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Allianz für Europa: Kammern und Verbände unter einem Dach

(2.4.2002) Das Europa der heutigen EU wird im Jahre 2010 nur noch 5% der Gesamtbevölkerung der Welt ausmachen. Das zeigt nach übereinstimmender Meinung von Prof. Dipl.-Ing. Karl Kling, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, und Dr. Friedrich Steiger, Vorsitzender des VUBIC-Vorstands, wie notwendig es ist, als deutsche Standesvertreter zusammenzustehen und mit einer Stimme zu sprechen. In der Forderung nach regelmäßigen Spitzengesprächen zwischen Kammern und Verbänden wurde aber auch deutlich: Die Ingenieure brauchen eine gemeinsame europäische Vertretung. Für Rivalitäten darf kein Platz sein. "Vaclav Havel stellte fest, dass die Staaten und Regierungen das geeinte Europa nicht schaffen könnten, wenn nicht die Unterstützung der Völker vorliegt. Um diese Unterstützung müssen auch Kammern und Verbände unter ihren Mitgliedern werben," sagte Präsident Kling. Um den richtigen Weg in Europa bemühen sich beide daher gemeinsam. Das geht nach Meinung von Kling und Steiger nur durch Offenheit und Ehrlichkeit sowie durch eine Kooperationspolitik, die sich durch Kollegialität, Solidarität und Arbeitsteilung auszeichnet.

Ingenieurunternehmen bieten sich - allen Umstellungsschwierigkeiten zum Trotz - vielfältige Chancen, auf den europäischen und den Weltmärkten Flagge zu zeigen, und zwar mit der ausgezeichneten Qualität ihrer Dienstleistungen. Mit erstklassigem Planungs- und Beratungsservice, mit Zuverlässigkeit, kurzum, mit all dem, was den Begriff 'Made in Germany' auszeichnet, sind deutsche Ingenieure seit Jahrzehnten weltweit präsent. "Entscheidend ist, dass wir uns von den Fesseln der deutschen Bürokratie lösen. Bestehende Wettbewerbsverzerrungen ganz gleich, ob diese nationaler oder europäischer Natur sind, müssen wir mit dem Ziel einer allgemeinen Chancengleichheit aller Mitbewerber im EU-Binnenmarkt ausräumen," meinte Steiger. Deutschland verfügt im internationalen Standortwettbewerb prinzipiell über exzellente Voraussetzungen. An Schlagkraft werden die Beratenden Ingenieure in Europa aber erst gewinnen, wenn es gelingt, die Atomisierung ihrer Interessenvertretungen zu beenden.

Unterstützung bei dem Aufbruch zu neuen Märkten erwarten Kammern und Verbände nicht nur von Wirtschaft und Verwaltung, sondern vor allem auch von der Politik. Steiger forderte Schritte zur politischen Flankierung von technischen Dienstleistungsexporten, damit deutsche Ingenieure ihre Stärken auch gegenüber Wettbewerbern etwa aus den skandinavischen und angelsächsischen Ländern deutlicher ausspielen können. Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind die Adressaten des politischen Lobbying der Ingenieure, dass, da waren sich Kling und Steiger einig, künftig einer qualitativen Verbesserung und deutlichen Intensivierung bedarf. Zwar haben sich Kammern und Verbände bisher der Verwässerung der freiberuflichen Identität und des gewachsenen Berufsethos ihrer Mitglieder erfolgreich entgegengestemmt, die bisher in der Diskussion der Berufsbilder und der Notwendigkeit eines Berufsausübungsgesetzes erzielten Ergebnisse bewerteten beide jedoch als unbefriedigend. "Die EU muss sich auf die Aufgaben konzentrieren, die sinnvoller Weise nur auf europäischer Ebene erledigt werden können. Dies bedeutet auch, dass die Handlungsfähigkeit Europas in solchen Fragen sichergestellt sein muss, die nur gemeinschaftlich bewältigt werden können. Dazu zählt aus Ingenieursperspektive beispielsweise die transeuropäische Verkehrs- und Energieinfrastruktur aber auch die überfällige Anhebung der Schwellenwerte," sagte Kling.

In den Augen vieler Menschen macht Europa zu viel Kleines und zu wenig Großes. Überflüssige Regulierungen aber auch Attacken, wie die des Wettbewerbskommissars Mario Monti gegen die Freien Berufe, schaden dem europäischen Gedanken. Der britische Premierminister Blair charakterisierte die Ziele einer modernen Europapolitik mit folgenden Worten: "Integration, wo nötig, Dezentralisierung, wo möglich. Europa sollte das Große besser tun und sich aus dem Kleinen weitgehend zurückziehen." Eine derartiges Verständnis der europäischen Zuständigkeiten würde vor dem Hintergrund der bevorstehenden Osterweiterung der EU von Kammern und Verbänden gleichermaßen begrüßt werden.

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