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Verband Beratender Ingenieure: Talfahrt der deutschen Consulting-Wirtschaft nicht beendet

Umsätze und Erträge gehen weiter zurück - Ingenieure leiden unter Preis-Dumping - keine Impulse für den Arbeitsmarkt erwartet

(29.4.2002) "Die Talsohle ist für die deutsche Consulting-Wirtschaft noch nicht erreicht." Dies betonte Dipl.-Ing. Klaus Rollenhagen, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Beratender Ingenieure VBI, heute anlässlich der Vorstellung der aktuellen VBI-Konjunktur-Umfrage in Berlin. Der Abwärtstrend bei den Umsätzen unserer Mitgliedsunternehmen in den Vorjahren setzt sich weiter fort, denn die Bilanzen stehen in diesem Jahr wieder schlechter da:

  • 46% der Ingenieurunternehmen mussten 2001 gegenüber dem Vorjahr Umsatzeinbußen hinnehmen (2000 waren es 41%),
  • bei 31% stagnierten die Umsätze im Jahr 2001,
  • lediglich 23% (Vorjahr 24%) konnten die Umsätze steigern.

Bei den Erträgen sieht es nicht besser aus: 51% der Ingenieure mussten sinkende Erträge verbuchen. Für das Jahr 2000 meldeten 48% Ertragseinbußen. Nur 22% konnten 2001 den Unternehmensertrag verbessern. In der Erwartung an das laufende Jahr zeigen sich die Unternehmen pessimistisch:

Nur 14% glauben an eine Ertragssteigerung, 41% hoffen auf eine gleichbleibende Entwicklung und fast jedes zweite Unternehmen (45%) fürchtet sinkende Erträge. Im Vorjahr waren es nur 34%.

Bei dieser schlechten Stimmungslage können die Beratenden Ingenieure keine positiven Impulse für den Arbeitsmarkt geben. 68% der befragten VBI-Mitgliedsunternehmen werden keine neuen Arbeitsplätze schaffen. Rund 24% müssen sogar ihren Personalbestand im laufenden Jahr verringern. Nur 8% planen Neueinstellungen - 2001 waren es noch 11%.

Die seit Jahren angespannte wirtschaftliche Situation der Consulting-Branche habe einen neuerlichen Tiefpunkt erreicht, erklärte Rollenhagen: "Deutschland spart sich kaputt, wenn notwendige Investitionen nicht getätigt werden. Wir fordern die politischen Entscheidungsträger und die Entscheider der Wirtschaft auf, falsche Rahmenbedingungen zu korrigieren, Investitionen jetzt zu tätigen und das technisch-wirtschaftliche Consulting am Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken."

Neben der schlechten Auftragslage leiden 86% der Consulting-Unternehmen unter dem Preisverfall durch das ungesetzliche "Drücken" der Honorare. Rollenhagen mahnte die Auftraggeber desshalb an, die Situation nicht durch eine Vergabe zu Dumpingpreisen zu verschärfen und unterstrich nachdrücklich die Bedeutung der Honorarordnungen für den Verbraucherschutz. Eine Überarbeitung der HOAI sei andererseits aber auch längst überfällig, da sie in ihrer gegenwärtigen Form die wirtschaftliche Existenz der freiberuflichen Ingenieurbüros in Frage stellt. Die derzeitige Lage verhindere auch notwendige Investitionen in die Weiterbildung der Mitarbeiter.

Fairplay und Impulse seien insbesondere im regionalem Umfeld wichtig, da 81% der Unternehmen überwiegend dort tätig sind: "Wenn die Kassen der Kommunen leer bleiben, kommt die regionale Bau- und Planungswirtschaft nicht in Fahrt. Wichtige Infrastruktur-Investitionen sind jetzt erforderlich. Denn was jetzt nicht geplant wird, kann in ein paar Jahren nicht gebaut werden", so Rollenhagen.

Die Ingenieure reagieren auf die schwierige Situation mit Kreativität:

  • Knapp 26% der befragten Unternehmen erwirtschaften ihre Erträge bereits zu über 50% mit neuen technischen Dienstleistungen und erschließen sich damit zusätzliche Märkte.
  • 18% der Umfrageteilnehmer wollen ihr Auslandsgeschäft ausweiten. Rollenhagen forderte die Bundesregierung deshalb auch auf, technische Dienstleister im Export stärker zu unterstützen. So solle die vom BMWi initiierte Exportfördermaßnahme "Professionals in Dialogue" verstärkt fortgeführt werden, um deutschen Ingenieuren den Zugang zu neuen Märkten zu erleichtern. Auch der vom VBI vorgeschlagene Projektentwicklungsfonds sei überfällig.

Gleichzeitig werden die Ingenieurbüros von Nachwuchssorgen geplagt: 53% der Consultingunternehmen können Ingenieurstellen weder schnell noch qualifiziert besetzen. "Junge Menschen müssen für die Ingenieurberufe wieder begeistert werden. Wir sind alle aufgerufen, dafür zu werben", betonte der VBI-Chef.

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