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Norddeutsche Bauwirtschaft: "Wir gehen im Norden in den freien Fall über"

(9.8.2002) Das Frühjahr 2002 war eines der schwärzesten, das die Norddeutsche Bauwirtschaft je erlebt hat. Statt einer erhofften, und saisonal eigentlich auch zu erwartenden Erholung, stand auch im Mai vor allen Zahlen ein deutliches Minus-Zeichen. Besonders dramatisch ist die Lage bei den Umsätzen und den Auftragseingängen.

Schleswig-Holstein musste im Mai 2002 mit einem Umsatzvolumen von 198 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Rückgang von 20,5 Prozent hinnehmen. Die Hamburger Bauwirtschaft erzielte im Mai 2002 nur einen Umsatz von 142 Mio. Euro. Das bedeutet hier ein Minus von knapp 16 Prozent zum Mai 2001.

Bedrohlich ist auch die Situation bei den Auftragseingängen. Konnte die Hansestadt Hamburg im Mai 2001 noch Aufträge im Wert von 180 Mio. Euro verzeichnen, steht hier im Mai dieses Jahres mit 66 Mio. Euro ein Rückgang von 63,3 Prozent zu Buche. Das nördlichste Bundesland musste ebenfalls einen weiteren, deutlichen Einbruch bei den Aufträgen von 18,5 Prozent auf 100 Mio. Euro hinnehmen.

Entsprechend fielen im Mai 2002 die Beschäftigtenzahlen aus. In Hamburg mussten im Vergleich zum Vorjahresmonat 1.333 Beschäftigte ihre Kündigungspapiere entgegen nehmen (-10,37 Prozent). In Schleswig-Holstein standen im Mai 2002 sogar 3.293 Mitarbeiter weniger auf den Gehaltslisten der Firmen als im Mai 2001 (-11,8 Prozent).

"Bei diesen Zahlen kommt sicher keine Hoffnung auf einen absehbaren Aufschwung in der Baubranche auf", sagte Sönke Voß, Vorstandsvorsitzender des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein. "Wir sind mitten in einem tiefen wirtschaftlichen Loch und weit und breit ist kein rettendes Seil in Sicht. Im Gegenteil: Im Norden gehen wir in den freien Fall über. Gerade hat wieder ein großes Unternehmen mit rund 100 Beschäftigten in Schleswig-Holstein die Segel streichen müssen. Die politisch Verantwortlichen wissen darum - aber unsere Vorschläge zur Ankurbelung der Nachfrage, wie die steuerliche Absetzbarkeit von Bauleistungen oder die Halbierung des Steuersatzes auf Bauleistungen, werden ignoriert."

Wie Voß kritisierte auch Dr. Friedrich W. Oeser, Vorsitzender des Bauindustrieverbandes Hamburg, die fehlende Unterstützung der politisch Verantwortlichen: "Wir können angesichts dieser Entwicklung nicht mehr an einen sichtbaren Aufschwung im zweiten Halbjahr glauben. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt schneiden sowohl Hamburg als auch Schleswig-Holstein deutlich schlechter ab. Wenn hier die Politik nicht helfend eingreift - ich nenne nur Senkung der Lohnnebenkosten und Steigerung der öffentlichen Bauaufträge - wird vom größten Arbeitgeber der Republik, der Bauwirtschaft, nicht mehr viel übrig bleiben."

Zur Erinnerung: Die Norddeutsche Bauwirtschaft setzt sich zusammen aus: Baugewerbeverband Schleswig-Holstein, Norddeutscher Baugewerbeverband Hamburg, Bauindustrieverband Schleswig-Holstein, Bauindustrieverband Hamburg.

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