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Armstrong DLW präsentiert: Kindergarten mit flexiblem Raumnutzungskonzept

(15.7.2003) Ein parkähnliches Grundstück mit altem Baumbestand - diese Gegebenheit für den Neubau eines Kindergartens im Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim wurde als glückliche Fügung und Herausforderung zugleich empfunden. Mit einem schlichten, klar gegliederten Bau sollte ein architektonisches Zeichen inmitten der Natur gesetzt sowie mit Formen und Materialien an die natürliche Umgebung angeknüpft werden - siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps. Der Ludwigsburger Architekt konzipierte einen eingeschossigen, nahezu quadratischen Baukörper in Holzbauweise mit Flachdach. Lediglich an der Ostseite wurde er um einen schmalen Riegel aufgestockt, der wie eine Aussichtsplattform auf dem Gebäude thront.

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Fotos: Valentin Wormbs

Individuelle Raumaufteilung

Vom Eingang gelangt man in eine zentrale Halle, auf die hin alle Innenräume ausgerichtet sind. Weil im Kindergarten am Nussackerweg das Prinzip der offenen Gruppenarbeit praktiziert werden soll, entwickelte Architekt Zimmermann das sonst übliche 2-Gruppenkonzept mit seinem klassischen Raumprogramm zu einem flexiblen und differenzierten Raumnutzungskonzept weiter. "Damit konnten wir die Räume individuell aufteilen", erläutert er, "ohne uns an starre Vorgaben halten zu müssen. Dies bot uns gestalterische Freiheit und schafft zugleich kreative Entfaltungsspielräume für die Kinder." Diesem Konzept verpflichtet ist auch die zentrale Eingangshalle: Sie ist nicht nur Eingang und Durchgangsfläche, sondern zugleich Garderobe, Theaterbühne sowie Spiel- und Bewegungsraum. Zum Park hin führt ein Durchgang auf ein wetterfestes Holzdeck ins Freie.

Ein Fass als Klangkörper

Optisch markantes Zeichen der Eingangshalle ist ein ellipsen-förmiger Raum speziell für Sinneswahrnehmungen. In ihm lassen sich besonders gut die Phänomene der Akustik erforschen: Aus der Form, die an ein großes Fass erinnert, resultieren Klänge, die sich an jeder Stelle des Raums anders anhören, ein Echo mit inbegriffen. Für optische Reize sorgen ein ovales Oberlicht und ein schräg aus der Fasswölbung kragendes Fenster, das sich, knapp über Bodenhöhe, auch als Luke zum Park hin öffnen lässt.

Auch der übrige Innenbereich im Erdgeschoss wurde entsprechend des flexiblen Raumnutzungskonzepts gestaltet. Anstelle der sonst üblichen zwei Gruppenräume wurde nur ein solcher Raum an der Südseite platziert. Er unterteilt sich in ein großes Spielzimmer und einen kleineren "Puppenraum", der sich durch eine Schiebetür abtrennen lässt und so den Kindern eine Rückzugsmöglichkeit bietet.


Ein weiterer großer Aufenthaltsbereich wurde entlang der Wand zum außen liegenden Werkhof errichtet. Er dient als Mal-, Matsch-, und Werkraum mit fest installierten Werkbänken, einem Matschbecken - beispielsweise für Arbeiten mit Lehm - und Regalen für Arbeitsmaterialien: Auch hier können die Kinder ihren kreativen Ideen freien Lauf lassen und ihre Sinne schulen. Ein Bewegungsraum befindet sich im aufgesetzten Geschoss in der Form eines schmalen Riegels, der von der Halle aus über eine Treppe zugänglich ist. Nach Süden hin kragt er mit einem raumhohen Fenster in den Park aus und ermöglicht auch bei schlechtem Wetter eine großartige Aussicht in die Natur.

Wirtschaftliche Bauweise

Ein enger Kostenrahmen zwang den Architekten zu einer besonders wirtschaftlichen Bauweise. Er entschied sich für eine durchgängige Holzbauweise, wobei die Massivholzelemente für Wände und Decken kreuzweise verleimt wurden. Zur Kostenreduzierung trug bei, dass viele Elemente vorgefertigt und dadurch die Fertigungszeiten auf der Baustelle stark verkürzt werden konnten. Die Außenschalung besteht aus unbehandelten Lärchenbrettern und Dreischichtplatten aus Douglasienholz, im Innenbereich sind die Holzpaneele in Sichtqualität ausgeführt.

Die durchgängig verschieden großen Fenster im Gebäude sind jeweils individuell aus den Innenräumen heraus entwickelt und weisen stets eine niedrige Brüstungshöhe auf, so dass Kinder immer eine freie Sicht nach draußen, in die Natur haben. Eine Sonnenschutzverglasung in der Süd- und Teilen der Westfassade machte einen wartungsanfälligen Sonnenschutz überflüssig. Belüftet wird der Kindergarten über die Fenster und den Lüftungsflügel in einem zentralen Oberlicht im Flachdach - auch das eine wirtschaftliche Lösung.

Natürlichkeit ist Trumpf: Holz und Linoleum prägen den Innenraum

Neben Holz als konstruktivem und dekorativem Element sorgen Linoleumböden für ein angenehmes Raumklima und eine behagliche Atmosphäre der Innenräume. Denn die natürlichen Bestandteile des Linoleums, wie Leinöl, Naturharze, Jute und Korkmehl, machen den Belag angenehm fußwarm und trittelastisch - ideal für Kinder, um auf dem Boden zu spielen. Dazu ist Linoleum hygienisch, schwer entflammbar, antistatisch, rutschhemmend, zudem geeignet für Fußbodenheizungen sowie in hohem Maße verschleißfest.

Dem Wunsch des Architekten nach einem neutralen Boden mit einem homogenen Erscheinungsbild entsprach der Linoleumbelag Uni Walton von Armstrong DLW. Der Belag sollte zudem in der Farbigkeit zurückhaltend, vom Ton her aber trotzdem ausdrucksstark sein: "Damit die Räume nicht abheben, sondern auf dem Boden bleiben." Die Wahl fiel auf ein sattes Blaugrau, das den Boden betont und zugleich im spannungsreichen Kontrast zu den warmen Holztönen steht: "Linoleum bringt Ruhe hinein und unterstreicht die Klarheit der Räume. Für genug Lebendigkeit sorgen die Kinder ja von ganz allein."

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