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Bayerische Ingenieurekammer-Bau: Strukturwandel treibt Planer ins Ausland

(20.11.2001) Der strukturelle Anpassungsprozess im Bauwesen wird sich, nach Überzeugung des Präsidenten der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau Prof. Karl Kling, auch im Jahr 2002 fortsetzen. Eine Umfrage der Kammer zur "wirtschaftlichen Lage und Entwicklung der freiberuflichen Ingenieurbüros in Bayern" zeigt keine Verbesserung der Ertrags- und Auftragssituation der rund 840 bayerischen Ingenieurunternehmen. Als "im höchsten Maße alarmierend" bewertet Kling, dass 41 Prozent der Befragten im kommenden Jahr weitere Umsatzrückgänge erwarten, 30 Prozent auf Investitionen verzichten und 24 Prozent Entlassungen vornehmen wollen.

Ohne eine Investitionsoffensive der öffentlichen Hand sieht der Kammerpräsident die Existenz vieler Planungsbüros bedroht. Einer von Industrieinteressen dominierten Diskussion um die Ausweitung des ordnungspolitischen Rahmens zur privaten Finanzierung öffentlicher Infrastruktur steht Kling dennoch reserviert gegenüber. An Politik und Verwaltung appelliert er, Wege zu finden, die den beschränkten materiellen Ressourcen des Mittelstands Rechnung tragen. Eine Benachteiligung freiberuflicher Planer bei Infrastrukturaufträgen lehnt Kling ab: "Der Staat darf Massenentlassungen und Rekordpleiten nicht nachträglich durch Konzessionen belohnen."

Unverkennbar erscheint Kling das wachsende Interesse am Export von Ingenieurplanungsleistungen. Beachtung verdiene, dass 38 Prozent der bayerischen Planer im kommenden Jahr die Intensität ihres Auslandsengagements verstetigen oder steigern wollen. Die Motive für die Wagnisbereitschaft liegen auf der Hand: Nur 9 Prozent der bayerischen Planer erwarten noch Zuwächse auf dem heimischen Markt. Hingegen rechnet beinahe jeder neunte Befragte mit einer stagnierenden oder gar rückläufigen Zahl von Inlandsaufträgen.

Nicht nur ihren Aufträgen, sondern auch ihrem Geld laufen die Planer häufig hinterher: "Zu viele Bauherren missbrauchen die Honorare als verlängerte Kreditlinie, ignorieren Mahnungen und bringen Ingenieurunternehmen in die Gefahr der Insolvenz", beklagt Kling. Nur 9 Prozent der privaten und 12 Prozent der öffentlichen Auftraggeber überweisen ihre Rechnungen regelmäßig zum Fälligkeitstag.

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