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64 Prozent der 15- bis 19-Jährigen wohnen in den eigenen vier Wänden

(5.10.2004) Fast zwei Drittel der 15- bis 19-Jährigen in Deutschland leben mit ihrer Familie in den eigenen vier Wänden, so eine aktuelle Auswertung des Forschungsinstituts empirica auf der Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2003 des Statistischen Bundesamtes. Die positiven Erfahrungen, die junge Menschen im Elternhaus gerade dann machen, wenn sie im Eigenheim oder der Eigentumswohnung mit einem familiengerechten Umfeld aufwachsen, erklären nach Auffassung der Experten von LBS Research am besten, weshalb nach aktuellen Umfragen 80 Prozent der Menschen in Deutschland, darunter auch die Mehrheit der Mieter, Wohneigentum anstreben. Nicht zuletzt sei es für die Politik von Bedeutung, wenn Menschen schon im Erstwähler-Alter die Vorteile von eigenen vier Wänden aus eigenem Erleben kennen.

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Die Ursachen für diese Situation erklärt empirica mit der bekannten Tatsache, dass Familien häufiger Wohneigentümer sind als kinderlose Haushalte. Mit wachsender Kinderzahl, vor allem aber auch mit wachsendem Alter der Kinder nimmt der Anteil der Minderjährigen in eigenen vier Wänden zu (vgl. Grafik). Wohnen die Eltern auch in Westdeutschland anfangs immer noch überwiegend zur Miete (mit einer Eigentumsquote von 45 Prozent bei den Kindern bis zum fünften Lebensjahr), steigt ab dem fünften Lebensjahr der Anteil der Kinder in eigenen vier Wänden auf fast 60 Prozent an und erreicht bei den 15- bis 19-Jährigen eine Quote von fast 65 Prozent. Ein längerfristiger Vergleich zeigt, dass in Westdeutschland erst in den 90er Jahren der Anteil der Minderjährigen im Wohneigentum die 50-Prozent-Grenze überschritten hat und 2003 einen Wert von 57 Prozent erreicht.

Wie LBS Research ergänzend mitteilt, haben die jungen Menschen in Ostdeutschland in punkto Wohneigentum den Aufholprozess bis 2003 praktisch abgeschlossen. Hier sind erst bei den 15- bis 19-Jährigen die Wohneigentümer klar in der Mehrheit, und auch hier wohnen die Twens nach der Gründung des eigenen Haushalts erst einmal zur Miete. Bereits heute ist aber Wohneigentum in der 20- bis 45-jährigen ostdeutschen Bevölkerung nahezu genauso weit verbreitet wie im Westen. 25- bis 29-Jährige wohnen in den neuen Ländern sogar bereits häufiger im Eigenheim oder in der eigenen Wohnung als ihre Altersgenossen im früheren Bundesgebiet.

Traditionelle Analysen von Wohneigentumsquoten haben diese Fakten bisher verdeckt, weil sie sich altersmäßig am Haushaltsvorstand orientieren. Da junge Menschen, die sich vom Elternhaus wohnlich "abnabeln", ganz überwiegend als Mieter starten, kommen die Wohneigentumsquoten der Haushalte der 20- bis 30-Jährigen nach wie vor nicht über die Marke von 10 Prozent. Die "Rückkehr" zu gewohnten Wohnverhältnissen dauert in Deutschland viel länger als in manchen anderen Ländern. Im Schnitt sind Wohneigentumserwerber nahezu 40 Jahre alt, erst bei 45- bis 49-jährigen Haushalten wird die Quote von 50 Prozent überschritten. Nur die 60- bis 64-Jährigen erreichten 2003 die Wohneigentumsquote der "Teenies".

Ganz besonders deutlich macht die Spezialauswertung von empirica die Unterschiede bei den 20- bis 29-Jährigen in Westdeutschland: Während die Angehörigen dieser Altersklasse zu über 70 Prozent im Wohneigentum leben, wenn sie noch bei den Eltern wohnen, sind die "flügge gewordenen" Twens zu rund 90 Prozent Mieter. Hieran wird nach Auffassung der LBS-Experten deutlich, dass auch in Zukunft politischer Handlungsbedarf besteht, um jungen Familien den Weg zum Wohneigentum rechtzeitig zu erleichtern. Denn vermögens- wie familienpolitisch ist es entscheidend, breiten Schichten der Bevölkerung möglichst früh Anreize und Möglichkeiten zu bieten, mit eigenen vier Wänden die Basis für ein familiengerechtes Umfeld und zugleich Sicherheit fürs Alter zu schaffen.

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