Redaktion  || < älter 2004/1393 jünger > >>|  

Projektbericht: Ultra-Niedrigenergiehaus - Sparen im "Zwei-Liter-Haus"

(16.10.2004) Staatlich geförderte Energiespar-Programme unterstreichen noch, was privaten Bauherren ohnehin schon lange bekannt ist: Wer energiebewusst baut, schont die Umwelt und spart bares Geld. Vor allem eine exzellente Gebäudedämmung zahlt sich langfristig aus: geringen Mehrkosten in der Bauphase stehen hier erhebliche Einsparungen in der gesamten Nutzungsphase des Gebäudes gegenüber - anders als bei der deutlich kurzlebigeren Heizungstechnik. Dem Vermieter eröffnet eine hervorragende Dämmung sogar unmittelbar deutliche Vorteile - wie das Beispiel eines "Ultra-Niedrigenergiehauses" zeigt, das vor kurzem in München fertiggestellt wurde. Hier sorgt ein Polyurethan-Wärmedämmverbundsystem der Firma Hasit Trockenmörtel GmbH & Co. KG, im Zusammenspiel mit Vakuumisolationspaneele für niedrige Heizkosten - und dank der hohen Effizienz der dünnen PUR-Dämmschichten obendrein für einen Nutzflächengewinn. Die dafür verwendeten Polyurethan-Hartschaum-Dämmplatten stellt die Puren Schaumstoff GmbH Polyurethan-Rohstoffen der Bayer MaterialScience AG her. Für dieses System haben Hasit und seine Partner vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt), Berlin, jetzt die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erhalten.

Fassadendämmung, WDVS, Ultra-Niedrigenergiehaus, Gebäudedämmung, Niedrigenergiehaus, Polyurethan-Wärmedämmverbundsystem, Vakuumisolationspaneele, PUR-Dämmschichten, Polyurethan-Hartschaum-DämmplattenDas smarte Gebäude im Münchener Stadtteil Lehel passt sich architektonisch den Neubauten, die sich nach Norden und Süden erstrecken, sehr feinfühlig an - ohne den Eindruck eines Gebäudes in "Thermoskannenarchitektur" zu erwecken. Dennoch entstand in der Seitzstraße 23 (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps) ein kleines Energiesparwunder: Das von der Stadt München geförderte Gebäude, das neben Wohnungen auch Büro- und Geschäftsräume beherbergt, wartet mit einem Energieverbrauch von lediglich 20 kWh pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²•a) auf. Das entspricht einem Heizölbedarf von lediglich etwa zwei Litern pro Quadratmeter und Jahr. Damit beansprucht dieses "Zwei-Liter-Haus" also nur rund ein Zehntel der Energie, die ein durchschnittliches Münchener Gebäude auf den Zähler bringt, und unterbietet auch den ehrgeizigen Niedrigenergiehaus-Standard (40 bis 60 kWh/m²•a) deutlich. Wäre das "Ultra-Niedrigenergiehaus" in der Seitzstraße nicht durch seine Nachbarn teilweise verschattet, würde es sogar echten Passivhäusern (weniger als 15 kWh/m²•a) Konkurrenz machen.

Beim Erreichen dieser Bestmarken spielt insbesondere die Dämmung der Gebäude-Außenwand eine wichtige Rolle. In der Seitzstraße 23 übernehmen diese Aufgabe dünne Vakuumisolationspaneele (VIP) im Zusammenspiel mit einer lediglich acht Zentimeter dicken Schicht aus Polyurethanhartschaum-Dämmplatten der Wärmeleitfähigkeitsstufe WLS 030. Der besonders wichtige wärmebrückenfreie Anschluss der Dämmung an die Außenwand gelingt durch Streifen aus dem massiven Polyurethan-Konstruktionswerkstoff Purenit - ebenfalls von Puren, die in den Beton der Mauerkonstruktion eingegossen wurden. Sie dienen als Verankerungspunkt für die Schrauben, mit denen die aufgeständerten, feuchtigkeitsbeständigen PUR-Platten an der Gebäude-Außenwand befestigt wurden.

Um die Befestigungselemente auch putzseitig zu isolieren, wurden ca. zwei Zentimeter dicke, runde Scheiben aus dem PUR-Dämmstoff herausgeschnitten, die nach der Befestigung durch die Schrauben wieder eingesetzt wurden (Rondell-Technik). Durch diese Konstruktion wurden die Montageelemente vollständig vom Dämmmaterial umschlossen. Die empfindlichen Vakuumpaneele schließlich sitzen in Zwischenräumen zwischen der Betonwand und dem PUR-Wärmedämmverbundsystem, die zuvor eigens mit Hilfe Distanzstücken geschaffen wurden; so werden sie durch die Polyurethan-Dämmelemente optimal gegen Beschädigungen geschützt. Weitere Wärmebrücken werden durch verklebte Nut-Feder-Verbindungen der PUR-Dämmplatten vermieden.

Die besondere Stärke des Dämmstoffs Polyurethan zeigt sich konkret jedoch erst an einem Dämmdickenvergleich mit anderen Werkstoffen: Um die gleiche Dämmleistung zu erbringen wie die lediglich acht Zentimeter dicken PUR-Platten, müssten Holzfaserplatten der WLS 045 rund 12, solche aus EPS (WLS: 040) rund 11 Zentimeter dick ausgelegt werden. Durch die dank PUR mögliche schlankere Außenwandkonstruktion ergeben sich über fünf Geschosse gerechnet somit Nutz- bzw. Wohnflächengewinne von 8,1 bzw. 10,8 Quadratmetern. Damit bekommt der Bauherr bei Quadratmeterpreisen von etwa 4.000 Euro im Raum München eine Nutzfläche im Wert von über 30.000 Euro "geschenkt". Dieser Gewinn übersteigt die Mehrinvestitionen in die Polyurethandämmung bei weitem. Darüber hinaus erhöht das Mehr an Raum ganz nebenbei die zu erwartenden Mieteinnahmen. Die Mieter wird’s auch nicht stören: Sie sparen durch geringe Heizungskosten bares Geld.

siehe auch:

ausgewählte weitere Meldungen: