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Sparquote privater Haushalte: Deutschland nur im Mittelfeld

(18.5.2004) Die Sparquote der privaten Haushalte ist im vergangenen Jahr zwar von 10,6 Prozent auf 10,8 Prozent leicht angestiegen. Damit steht Deutschland aber keineswegs an der Spitze in Europa, sondern lediglich im Mittelfeld. Auch bei der längerfristigen (innerdeutschen) Betrachtung liegt die Quote weit unter den Werten in den 70er und 80er Jahren. Darauf hat der Verband der Privaten Bausparkassen hingewiesen. Im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern liegt Deutschland demnach bei der Ersparnisbildung der privaten Haushalte, gemessen in Prozent des verfügbaren Einkommens, nur an fünfter Stelle. An der Spitze rangierten Italien mit einer Sparquote von 15,1 Prozent, gefolgt von Belgien mit 13,6 Prozent, Portugal mit 13,1 Prozent und Frankreich mit 11,4 Prozent. Gleichauf mit Deutschland weise Spanien ebenfalls eine Quote von 10,8 Prozent auf. Nur wenig niedriger sei die Ersparnisbildung in der Schweiz mit 10,0 Prozent und in den Niederlanden mit 8,9 Prozent.

Andreas J. Zehnder, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Privaten Bausparkassen: "Die Spitzenposition als 'Sparweltmeister' haben wir schon lange verloren. Der Anstieg der Sparquote in den letzten Jahren und die von einigen Politikern jetzt beklagte angeblich zu hohe Ersparnisbildung resultiert nicht in erster Linie aus der Überlegung vieler Bundesbürger, zusätzliches Vermögen zu bilden, sondern aus einer allgemeinen Verunsicherung. Da die Bundesbürger nicht wissen, was auf sie an finanziellen Belastungen noch zukommt, reagieren sie mit Zurückhaltung bei den Konsumausgaben, was man allgemein als 'Angstsparen' bezeichnet. Im übrigen wäre im Hinblick auf die Altersvorsorge eine höhere Ersparnisbildung dringend notwendig."

Der Verband erinnert daran, dass die Sparquote in den 70er Jahren bei durchschnittlich 14,6 Prozent, in der Spitze sogar bei über 16 Prozent gelegen habe. Auch in den 80er Jahren habe die Quote mit 13,5 Prozent im Durchschnitt weit über dem jetzigen Wert gelegen. Gleichzeitig sei das Wirtschaftswachstum deutlich höher gewesen als heute. Zehnder: "Wer also jetzt die vermeintlich 'hohe' Ersparnisbildung für das fehlende Wirtschaftswachstum verantwortlich macht, stellt falsche Kausalzusammenhänge her."

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