnittene Öffnungen wieder geschlossen, so dass die alte Ziegel-Fassade wieder das Erscheinungsbild prägt. Anschließend wurde das gesamte Mauerwerk gereinigt, der alte Mörtel des nicht verfugten Mauerwerks zurückgeschnitten und schließlich das gesamte Schichtmauerwerk neu verfugt. Die einzigen Veränderungen der ursprünglichen Außenansicht sind ein neues Dach und ein größeres Fenster in der südlichen Giebelfassade. Des Weiteren wurde dem alten Gebäude ein neues Treppenhaus von außen hinzugefügt. Innen ist das Gebäude komplett neu ausgebaut und wird nun als Architektur-Atelier genutzt.

Neben den gesamten Preisträgern erhielten drei weitere Ziegelbauten Belobigungen. "Allen Teilnehmern des 6. Unipor -Architekturpreises ist es gelungen, die Vorzüge der Ziegel-Baukunst eindrucksvoll darzustellen", zieht Unipor-Geschäftsführer Dr. Thomas Fehlhaber zufrieden Bilanz.

siehe auch: