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Flexible Brandschutz-Konzepte für moderne Logistikzentren

(4.5.2003) Die Vorteile der modernen Lagerlogistik mit Güterverteilzentren und Hochregal-Technik sind heute nicht mehr wegzudenken. Der Anspruch an die ständige Verfügbarkeit von Waren und Komponenten ist mit der "Just-in-time"-Produktion vieler Unternehmen weiter gestiegen. Ähnliches gilt für die Aktivitäten großer Handels- und Versandhäuser. Mit der zunehmenden Konzentration auf wenige große Standorte wächst in der Logistikbranche auch das Risiko eines kompletten Betriebsstillstandes, sollte es zu einem ernsthaften Brand kommen. Die Wertbelastungen pro m² betragen mittlerweile bis zu 100.000 Euro. Im Falle der Zerstörung einer Lagerhalle von einigen tausend Quadratmetern Grundfläche entstehen dann schnell Schäden in vielfacher Millionenhöhe.

Verschiedene Großbrände in den vergangenen Jahrzehnten haben gezeigt, dass die Existenz eines Unternehmens in wenigen Stunden vernichtet sein kann. Häufigste Ursache war unzureichender Brandschutz. Die materiellen Schäden einschließlich der Betriebsunterbrechung können zwar durch eine Versicherung abgedeckt werden, eine Police für verlorene Kunden und Marktanteile gibt es hingegen nicht. Vielfach war deshalb ein Konkurs die Folge.

Risikominimierung für Hochregallager

Ein Hochregellager kann heute bis zu 42 Meter hoch sein. Darin liegt ein besonderes Risiko, weil sich Brände von unten nach oben entwickeln und heiße Brandgase das noch nicht brennende Material auf den höheren Regalebenen so sehr erhitzen, dass es schon nach wenigen Minuten zu einer so genannten Durchzündung bis unter die Hallendecke kommen kann.

Um einen effizienten Brandschutz zu realisieren, müssen die (horizontalen) Säulen aus brennbarem Material in (vertikale) "Scheiben" unterteilt und mit Sprinklern geschützt werden, die die einzelnen Bereiche voneinander abtrennen und voll abdecken. Entsteht ein Brand, so werden die einzelnen Ebenen durch den Einsatz der dort installierten Sprinkler gelöscht. Sprinkleranlagen sind so konzipiert, dass im Brandfall einzelne Sprinkler durch die hohen Temperaturen des Feuers ausgelöst werden und den Brand punktuell löschen. Das Feuer wird sofort unterdrückt und kann nicht auf andere Sektoren überspringen, ein Durchzünden wird verhindert.

Gefährdungspotenziale durch neue Verpackungstrends

Im Laufe der Zeit, in der ein Lager genutzt wird, können sich auch Inhalt und Verpackung des Lagergutes hinsichtlich ihrer Brandeigenschaften ändern. So wurden etwa Lieferanten durch die Verpackungsverordnung gezwungen, Verpackungen zurückzunehmen und zu entsorgen. Aus diesem Grund werden heute verstärkt Behälter aus Polypropylen und Polyäthylen eingesetzt, die sich mehrfach verwenden lassen und recycelbar sind. Wurden bestimmte Waren früher in nicht brennbaren Blechbehältern gelagert, wird heute Polypropylen als Verpackung genutzt. Doch ein Kilogramm Polypropylen besitzt den Wärmeinhalt von zwei Litern Benzin. Die Folge: Bestehende Sprinkleranlagen genügen unter Umständen nicht mehr den brandschutztechnischen Anforderungen. Alte Sprinkleranlagen, die auf diese Gegebenheiten nicht ausgerichtet sind, verlieren ihre Schlagkraft.

Logistikunternehmen sollten daher in Bezug auf den Brandschutz eine Soll-Ist-Analyse durchführen und ggf. Optimierungen realisieren. Mit Blick auf zukünftige Anforderungen sind Neuanlagen mit einer gewissen Sicherheitsreserve auszulegen, um spätere Anpassungen zu ermöglichen.

Wenn zudem Gebinde mit brennbaren Flüssigkeiten eingelagert werden, die bei einem Brand herunterfallen und einen Flächenbrand auslösen können, reichen Sprinkleranlagen alleine nicht mehr aus. Hier wird der Freiraum unter der ersten Regalebene zur Installation eines Bodenbeschäumungs-Systems genutzt, das beim Anspringen des ersten Sprinklers startet und innerhalb von drei Minuten eine 80 cm hohe Decke aus stabilem Löschschaum bildet. Diese Schaumdecke erstickt die Flammen bereits im Ansatz.

Der statistische Löscherfolg von Sprinkleranlagen liegt in Deutschland heute bei 98%. Das honorieren die Feuerversicherer mit beachtlichen Prämiennachlässen. Und selbst wenn die Gesetzgebung in Deutschland dies noch nicht zwingend vorschreibt, ist eine Investition in den technischen Brandschutz allein schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Investition in die Zukunft.

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