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"Brick Award 2004": Erstmals Preis für zeitgenössische europäische Ziegelarchitektur vergeben

(19.6.2004) Erstmals hat Wienerberger einen internationalen Architekturpreis "Brick Award" ausgeschriebenen. Der "Brick Award", dotiert mit 21.000 Euro, zeichnet von nun an alle zwei Jahre zeitgenössische europäische Ziegelarchitektur aus.

Ziegelfassade
Gefahrenstofflager der Humboldt-Universität Berlin (Foto: Wienerberger / Evelyn Hendreich - siehe auch Bing-Maps und/oder Google-Maps)

Eine internationale Jury renommierter Architekten wählte aus den zahlreichen nominierten Projekten die 38 besten Ziegelbauten aus. Diese sind auch in einem hochwertigen Bildband "brick '04" portraitiert; Herausgeber ist der Callwey Verlag München. Die Auszeichnungen wurden an die besten Arbeiten - drei Siegerprojekte und zwei Sonderpreise - am 27. Mai im Rahmen einer glanzvollen Gala in der Wiener Hofburg vergeben.

Am 27. Mai war Wien für einen Abend eine Architekturhauptstadt Europas: In Anwesenheit der Jurymitglieder, zahlreicher Architekten aus dem In- und Ausland, Architekturkritikern und den Preisträgern wurden die "Brick Awards 2004" von Dr. Wolfgang Reithofer, Vorstandsvorsitzender der Wienerberger AG, verliehen. Neben den Trophäen dürfen sich die Preisträger aus Deutschland, Italien, der Schweiz und Tschechien über hoch dotierte Geldpreise freuen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der Architekturbildband "Brick 2004" erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

"Brick 2004": eine Hommage an den traditionsreichsten Baustoff der Welt

Der Ziegel, eines der ältesten Baumaterialien der Menschheitsgeschichte, verdankt seine ungebrochene Modernität der Tatsache, dass er, kontinuierlich optimiert und modifiziert, mehr denn je ökonomischen, ökologischen und bauphysikalischen Ansprüchen unserer Zeit gerecht wird. Die mannigfaltige Anwendbarkeit des Baustoffes Ziegel, der als Sicht- aber auch Hintermauerziegel zum Einsatz kommt, wird in dem reich bebilderten und ausführlich dokumentierten Architekturbuch "Brick 2004" präsentiert. Bei den insgesamt 38 dargestellten Ziegelprojekten handelt es sich um Wohnbauten und Nichtwohnbauten, die in Sicht- oder Hintermauerziegelbauweise errichtet wurden. Dabei sind die prämierten Projekte so unterschiedlich, wie der Baustoff Ziegel in der Architektur einsetzbar ist.

Preise und Sieger

1. Preis: Josef Pleskot (Tschechische Republik):
Fußgängerpassage unter dem Prager Hradschin - Ein Tunnel wird zur großartigen Architektur (siehe Google-Street-View unten und/oder Google-Maps)

Das Siegerprojekt ist ein Bauwerk des Prager Architekten Josef Pleskot: Die Fußgängerpassage im Hirschgraben unter dem Prager Hradschin, die den zuvor in zwei Teile geteilten Graben miteinander verbindet. Pleskot errichtete einen Tunnel, dessen Verlauf durch den Bach Brusnitz vorgegeben wurde. Ein Teil des Weges besteht aus geripptem Beton, der zweite Teil aus einer Stahlgitterkonstruktion, die über dem Bach liegt. Der Benutzer entscheidet selbst, welche Art der Oberfläche er bevorzugt. Der Querschnitt des Tunnels ist eiförmig, die Innenwände mit Ziegeln verkleidet, die in verschiedenen Mustern verlegt sind. Die Oberfläche wird durch die Schmalseite der Ziegel gebildet, sodass die Wände wie in träumerischen Korbmuster gewoben aussehen. Diese Art der Ziegeloberfläche und die in den Fußweg versenkten Lichtquellen unterstreichen die Plastizität der Wände. (Foto:Jan Mal)

2. Preis: Benedict Tonon (Deutschland):
Gefahrenstofflager der Humboldt-Universität Berlin: Signalfarbe statt "Grau-in-Grau" (Bing-Maps und/oder Google-Maps)

Den zweiten Platz vergab die Jury an den deutschen Architekten Benedict Tonon für sein außergewöhnliches Gefahrenstofflager der Humboldt-Universität. Das auf dem Gelände des Aerodynamischen Parks in Berlin-Adlerhof befindliche Gebäude strahlt mit seiner in Sichtziegel gearbeiteten Fassade schon von Weitem "Gefahr" aus: Ein braun-gelbes, rund um den Funktionsbau gelegtes Treppenmuster ist so exakt gearbeitet, dass der Bau aus der Ferne betrachtet seine Räumlichkeit verliert. Zeitgenössisch wird das Gebäude durch die verglasten Ecktürme und durch das Zeigen der darin befindlichen Lüftungstechnik. Nachts wird das Treppenmotiv durch die Beleuchtung dieser Ecktürme noch verstärkt. (Fotos: Wienerberger/ Evelyn Hendreich)

3. Preis: Cino Zucchi (Italien):
Wohnhaus auf der venezianischen Insel Giudecca: "Mikrochirugie im empfindlichen Stadtkörper"

Cino Zucchi überzeugte mit seinem Wohnhaus auf der venezianischen Insel Giudecca, das im Bereich der ehemaligen Junghans-Werkstätten errichtet wurde. Zucchis Bau besticht durch Sensibilität und die Fähigkeit, traditionelle Werte in einer zeitgemäßen Sprache auszudrücken. Auf Stahlpiloten errichtet, drückt das Wohnhaus Modernität vor allem durch die Asymmetrie der Fassadenöffnungen, deren Anordnung den funktionalen Erfordernissen jeder einzelnen Wohnung entsprechen, aus. Der Bebauungsplan sieht die Errichtung eines neuen urbanen Geflechts vor, in dem Abbruchsobjekte verschwinden und bestehende Industriegebäude in Wohnhäuser rückgebaut werden. (Foto: Wienerberger/ Claudio Renato Fantone)


Sonderpreis: Massimo Carmassi (Italien):
Stadtsanierungsprojekt in Pisa

Zusätzlich zu den drei Hauptpreisen vergab die Jury noch zwei Sonderpreise. Massimo Carmassi beeindruckte mit seinem Stadtsanierungsprojekt in Pisa, das Fragmente alter Ziegelmauern an der Rückseite der romanischen Kirche San Michele in Borgo in perfekter Weise in die neue Architektur mit einbezieht. Der Ziegelneubau beherbergt Wohnungen und Geschäftslokale und besticht durch seine Vielzahl von faszinierenden Ziegeldetails. Gleichzeitig ist das Projekt ein exzellenter Beweis für die über Jahrhunderte bestehen bleibende Funktionalität und Ästhetik von Ziegelbauten. (Foto: Mario Ciampi)

Sonderpreis: Peter und Christian Frei (Schweiz):
Einfamilienhaus im Aargau, Schweiz

Ein weiterer Sonderpreis geht an das Schweizer Architektenduo Peter und Christian Frei für ihr Einfamilienhaus im Aargau. Das lang gezogene, zweigeschossige Haus aus schwarzem Klinker ist aus möglichst natürlichen Materialien gebaut und ein herausragendes Beispiel moderner, sachlicher Architektur. (Foto: Francesca Giovanelli)


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