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Zinsen folgen derzeit der Dollartendenz

(23.2.2004) Die Tagesschwankungen bei den Kapitalmarktzinsen und auch bei der Entwicklung der Aktienindizes werden derzeit von der jeweiligen Tendenz des Dollarkurses bestimmt. Nachdem der Euro Anfang der Woche fast die 1,30-Marke gegenüber dem Dollar erreicht hatte, kam es anschließend zu Gewinnmitnahmen der Währungsspekulanten. Mit der leichten Abschwächung des Euro sind auch die Zinsen wieder leicht angestiegen und der DAX ist über die Marke von 4.100 geklettert. Neben diesen Tagestendenzen sollte aber der Blick auf die entscheidenden Faktoren für die mittelfristige Zinsentwicklung nicht verloren gehen: Die USA wollen im Wahljahr 2004 keine Abschwächung der Konjunktur riskieren. Damit bleibt die Geldpolitik der US-Notenbank weiter locker und eine Zinserhöhung vor November wäre nur durch einen überraschenden deutlichen Anstieg der Inflation zu rechtfertigen. Abgesehen von höheren Importpreisen droht aber hier keine Gefahr. Die US-Unternehmen können weiterhin keine höheren Preise im Inland durchsetzen - beispielhaft ist hier der Preiskampf im Automobilsektor - und die Konsumkraft der Haushalte wird mit der rasant steigenden Pro-Kopf-Verschuldung geringer.

Besonders interessant ist auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Während die meisten Beobachter einfach nur auf die Arbeitslosenzahlen schauen und dort eine leichte Verbesserung sehen, zeigt sich bei genauer Betrachtung eine gefährliche Tendenz: Es gehen gutbezahlte Jobs verloren und die neuen Jobs, die geschaffen werden, sind im US-Durchschnitt um rund 30% schlechter bezahlt. Hier läuft im Hintergrund weiterhin eine deflationäre Entwicklung ab, welche die Konsumkraft kontinuierlich schwächt. Robert Haselsteiner, Gründer und Vorstand der Interhyp AG, geht daher in den USA von stabilen Zinsen für die nächsten Wochen und Monate aus. Die EZB wird solange wie möglich einen nächsten Zinsschritt nach unten verhindern wollen, um ihren monetären Spielraum nicht vorzeitig aufzugeben. Sollte der Euro aber nachhaltig über die 1,30-Marke steigen, so wird eine weitere Leitzinssenkung immer wahrscheinlicher. Mit 4,28% - gemessen an den 10-jährigen Pfandbriefrenditen - liegen wir derzeit in der Mitte der Bandbreite, die wir für die nächsten Wochen bei den Kapitalmarktzinsen zwischen 4,10% und 4,50% sehen.

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