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Baugewerbe fordert Reform der beruflichen Bildung

  • Zweijährige Ausbildung soll zukünftig die Regel sein

(5.10.2004) "Wir brauchen eine Reform der beruflichen Bildung. Es stellt sich für uns die Frage, ob die generelle dreijährige Ausbildung mit der Gesellenprüfung als Abschluss noch Sinn macht. Oder ob eine zweijährige Ausbildung, die im Prinzip heute schon möglich ist, die allerdings inhaltlich anders strukturiert sein müsste, als erste Qualifikationsstufe nicht ausreicht. Derjenige, der sich in den zwei Jahren durch gute Leistungen auszeichnet, sollte weiterhin das dritte Jahr anschließen und die Gesellenprüfung ablegen können." So skizzierte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Arndt Frauenrath, am 4. Oktober in Berlin die Vorstellungen des Deutschen Baugewerbes für eine Reform der beruflichen Bildung am Bau.

"Denn wir brauchen weiterhin hoch qualifizierte und spezialisierte Fachkräfte, sicher aber nicht mehr in der großen Zahl der vergangenen Jahre." So Frauenrath weiter. Die Zahl der Arbeitsplätze im Bauhauptgewerbe hat sich seit 1995 von 1,4 Mio. Beschäftigten auf nunmehr 752.000 im Juli 2004 halbiert. Dementsprechend ist auch die Zahl der Lehrlinge, der Ausbildungsplätze und der ausbildenden Betriebe zurückgegangen. Dennoch liegt die Ausbildungsquote mit 6 Prozent noch weit über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Das entspricht über 40.000 Ausbildungsplätzen in der Bauwirtschaft.

Die Hauptausbildungslast tragen die mittelständischen Betriebe des Bauhandwerks. Sie bilden 71,5 Prozent aller Lehrlinge aus. "Im vergangenen Jahr haben wir nach langen Jahren der Rückgänge eine Trendwende erreicht: Zum ersten Mal ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wieder angestiegen, und zwar um 3,5 Prozent. Dieser Trend zeichnet sich auch in diesem Jahr ab." Erklärte der ZDB-Präsident zur aktuellen Situation.

"Ziel muss es sein, die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe zu erhalten und weiter zu steigern." Ergänzte der Vorsitzende des Ausschusses für Berufsbildung im ZDB, Georg Dautermann. "Dieses Ziel hatten wir vor Augen, als wir unser neues Ausbildungsmodell beraten und verabschiedet haben. Eckpunkte dieses neuen Ausbildungsmodells für die Bauwirtschaft sind eine Verringerung der überbetrieblichen Ausbildungszeiten, eine Verstärkung der fachspezifischen Ausbildungsinhalte für den jeweiligen Beruf sowie eine Aufwertung der Zwischenprüfungen." So Dautermann.

Bisher besteht die Verpflichtung, die Lehrlinge mindestens 32 Wochen überbetrieblich auszubilden. Dieser Anteil ist deutlich zu hoch. Künftig sollen nur noch 24 Wochen überbetriebliche Ausbildung verpflichtend sein. Damit wären die Lehrlinge entschieden länger in den Betrieben bzw. auf den Baustellen. "Wir wollen damit ein wesentliches Ausbildungshemmnis und ein Stück Reglementierung für den Betrieb abbauen." Erklärte Dautermann.

Die Anteile der berufsgruppenbezogenen und der berufsspezifischen Ausbildungsanteile für den jeweiligen Ausbildungsberuf sollen deutlich erhöht werden. Dautermann weiter: "Wir wollen, dass der Abschluss nach zwei Jahren zum Hochbau-, Ausbau- und Tiefbaufacharbeiter ein in jeder Hinsicht berufsqualifizierender Abschluss ist. Das heißt, dass die berufliche Handlungsfähigkeit in zwei Jahren mit 20 Wochen überbetrieblicher Ausbildung erreicht werden soll."

Die Zwischenprüfungen müssen ein größeres Gewicht erhalten und aufgewertet werden, um die Motivation der Lehrlinge zu steigern. Deshalb sollen deren Ergebnisse mit einem Anteil von 20 Prozent in die Ergebnisse der Abschlussprüfungen einfließen. "Darüber hinaus wollen wir die bereits heute bestehende Möglichkeit der Stufenausbildung Bau, zweijährige Ausbildungsverträge abzuschließen, stärker als bisher nutzen und werden dies auch unseren Mitgliedern empfehlen. Der Gesellenabschluss soll künftig über den Weg "2 plus 1" erreicht werden, d. h., nach einer erfolgreich abgeschlossenen 2jährigen Ausbildung erhält der Lehrling einen Anschlussvertrag für das 3. Ausbildungsjahr." So Dautermann.

Der Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses forderte Bundesminister Wolfgang Clement auf, schnellstmöglich die beantragte Novellierung zu veranlassen. "Damit würde die Bundesregierung einen weiteren Schritt zur Verbesserung der Chancen der jungen Menschen am Ausbildungsmarkt machen. Nur wenn die Ausbildung wieder attraktiv wird, wird der Mittelstand weiter ausbilden und den jungen Menschen eine berufliche Zukunft geben." So Dautermann abschließend.

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