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Cocooning trotz heller, offener Wohnräume und schrägen Konstruktionen als Blickfang

(15.7.2003) "My home is my castle!" Ihre Privatsphäre geht den meisten Hauseigentümern über alles. Eigentlich möchte keiner von Ihnen auf dem Präsentierteller sitzen und den neugierigen Blicken der Nachbarn oder von der Straße schutzlos ausgeliefert sein. Gleichzeitig wollen aber auch die wenigsten auf helle und freundliche Wohnräume verzichten. Und gesund wohnen möchte man schließlich auch. Anspruchsvolle Wünsche, die sich ein Heilpraktiker aus Braunschweig mit seinem unipor-Ziegel-Haus alle erfüllt hat. Schräge Bauteile dienen zudem als Blickfang und verleihen dem Gebäude auch architektonisch einen ganz besonderen Reiz.

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Das Eigenheim besteht aus Wohn- und Schlafbereich sowie einem Praxisraum und ist teilunterkellert. Das Bauobjekt ist streng nach Süden orientiert, um während des Tages alle Räume mit möglichst viel Sonnenlicht zu versorgen.

Der Entwurf sah einen Mauerwerksbau mit Wintergarten auf der Gebäuderückseite vor. Während sich das zweigeschossige Haus durch die großflächige Verglasung zum mit Bäumen umsäumten Garten öffnet, schirmt der mit entgegengesetzt geneigten Pultdächern überdeckte gestaffelte Baukörper gleichzeitig diesen Bereich zur Straße hin ab. Die Praxis mit Behandlungsraum, Bad und separatem Eingang ist unauffällig in die zur Garage orientierte Gebäudeseite integriert.


Gestalterische Highlights sind die geneigte Glasfassade des Wintergartens mit Essplatz und Küche sowie die schräge Außenwand des Bad-Erkers im ersten Obergeschoss. Sie dient gleichzeitig als Vordach des Eingangsbereiches. Da sich der Neigungswinkel orthogonal auf die um 10 Grad geneigten Pultdachflächen bezieht, fügen sich die schrägen Bauteile optisch harmonisch in den Gesamtbaukörper ein. Aus dem gleichen Grund verläuft auch die obere Eckausbildung der Fenster auf der linken und rechten Gebäudeseite nicht rechtwinklig, sondern entspricht der Dachneigung.

Wesentlicher Bestandteil des Energie-Konzeptes ist die passive Nutzung der Sonneneinstrahlung durch eine einschalige wärmespeichernde Gebäudehülle ohne Wärmedämmverbundsystem. Die Außenwände sind zudem ausgesprochen diffusionsoffen und sorgen für einen natürlichen, gesunden Feuchtigkeits-Ausgleich der Raumluft. Eine Vollsparrendämmung mit Zellulose garantiert auch in der Dachfläche hohe Wärmespeicherfähigkeit und ersetzt herkömmliche Dämmstoffe.

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Der Bauherr entschied sich in Abstimmung mit dem Architekten für Mauerwerk aus unipor-Ziegeln. Den Ausschlag gab vor allem die umweltgerechte organische Sägemehl-Porosierung. Mit einer Dicke von nur 36,5 Zentimetern und einem zweilagigen mineralischen Leichtputz erreicht die in Dünnbettmörtelweise erstellte hochporisierte Außenwand aus Niedrigenergieplanziegeln (l=0.14) einen Wärmedämmwert (U) von 0,354 W/m²K. Die Außenverkleidung besteht aus einem durchgefärbten zweilagigen mineralischer Leichtputz.

Als Hauptwärmequelle dient eine Außenwandtemperierung. Die horizontal abgegebene Strahlungswärme wird angenehmer empfunden als eine vertikale Wärmestrahlung durch eine Fußbodenheizung. Weil nicht die Luft als Medium, sondern das massive Bauteil selbst aufgeheizt wird, kann Konvektions- und Zugluft nicht entstehen. Staubaufwirbelungen, die die Raumluft belasten, werden so vermieden.

Neben gesundheitlichen Aspekten werden auch ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt. Um die Lüftungswärmeverluste weitgehend zu minimieren, wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingesetzt. Warmwasser wird vornehmlich über Solarkollektoren gewonnen. Das gesamte Solarsystem ist um eine Photovoltaikanlage ergänzbar.

Keller: Weiße und schwarze Wanne

Erforderliche Abstellräume, Hauswirtschaftsräume und die Unterbringung der Haustechnik sollten nicht unnötig die Grundfläche vergrößern. Auf eine Teilunterkellerung wollte der Bauherr deshalb trotz der ungünstigen Grundwasser-Situation nicht verzichten.

Durch den vorhandenen hohen Grundwasserstand ist der Keller bis zu einer Tiefe von rund 0,8 Metern abgedichtet. Aus Fertigungsgründen wird dabei ein Mischsystem aus weiße und schwarze Wanne angewendet. Durch den Einsatz von Stahlbeton-Filigranelementen mit Dichtbändern, einem anschließenden bituminösen Schwarzanstrich auf Bewehrungsvlies und einer Wärmedämmung konnte die Bauzeit gegenüber herkömmlich abgedichteten Keller-Konstruktionen erheblich verkürzt werden. Positive Effekte: Das Risiko des Aufschwimmens wurde verkleinert und die Kosten für die Wasserhaltung reduziert.

Bautafel:

  • Nutzfläche: 248,68 Quadratmeter
  • Voraussichtlicher Jahresheizwärmebedarf: 20,5 kWh/m³a (mit Wärmerückgewinnung)
  • Rohbauende: Ende Februar 2002
  • Fertigstellungstermin: September 2002

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