Redaktion  || < älter 2002/1118 jünger > >>|  

"Runder Tisch Baukultur" in Rheinland-Pfalz: Architektenkammer begrüßt Ministerratsentscheidung

(11.12.2002) Die gestrige Entscheidung des Ministerrates, einen "Runden Tisch Baukultur" in Rheinland-Pfalz einzurichten, wird von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz begrüßt. Kammerpräsident Günther Franz sieht in dieser Entscheidung eine Bestätigung der schon seit mehr als zwei Jahren geführten Gespräche: "Rheinland-Pfalz muss weiter qualitätvolles Planen und Bauen sein. Gerade in einer für die gesamte Bauwirtschaft äußerts schwierigen Situation ist es dringend notwendig, eine breite Debatte über Architektur, Baukultur und Siedlungsentwicklungen zu führen. Dies bestätigt alleine schon das Bürgerinteresse bei vielen Fragen der Architektur und der Stadtentwicklung."

Die Architektenschaft, so Franz weiter, habe mit ihren "10 Forderungen an eine zukunftsorientierte Bau- und Architekturpolitik in Rheinland-Pfalz" bereits eine gute Grundlage für den Runden Tisch gelegt. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen und einer ebenfalls gebremsten privaten Bautätigkeit gebe es nicht nur die zeitliche Chance, sondern auch die Verpflichtung, über die Grundlagen des Planens und Bauens in Rheinland-Pfalz nachzudenken. Politik, Verwaltung, Wissenschaft und nicht zuletzt die Architekten und Ingenieure müssten jetzt in einen gemeinsamen Dialog auch mit der Öffentlichkeit treten. Es gelte, die Stärken weiterzuentwickeln und den nachhaltigen Einfluss des Bauens auf die regionale Standortqualität zu begreifen.

Eckpunkte seien dabei die Wertschätzung und Respektierung von Architektur, Städtebau und Landschaftsgestaltung als wichtige Elemente eines verantwortungsbewussten Umganges mit Natur- und Stadtraum im Zusammenspiel mit den sozialen, kulturellen und ökonomischen Bedürfnisse der Menschen. In der Pflege des baukulturellen Erbes durch die Erhaltung und zeitgemäße Nutzung wertvoller historischer Bausubstanz sieht Franz einen weiteren Ansatzpunkt für die Politik.

Bis zur für Frühjahr 2003 geplanten Auftaktveranstaltung liegt nun aus Sicht der rheinland-pfälzischen Architektenschaft noch ein bedeutendes Stück Vorbereitungsarbeit bei allen Beteiligten. Die seitens des Ministerrates gewünschte Aufbruchstimmung sei mit konkreten Projekten und Maßnahmen zu unterfüttern, um eine tragfähige Entwicklung einleiten zu können.

Die Idee des Runden Tisches Baukultur geht auf die Festveranstaltung zum 50-Jährigen Jubiläum der Architektenkammer Rheinland-Pfalz im März 2000 in Mainz zurück.


Entschließung der Vertreterversammlung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz:
10 Forderungen an eine zukunftsorientierte Bau- und Architekturpolitik in Rheinland-Pfalz

Präambel:

Wie kaum eine andere gesellschaftspolitische Äußerung reflektiert DAS BAUEN die geistige und ökonomische Verfassung einer Gesellschaft.
In einer Phase verbreiteter Globalisierungsanstrengungen und der Kommerzialisierung aller Lebensbereiche erlangt die KULTUR DES BAUENS zunehmende Bedeutung als sozialer und kultureller Identifikationsfaktor wie auch als Element einer kreativen Wirtschaftsförderungspolitik.
ARCHITEKTUR, INNENARCHITEKTUR, STÄDTEBAU UND LANDSCHAFTSGESTALTUNG bestimmen die Beschaffenheit und das Bild unserer Städte, Dörfer; Landschaften und Arbeitswelten, schaffen die Voraussetzungen für Akzeptanz und Wohlbefinden der Menschen bezogen auf Region und Lebensraum. Förderung und Sicherung des Anspruchs eines jeden Bürgers auf eine lebenswerte, natürliche und gebaute Umwelt sind eine bedeutsame Verpflichtung handelnder Politik.

Zu fordern sind:

  1. Bewertung und Respektierung von Architektur, Städtebau und Landschaftsgestaltung als wichtige Elemente eines verantwortungsbewussten Umganges mit Natur- und Stadtraum (Standortqualität).
  2. Pflege des baukulturellen Erbes vermittels gezielter Sicherung wertvoller historischer Bausubstanz ggf. unter Einbeziehung zeitgenössischer Gestaltungsmittel.
  3. Sicherstellung der Voraussetzungen zur Erlangung hoher Gestaltungsqualität in Verbindung mit Kunst und Handwerk bei öffentlichen Baumaßnahmen (Vorbildfunktion).
  4. Aktive Unterstützung eines unter ästhetischen, sozialen und materiellen Gesichtspunkten hochwertigen Bauens als Wirtschaftsfaktor (Exportförderung !).
  5. Qualitätssicherung beim Bauen durch gezielte Förderung von Forschung und Innovation zugunsten von Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
  6. Erhalt, Stabilisierung und wirtschaftliche Förderung des bewährten Prinzips Architektenwettbewerb als Instrument zur Ergebnisoptimierung und der Förderung talentierter junger Architekten.
  7. Bewahrung der Unabhängigkeit der Planung gegenüber einseitig kommerziell motivierter Interessen als Voraussetzung für eine an ethischen Prinzipien orientierten Planungskultur und einem wirksamen wirtschaftlichen Ausführungswettbewerb.
  8. Konzentration und Beschränkung der öffentlichen Auftraggeber einschließlich der mit ihnen verbundenen Wirtschaftsunternehmen auf eine verantwortungsbewusste Ausübung der Bauherren- und Steuerungsfunktionen.
  9. Reform der Architektenausbildung, abgestellt auf ein ganzheitliches Berufsbild und internationale Konkurrenzfähigkeit.
  10. Entwicklung von Strategien zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für ein zukunftsfähiges, architektonisch wertvolles Bauen als öffentliche Angelegenheit vermittels einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit und unter Einbeziehung der Schul- und Erwachsenenbildung.

An Landtag, Landesregierung und Gebietskörperschaften ergeht der dringende Appell, vorstehend formulierte Ansprüche im Rahmen der Verantwortung gegenüber den Bürgern des Landes und ihrem Lebensraum zu beachten und in Form einer aktiven, weitblickenden Bau- und Umweltpolitik umzusetzen.

siehe auch:

ausgewählte weitere Meldungen:

siehe zudem:


zurück ...
Übersicht News ...
Übersicht "Broschüren" ...