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Tagung von Eurosolar und Energieagentur NRW zur dezentralen Energiespeicherung

(8.4.2003) Auf den Speicher kommt es an! Dann klappt's auch mit der dezentralen, nachhaltigen Energieversorgung. "Ohne die Lösung für das zentrale Problem der Energie-Speicherung werden alle Deklamationen, die fossilen durch regenerative Energieträger ersetzen zu wollen, nur fromme Wünsche bleiben", erklärte Dr. Hermann Scheer, Präsident von Eurosolar, anlässlich einer gemeinsamen Tagung mit der Energieagentur NRW in der Wuppertaler Stadthalle. "Wir müssen uns verstärkt den Energiespeicherungssystemen widmen, wollen wir den Markt der Regenerativen Energien weiter ankurbeln. Energiespeichersysteme sind der Schlüssel zur weiteren Entfaltung erneuerbarer Energien," so Scheer. Dabei gehe es weniger um die technische Herausforderung, die gelöst werden müsse, vielmehr gelte es jetzt, vorhandene Speichersysteme bekannt - und damit langfristig wirtschaftlich bzw. marktfähig zu machen.

Rund 120 Experten nutzten die Tagung "Dezentrale Energiespeicher - Schlüssel zur wirtschaftlichen Entfaltung erneuerbarer Energien" in Wuppertal zur Sondierung der technischen und ökonomischen Machbarkeit eines Umstiegs der Energieversorgung auf regenerative Energien.

Jörg Hennerkes, Staatssekretär im NRW-Energieministerium, betonte die Bedeutung der Effizienzsteigerung und der regenerativen Energien für die nordrhein-westfälische Energiepolitik: "Energiepolitik ist also immer weniger reine Rohstoffpolitik, die allein über die Bereitstellung fossiler Energieträger und deren Umwandlung in Strom, Wärme und Bewegungsenergie die Bedürfnisse nach einem hohen Lebensstandard mit Komfort und Mobilität befriedigen hilft," so Hennerkes. Energiepolitik werde zunehmend zur Innovations- und Technologiepolitik, die eine Abhängigkeit von Energieimporten senkt, Beschäftigung schafft und gleichzeitig dem Klimaschutz dient.

Ein Grundproblem der Regenerativen Energien ist, dass die Stromerzeugung nicht zu jeder Zeit gewährleistet ist: Der Wind weht nicht immer, das Sonnenlicht steht auch nicht stets in der gleichen Intensität zur Verfügung. Notwendig ist daher die Energiespeicherung, welche die zeitliche Verschiebung zwischen Leistungsangebot und Nachfrage von Energie ausgleicht. "Wir müssen nicht die Batterie neu erfinden, sollten uns aber ihrer genialen Funktionsweise wieder bewusst werden und hier weiter arbeiten, um dazu beizutragen, dass sich die regenerativen langfristig gegen die fossilen Energieträger durchsetzen," erklärte Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur NRW. Die Marktfähigkeit und Wirtschaftlichkeit von Energiespeichersystemen sei notwendige Voraussetzung für nachhaltige Energieversorgung. Vorher sei nicht mit einer weiteren Dynamisierung des Marktes für erneuerbare Energien zu rechnen. Ziel müsse nun sein, die erprobten Technologien zur Marktreife fortzuentwickeln. Gleichzeitig gelte es, innovative Anwendungen, wie zum Beispiel supraleitende magnetische Energiespeicher zum Sprung aus den Labors der Wissenschaftler in den Markt zu verhelfen.

Die Vielzahl der bereits entwickelten Energiespeicher versprechen in vielen Anwendungsbereichen problemgerechte Lösungen. Dipl.-Ing. Gerald Orlik von der Energieagentur NRW lenkte den Blick der Tagungsteilnehmer auf eben jene supraleitenden magnetischen Energiespeicher (SMES), die vor allem in der industriellen Produktion zur Anwendung gelangen können. "SMES können Sicherheit in Betrieben gegen kurzzeitigen Spannungsausfall und Spannungsschwankungen geben. Produktionsausfälle und hohe Kosten werden so vermieden", so Orlik. Bei der Wärmespeicherung gehöre die Zukunft den thermochemischen Speichern. Thermochemische Speicher speichern Wärme nahezu verlustfrei auch über große Zeiträume.

Trotz der Entwicklung neuer Speichermedien wird die altehrwürdige Bleibatterie nach Einschätzung von Dr. Rainer Wagner von der EXIDE Automotive Batterie GmbH "in ihren traditionellen Anwendungsbereichen auch in den nächsten Jahrzehnten das am meisten verwendete Energiespeichersystem bleiben." Wagner rechnet mit dem verstärkten Einsatz großer Bleibatterien in Verbindung mit Solar- und Windkraftanlagen. Die bisherigen Betriebserfahrungen seien sehr gut. Die Batterien vom OSCM-Typ sorgten für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, die Verringerung von Netzstörungen sowie den Spitzenlastausgleich. Allerdings müsse die Energiedichte weiter erhöht werden, verbunden mit einer hohen Zuverlässigkeit und langen Gebrauchsdauer.

Zum Darling zahlreicher Energiespeicher-Fachleute hat sich in der Vergangenheit der Wasserstoff entwickelt. Dr. Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut erteilte übertriebenen Erwartungen allerdings eine Absage: "Eine energiewirtschaftlich relevante Einführung von REG-Wasserstoff (regenerativ erzeugter Wasserstoff) ist auch bei engagierten Klimaschutzzielen nicht vor 2025 erforderlich und wegen der dann noch immer relativ hohen Kosten volkswirtschaftlich auch nicht sinnvoll." Fischedick stellte eine stufenweise Einführungsstrategie vor, die derzeitige Nachhaltigkeitsdefizite deutlich mindern könne. Die Strategie sieht zwar eine an der derzeitigen Dynamik anknüpfende Weiterentwicklung der regenerativen Energien vor. Trotz allem sei aber erst nach 2050 eine fortschreitende "Ablösung" der fossilen Energieträger durch eine vollständig auf REG beruhenden Energiewirtschaft bei "sukzessiven Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft möglich, die dann bis etwa Ende dieses Jahrhunderts andauern könnte". Voraussetzung sei zudem - sozusagen als Wegbereiter - eine begleitende Ausschöpfung der Energieeinsparpotentiale.

Olaf Schulze von der Freiberger Choren Industries GmbH stellte pflanzliche Kohlenwasserstoffe als Wasserstoffträger vor. Schulze erklärte, Wasserstoff allein könne die künftigen Anforderungen des Marktes nicht erfüllen. "Solare Kohlenwasserstoffe vereinen Vorteile auf sich, die Wasserstoff nicht besitzt. Dazu gehört, das Kohlenwasserstoffe bei Umgebungsdruck und Umgebungstemperatur lager- und transportstabil sind."

Die Tagung wurde im Rahmen des REN Impuls-Programms RAVEL NRW veranstaltet. Der Tagungsband findet sich im Internet unter ea-nrw.de/_infopool/...

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