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Baukammer Berlin fordert: Gebühren runter – Leistungen rauf

(9.1.2004) Die breite Aufrechterhaltung der Professionalität des freien Berufs setzt eine "Insider"-Organisation voraus mit eigener profunder Sachkenntnis über dessen Besonderheiten: Die Kammerorganisation in Selbstverwaltung - Aber nicht um jeden Preis. So lautet das kernige Credo des neu gewählte Präsidenten der Baukammer Berlin, Dr.-Ing. Jens Karstedt bei seinem Amtsantritt.

Das bestehende Kammersystem könne diese Funktion sehr gut erfüllen, wenn es gelingt, die Kammern noch effizienter und für ihre Mitglieder wertvoller zu machen. Die Kammern müssten alles tun, um interne Bürokratismen, Kosten und Berufsausübungshindernisse aller Art abzuschaffen, bei gleichzeitiger Besinnung auf die Kernaufgaben und die Erweiterung des Dienstleistungsangebotes, so Karstedt, der sich damit in der Tradition seines Amtsvorgängers weiß.

Die Baukammer sei hier seit langem auf dem richtigen Weg. Berufskammern müssten danach trachten, soviel Berufsaufsicht wie nötig, aber nur so wenig wie möglich zu praktizieren; bundesweit sollten die Kammern bestrebt sein, ihre Gebühren abzubauen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass manche Kammern, auch die IHK, anders denken. Zum Zwecke des finanziellen Selbsterhalts der Institutionen bestünden Tendenzen, Gebühren überall dort zu erhöhen, wo dies nur irgendwie gerechtfertigt erscheint: z. B. die Erhöhung der Prüfgebühren für die Lehrlinge bei den Bauzeichnern um bis zu 300 Prozent vor kurzem bei der IHK in Berlin, aber auch die nicht nachvollziehbare Erhöhung oder Einführung von Gebühren in manchen auswärtigen Ingenieurkammern für Berliner Ingenieure, die in anderen Bundesländern arbeiten wollen.

Das - so Karstedt - seien verheerende und kontraproduktive Signale in dieser gerade für die Bauwirtschaft schwierigen Zeit, die sein Verständnis nicht fänden. Solange nicht jede Berufskammer, aber auch die großen Handwerks- und Handelskammern in erster Linie darauf bedacht seien, ihren Mitgliedern Nutzen zu bringen, zum Teil Polizei- und Gutsherrenallüren abzulegen, den Wandel vom reinen Organ der Berufsaufsicht zum serviceorientierten Dienstleister zu vollziehen, werde es immer kritische Stimmen geben, die ein Ende des bisherigen Systems fordern. - Und das wohl zurecht.

Die Baukammer Berlin werde energisch fortfahren, sich diesen Herausforderungen zu stellen und sich an deren Bewältigung messen lassen.

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