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Deutsches Bauhauptgewerbe: Fehlstart ins Baujahr 2002

(3.4.2002) Im deutschen Bauhauptgewerbe lässt die konjunkturelle Trendwende auf sich warten. Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in der jüngsten Ausgabe seines "Aktuellen Zahlenbildes" berichtet, ist das Volumen des Auftragseingangs im Januar um nominal 5,9% gesunken. "Die Hoffnung, dass sich die Baunachfrage nach dem schlechten Ausklang des letzten Jahres zu Beginn des neuen Jahres wieder erholen würde, hat sich nicht erfüllt," kommentierte gestern in Berlin der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes, RA Michael Knipper, den unbefriedigenden Start ins neue Jahr.

"Der einzige Lichtblick ist der Öffentliche Bau", stellte Knipper fest. Die Nachfrage der Gebietskörperschaften nach Bauleistungen ist um 14,7% gestiegen - zum großen Teil hervorgerufen durch ein Plus im Straßenbau von 29,8%. "Um die schlechten Zahlen im Wirtschaftsbau (-11,9 %) und im Wohnungsbau (-17,8 %) zu kompensieren, reicht dies aber leider nicht," bedauerte Knipper. "Um so wichtiger ist es, dass sich der Anstieg der öffentlichen Auftragseingänge nicht als Strohfeuer herausstellt. Die deutsche Bauwirtschaft braucht heute mehr denn je die öffentliche Investitionswende."

Die Auftragsbestände sind zum Ende 2001 auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung zurück gefallen. Ende 2001 hatte die Summe aller noch nicht ausgeführten Bauaufträge nur noch einen Wert von 21,3 Mrd. Euro. Das sind 35% weniger als im umsatzstärksten Jahr 1995 und 27% weniger als 1991. Tiefstände gibt es sowohl in West- als auch in Ostdeutschland: Die Bestände waren in den neuen Bundesländern zuletzt 1991 und in den alten Bundesländern 1988 niedriger als heute.

"Auf dieser Basis ist ein weiterer Anstieg der Insolvenzzahlen im Bauhauptgewerbe vorprogrammiert," prognostizierte Knipper. Im letzten Jahr wurde die höchste Zahl an Konkursen von Bauunternehmen seit der Wiedervereinigung gemeldet. Insgesamt mussten 9.000 Unternehmen des Baugewerbes, darunter 4.900 Unternehmen des Bauhauptgewerbes, Insolvenz anmelden. Damit lag die Zahl im Bauhauptgewerbe um 8,5% über dem Vorjahreswert. Dabei ist die Zahl der Insolvenzen in Westdeutschland mit 12,2% stärker angestiegen als in Ostdeutschland mit 2,8%. "Obwohl diese Zahlen erschreckend sind, ist ein Kapazitätsabbau unumgänglich. Solange aber bei einer Insolvenz - oft auch als Spaltprodukte - zwei oder drei neue Unternehmen nachwachsen, kann der Abbau nicht stattfinden," mahnte Knipper. Nach wie vor entfallen laut Creditreform in Westdeutschland 8,4% und in Ostdeutschland sogar 16,5% aller Unternehmensgründungen auf das Baugewerbe.

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