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Wohnungsgenossenschaften in der Krise

(15.10.2002) Den Immobilieneigentümern in den neuen Ländern geht es schlecht. Die Anzahl der Zwangsverwaltungen und Zwangsversteigerungen nimmt zu, ein Ende dieser Negativentwicklung ist nicht abzusehen. Selbst große Immobiliengesellschaften sind betroffen: Vor allem die rund 750 Wohnungsgenossenschaften stecken in Schwierigkeiten. Experten rechnen damit, dass mindestens 20 Prozent davon in den nächsten Jahren Konkurs anmelden müssen.

Der Dachverband der Deutschen Immobilienverwalter e.V. (DDIV) hat auf diese Entwicklung nun reagiert. Der Verband bietet erstmals für seine Berufsgruppe einen speziell auf das Thema Zwangsverwaltung zugeschnittenen Lehrgang an. "Die Banken suchen händeringend nach guten Immobilienmanagern, damit ihre Sicherheiten nicht dem Verfall preisgegeben sind", erläuterte der Geschäftsführer des DDIV, Karlheinz Körner, auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes. Der erste Lehrgang "Zwangsverwaltung von Immobilien" (mit IHK-Lehrgangszertifikat) startet Ende Oktober an der IHK Bildungsakademie in Magdeburg. Der Lehrgang ist eine Kooperationsmaßnahme des Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter e.V. mit der IHK-Bildungsakademie Magdeburg.

Für Teilnehmer aus der Immobilienbranche wird damit erstmals eine Spezialisierungsrichtung angeboten, die in der Praxis immer mehr an Bedeutung gewinnt: die Zwangsverwaltung von Immobilien. Der Lehrgang richtet sich aufgrund der Komplexität des Themas speziell an Fachleute. Eine Ausbildung zum/zur Immobilienkaufmann/-frau wird vorausgesetzt. Alternativ reicht auch der Nachweis einer mindestens zweijährigen einschlägigen Tätigkeit in dieser Branche, dabei werden Kenntnisse in der Bewirtschaftung von Immobilien vorausgesetzt.

Die Wohnungsgenossenschaften in den neuen Bundesländern haben rund 1,05 Millionen Wohnungen in ihrem Bestand. Die enorme Leerstandsquote und der drastische Mietpreisverfall haben mittlerweile die Eigenkapiteldecke vieler Genossenschaften nahezu aufgebraucht. Die Bundesregierung hat im August eine Expertenkommission eingerichtet, die Vorschläge zur Zukunft der Wohnungsgenossenschaften erarbeiten soll.

Hintergrundinfo: Bundesweit gibt es ca. 20.000 Grundstücks- und Wohnungsverwaltungsunternehmen. Einer ihrer großen Interessenver-bände ist der Dachvervband Deutscher Immobilienverwalter e.V., dessen Mitglieder nach eigener Darstellung rund 1 Million Immobilieneinheiten im Wert von ca. 103 Milliarden Euro betreuen.

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