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Deutschlands erste Fahrbrücke aus verstärktem Kunststoff

(16.12.2004) Klipphausen geht neue Wege: Die sächsische Gemeinde verfügt über Deutschlands erste Straßenbrücke aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Auf den ersten Blick wirkt das über den Regenbach führende Bauwerk eher unscheinbar, aber unter dem schlichten Äußeren steckt eine der modernsten Brückenkonstruktionen Europas. Unter Experten gilt das Konzept als vorteilhafte Alternative zu Beton und Stahl. Europaweit sind in absehbarer Zeit Tausende von Brücken herkömmlicher Bauweise durch Neubauten zu ersetzen.

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In puncto Tragfähigkeit können GFK-Brücken es ohne weiteres mit Beton- bzw. Stahlbrücken aufnehmen. Die Klipphausener Brücke ist das Ergebnis jahrelanger Forschungsarbeit im Rahmen des so genannten ASSET-Projekts, ein von der EU gefördertes 4-Millionen-Euro-Vorhaben. Die allererste Straßenbrücke nach dem neuen Konzept war am 29. Oktober 2002 im britischen Oxfordshire eingeweiht worden.

Brückenbau, Fahrbrücke, verstärkter Kunststoff, Straßenbrücke, glasfaserverstärkter Kunststoff, Brückenkonstruktion, GFK-Brücke, Betonbrücke, Stahlbrücke, ASSET-Projekt, Advanced Structural SystEms for Tomorrow's Infrastructure, Fußgängerbrücke, Holzbrücke, InstandhaltungASSET steht für "Advanced Structural SystEms for Tomorrow's Infrastructure". Eins der Projektziele war die Entwicklung von Brückenbaukomponenten mit größerer Haltbarkeit als Stahl- und Betonbauten. Der dänische GFK- und GFK-Brückenspezialist Fiberline Composites war gemeinsam mit u.a. dem schwedischen Baukonzern SKANSKA und dem britischen Ingenieurunternehmen Mouchel an der Durchführung des ASSET-Projekts beteiligt. Es gelang den Projektpartnern, eine wettbewerbsfähige Alternative zu herkömmlichen Stahl- bzw. Betonbrücken zu entwickeln.

Bereits 2003 hatte man in Klipphausen vier 2002 vom Jahrhunderthochwasser weggespülte Fußgängerbrücken durch GFK-Konstruktionen ersetzt. Laut Bürgermeister Gerold Mann entschied man sich für GFK-Lösungen, weil sie auf lange Sicht preisgünstiger sind: "In der Anschaffung mag eine herkömmliche Stahl- oder Holzbrücke etwas günstiger sein, in der Instandhaltung ist sie jedoch teurer. Wir haben Anfang der 90er Jahre gebaute Brücken renovieren müssen, um Feuchte- und Korrosionsschäden in den Griff zu bekommen. GFK-Brücken zeichnen sich durch hohe Lebensdauer aus, sie rosten nicht und erfordern nur minimale Instandhaltung. Diese Vorteile des modernen Verbundmaterials möchten wir gern nutzen", erklärt Bürgermeister Gerold Mann.

In ganz Europa haben Witterung, Frost und Streusalz zahlreichen Brücken derart zugesetzt, dass sie in absehbarer Zeit erneuert werden müssen. Darunter auch viele Brücken, die dem heutigen Verkehr nicht gewachsen sind, so Dipl.-Ing. Norbert Bieseke von Fiberline Composites. "In vielen Fällen ist aus verkehrstechnischen Gründen eine möglichst kurze Bauzeit gefordert. Hier hat GFK den zusätzlichen Vorteil des geringen Gewichts, so dass man komplett oder weitgehend vormontierte Brücken zum Aufstellungsort transportieren und in kürzester Zeit errichten kann", erläutert Norbert Bieseke.


Die 6,6 m lange und 6 m breite Klipphausener Straßenbrücke wurde in zwei Segmenten angeliefert, die mit den vorbereiteten Betonfundamenten im Flussbett verschraubt wurden. Anschließend wurden die Segmente zusammengeklebt. Man könnte die Segmente auch neben dem Aufstellungsort vereinen und die komplett fertige Brücke auf die Fundamente setzen. "Für die Befestigung am Fundament setzen wir in Klipphausen Schraubverbindungen ein, damit man die Brücke bei drohendem Hochwasser schnell entfernen kann. So sichern wir die Investition der Gemeinde. Im Schweizer Pontresina schützen wir auf diese Weise eine Brücke vor Schmelzwasserströmen - die wird in jedem Frühjahr demontiert. Das Gelände dort ist übrigens sehr unzugänglich, weshalb die Brücke im Tal zusammengebaut und dann per Helikopter zum hoch gelegenen Aufstellungsort geflogen wurde", berichtet Norbert Bieseke.

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