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Einerseits: 50.000 Arbeitsplätze bei Freien Berufen bedroht - andererseits: Anstieg der Zahl der Selbstständigen auf 785.000

(18.1.2003) Der Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB), Dr. Ulrich Oesingmann, erklärt in Berlin: "Bei den Freien Berufen sind über 50.000 Arbeitsplätze akut von der Streichung bedroht." Eine Konjunkturumfrage des BFB zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und Prognose für das Jahr 2003 hat ergeben, dass die Freiberufler ihre wirtschaftliche Situation noch nie so schlecht beurteilt haben wie in diesem Jahr.

Gleichzeitig ist die Zahl der Selbstständigen in Freien Berufen auf 785.000 angestiegen (plus 3,2 Prozent). "Hierbei handelt es sich aber nicht um einen Ausdruck von Prosperität. Vielmehr resultiert dieser Anstieg aus Umschichtungen und 'Notselbstständigkeiten'. Insbesondere in der zusammengebrochenen Baubranche wurden viele vormals angestellte Ingenieure und Architekten in die Selbstständigkeit gezwungen."

Über nahezu alle Tätigkeitsbereiche hinweg erwarten die BFB-Mitglieder Umsatzrückgänge von bis zu 20 Prozent, insbesondere im Gesundheitsbereich. Oesingmann: "Das hat auch weitreichende Auswirkungen auf die Beschäftigung. Für neue Beschäftigungsimpulse kann nur eine Freigabe des Gesundheitsmarktes sorgen, in dem viele neue Arbeitsplätze entstehen könnten - das Potenzial ist auf jeden Fall da! Derzeit erleben wir leider das Gegenteil."

Auch auf dem Lehrstellenmarkt wirkt sich der negative Trend aus. Für das laufende Ausbildungsjahr wurden 3,7 Prozent weniger Verträge abgeschlossen als noch im Vorjahr, das entspricht einem Minus von über 2.000 Ausbildungsplätzen.

"Ursächlich für die Misere ist u.a. die hohe Steuer- und Abgabenbelastung, die hohen Beschäftigungsnebenkosten sowie das Ausbleiben einer strukturellen Anpassung der Gebühren- und Honorarordnungen der Freien Berufe, für die wir seit Jahren kämpfen. Hier wie auch in anderen Bereichen wurden uns Verbesserungen und Erleichterungen seitens der Politik immer wieder angekündigt. Als Resultat wurde uns dann jeweils das Gegenteil präsentiert. Hierunter hat die Glaubwürdigkeit der Politik gelitten.

Es ist die zwingende Aufgabe der Verantwortlichen in der Politik dafür zu sorgen, dass politisches Handeln wieder verlässlich ist", so Oesingmann abschließend.

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