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TV, Internet, Telefon und Außenkamera - alles aus einem Kabel

(3.11.2004) Ob sieben Hals-Nasen-Ohrenärzte in Nürnberg ihre Gemeinschaftspraxis zukunftssicher verkabeln wollen, oder das "Schlosshotel Kaps" in Kitzbühl moderne Multimedia-Services anbieten will - beide setzen dabei auf das Kabelsharing-Modell. Warum ist das so und was bedeutet das?

Bei der modernen strukturierten Gebäudeverkabelung wird meist nur noch ein Kabel für die Kommunikation eingesetzt. Der Vorteil: Dienste, wie der digitale Daten- und Bilderaustausch, Sprachübermittlung und auch TV-Übertragungen können gleichzeitig über ein einziges Kabel übertragen werden. Dies ist heute möglich aufgrund einer aufwändigen und technisch perfekten Kabelinnovation: das zweifach geschirmte Kupferdatenkabel ( Shielded/ShieldedTwisted Pair-Kabel S/STP-Kabel). Bei diesem Kommunikationskabel wird zusätzlich zur äußeren Gesamtschirmung jedes einzelne der vier Kabeladernpaare gegen elektromagnetische Störungen abgeschirmt. Dadurch wird das Kabel extrem betriebssicher und erreicht überragende Übertragungseigenschaften. Mithilfe einer universellen Steckverbindung kann nun an jeder Multimediasteckdose in den Wohn- und Geschäftsräumen zum Beispiel Telefon, TV, Internet-DSL oder auch Bilder der Außenkamera abgerufen werden. Dabei minimiert die Verwendung von halogenfreien Isolierungen die Schäden im Brandfall.

Aber warum in die "alte" Kupfertechnik investieren, wenn die Glasfasertechnik die eindeutig schnellere Technik ist, fragt sich der interessierte Laie. Die Antwort ist für den Fachverband Kabel und isolierte Drähte einfach: "Die deutschen Kabelwerke entwickeln das Kupferkabel innovativ weiter. Heute ist man bei einer Bandbreite von 1500 MHz angelangt - bandbreitenintensive DVD Übertragungen werden so auch mit Kupferkabeln zum Kinderspiel. Damit sieht sich die deutsche Kabelindustrie auch für den zukünftigen Wettbewerb mit der amerikanischen Konkurrenz mehr als gewappnet – die Deutschen bauen zurzeit das schnellste Kupferkabel weltweit."

Ein weiterer Pluspunkt für das Kupferkabel: In Glasfaserkabeln läuft ein Lichtstrom, der erst einmal aus einem elektrischen Strom erzeugt werden muss. Beim Empfänger müssen die Lichtimpulse wieder in elektrische Signale gewandelt werden - ein hoher Aufwand. Die Übertragung von Daten auf Glasfaserkabeln ist also relativ teuer. Vorteile für die Glasfaser sieht der Geschäftsführer des Kabelverbandes, Wolfgang Weidhaas, dennoch bei großen Übertragungsstrecken von einigen 100 Meter bis zu vielen 100 Kilometern. "Auch setzt man bei der Verkabelung eines Hochhauses heute schon auf die Glasfasertechnik. Die zentrale Steigleitung besteht meist aus Glasfasern, der Umwandlungsaufwand pro Stockwerk fällt dann nicht mehr so ins Gewicht. Die Etagen selber werden dann meist wieder mit Kupfer verkabelt", sagt Weidhaas.

Für Kupfer spricht zudem die Tatsache, dass neben Signalen auch Strom (bis 350mA) und Spannung (bis 48 Volt) über Datenkabel aus Kupfer übertragen werden kann. Somit können zum Beispiel auch Telefongeräte bei der zukünftigen IP-Telefonie direkt mit Strom versorgt werden. Kupferkabel können von jeder Fachfirma in bewährter Technik verlegt werden, für Glasfasernetze sind dagegen teure Spezialgeräte und -kenntnisse nötig.

Ingolf Schulz appelliert an Architekten und Bauingenieure und vor allem an alle Bauherren, bei zukünftigen Planungen nicht das Kommunikationskabel in der Wand zu vergessen: "Das innovative Multimediakabel bietet Zukunftssicherheit gepaart mit einer hohen Bandbreite und großen Flexibilität. Darauf sollte bei Planungen von modernen Wohn- und Geschäftsräumen nicht mehr verzichtet werden."

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