Redaktion  || < älter 2003/0679 jünger > >>|  

Beispiel Gleitschalungsbau: mit "grünem" Beton, weicher Oberfläche und hartem Kern

Gleitschalungsbau, grüner Beton, Betontechnologie, Beton, Zement, Silos(25.6.2003) Gleiten, gleiten, nur nicht stoppen: Im Gleitschalungsbau gelten strenge Regeln. Egal ob Frost, Hitze oder dunkle Nacht, hier geht es rund um die Uhr, manchmal monatelang, just in time. Nur wenige Unternehmen beherrschen diese Technik. Dazu gehört die elegante Kunst der Betontechnologen, die bei jeder Witterung den richtigen Beton mit dem passenden Zement kreieren. Einmal ist er schneller und dann wieder langsamer.

Beim Bau eines 50 Meter hohen Getreide- und Mehlsilos, direkt an der A9 zwischen Leipzig und Jena, war Gleiten eine Aufgabe für Monate. Besonderheit: Die Silokammern mussten innen "Eierschalenglatt" sein, damit sich später keine Mehlreste in Hohlräumen festsetzen können. Diese Anforderung bedeutete, dass der noch "grüne" Beton unterhalb der Gleitschalung von Hand glatt verrieben werden musste.

In enger Zusammenarbeit zwischen Lafarge Zement, Bauberatung Werk Karsdorf, und dem Transportbetonlieferanten, den Fritz Herrmann Betonwerken, wurde in Vorversuchen unter simulierten Baustellenbedingungen verschiedene Betonrezepturen erarbeitet. Die Temperaturverlaufsmessungen an Probekörpern aus dem Betonwerk und die computergestützten Erhärtungsprognosen von Lafarge Zement bestätigten sich später in der Praxis.


Zusätzlich mussten noch die Jahreszeiten mit in die Betrachtung einbezogen werden, denn die Baustelle lief vom kalten Winter bis ins warme Frühjahr. Bei -10°C z.B. war es erforderlich, den äußeren Schalungsbereich nachzuheizen, während im Gleitschalungskern bis zu 35°C herrschten. Dafür mussten die eingesetzten Betone einen so breiten "Erstarrungskorridor" aufweisen, dass die gegebenen Temperaturdifferenzen nur einen geringen Einfluss auf die zu erwarteten Eigenschaften des Grünbetons hatten.

Auf der Baustelle wurden entsprechend den betontechnologischen Erfordernissen und den jahreszeitlichen Bedingungen ein CEM II/A-LL 42,5 R (Portlandkalksteinzement) und ein CEM I 42,5 R eingesetzt. Heute steht der Kollos. Und alles ist wie selbstverständlich über die Gleitbühne gegangen.

siehe auch:

zumeist jüngere Beiträge, die auf diesen verweisen:

ausgewählte weitere Meldungen: