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Bürgschaften und Kreditvergabeverhalten der Banken belasten Bauwirtschaft

(8.8.2002) "Wie keine andere Branche wird die Bauwirtschaft seitens der Auftraggeber mit Bürgschaftsforderungen überzogen. Im Schnitt beträgt das Bürgschaftsvolumen inzwischen bis zu 35 Prozent des Jahresumsatzes eines Bauunternehmens". Darauf wies am 6. August in Berlin der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, RA Michael Knipper, hin. Da die Bürgschaften mittlerweile zu 100 Prozent - anstatt wie früher zu 50 Prozent - auf das haftende Eigenkapital der Banken angerechnet würden, täten sich viele Banken schwer, selbst gesunden Bauunternehmen Bürgschaften einzuräumen. Diese zunehmend rigidere Politik der Banken sei zu einer schweren finanziellen Belastung für die deutschen Baufirmen geworden. Knipper forderte deshalb die Kreditwirtschaft auf, sich mit der Bauwirtschaft an einen Tisch zu setzen und ein gemeinsames Lösungskonzept zu entwickeln.

Knipper verwies in diesem Zusammenhang auf einen Erfolg des Hauptverbandes im Kampf gegen überzogene Bürgschaftsanforderungen. Der Deutsche Vergabe- und Verdingungsausschuss habe bei der jüngsten Novellierung des Teiles B der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) festgelegt, dass öffentliche Auftraggeber künftig von ihren Auftragnehmern keine so genannten "Bürgschaften auf erstes Anfordern" mehr verlangen dürften. Knipper: "Diese Entscheidung hat Signalwirkung für die deutsche Bauwirtschaft."

Auch das Kreditvergabeverhalten der Banken sei zunehmend restriktiver geworden. Sie kämen ihrem Auftrag, die deutsche Bauwirtschaft mit Krediten zu versorgen, in immer geringerem Umfang nach. Dies treffe insbesondere den bauwirtschaftlichen Mittelstand, so Knipper. Er verwies auf die Ergebnisse einer Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Diese hatte in Zusammenarbeit mit 20 Unternehmensverbänden, darunter dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, eine Unternehmensbefragung zum Kreditvergabeverhalten der deutschen Banken durchgeführt.

Die Ergebnisse sind aus Sicht der Bauwirtschaft alarmierend. Nahezu die Hälfte der Bauunternehmen gab an, dass ihre Kreditaufnahme in den letzten Monaten schwieriger geworden sei. Jeweils jedem sechsten Bauunternehmen wurde im vergangen Jahr die Kreditlinie gekürzt bzw. ein Kredit für eigene Investitionen versagt. Die Unternehmen führen dies hauptsächlich auf eine restriktivere Geschäftspolitik der jeweiligen Bank zurück.

Knipper forderte die Banken auf, nicht alle Bauunternehmen "über einen Kamm zu scheren" und sie für die Konjunktur- und Strukturprobleme der Branche in Haftung zu nehmen. Solvente und gesunde Unternehmen müssten weiterhin mit ausreichender Liquidität versorgt werden.

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