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Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e.V.: Dramatische Auftragseinbrüche im Hochbau

(9.8.2001) Nach Einschätzung des Geschäftsführers der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, RA Rolf Sterzel, wird sich die Lage der Baubetriebe in der Region vor allem im Hochbau in der zweiten Jahreshälfte noch weiter verschärfen. "Sollte sich die Auftragslage weiterhin derart schwach entwickeln, dann werden die Baubetriebe nicht umhin kommen, ihre personellen Kapazitäten weiter nach unten hin anzupassen," sagte RA Sterzel.

Nach den neusten Daten der statistischen Landesämter in Berlin und Potsdam ist es in den ersten fünf Monaten des Jahres zu einem dramatischen Einbruch bei den Auftragseingängen im Bauhauptgewerbe gekommen. Die Auftragseingänge, die für die Betriebe mit 20 Beschäftigten und mehr festgestellt werden, sind bis einschließlich Mai 2001 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum in Berlin um 38% auf rd. 1,3 Mrd. DM und in Brandenburg um 9,8% auf rd. 1,8 Mrd. DM zurückgegangen. In Berlin hat sich die Auftragslage insbesondere im gewerblichen Hochbau (-51,9%) und im Wohnungsbau (-42,3%) verschlechtert. In Brandenburg verminderte sich die Nachfrage nach Bauleistungen ebenfalls im Wohnungsbau um 29,1% und im öffentlichen Hochbau um 26,6% besonders stark. Im Tiefbau verbuchten die Baubetriebe aus Berlin und Brandenburg dagegen mehr Aufträge als noch vor Jahresfrist. Während das Auftragsplus bei den Berliner Baubetrieben ausgehend von einem niedrigen Niveau im Straßenbau 5,1% und im sonstigen öffentlichen Tiefbau 9,7% ausmachte, stiegen die Auftragseingänge im Brandenburger Straßenbau um 47,7% und im sonstigen öffentlichen Tiefbau um 16,5%. "Aufgrund der hohen Bundeszuschüsse haben wir es in Brandenburg im Straßenbau mit einer Sonderentwicklung zu tun, die allerdings das Minus bei den Auftragseingängen nicht wettmachen konnte," sagte RA Sterzel.

Zeigte sich die Entwicklung der Auftragslage uneinheitlich, so sind die Umsätze sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau weiter rückläufig. Die Baubetriebe aus Berlin und Brandenburg mussten in sämtlichen Bausparten teilweise sehr einschneidende Umsatzeinbußen hinnehmen. Insgesamt gingen die Umsätze im Berliner Bauhauptgewerbe bis einschließlich Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25,6% auf rd. 2,1 Mrd. DM zurück. Im Brandenburger Bauhauptgewerbe verminderte sich der Umsatz im gleichen Zeitraum um 21,3% auf 2,4 Mrd. DM. Die schärfsten Umsatzrückgänge verzeichneten die Baubetriebe im Wohnungsbau, die in Berlin mit einem Minus von 37,9% und in Brandenburg mit 32,7% im Berichtszeitraum abschlossen. Die Betriebe erwirtschafteten in dieser Sparte nur noch ein Ergebnis von rd. 440 Mio. DM in Berlin und 750 Mio. DM in Brandenburg.

Diese negative Entwicklung ist nicht spurlos am Bauarbeitsmarkt vorbeigegangen. Die Beschäftigung gewerblicher Bauarbeitnehmer hat nach den Daten der statistischen Landesämter in Berlin um 23,9% auf 17.975 und in Brandenburg um 16,7% auf 37.937 weiter abgenommen. Neben der sinkenden Baunachfrage machte der Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau vor allem die ungelösten strukturellen Probleme (Beschäftigung von Dumpinglöhnern / zunehmende illegale Beschäftigung) für die äußerst schwierige Lage der mittelständischen Baubetriebe und den anhaltenden Arbeitsplatzabbau verantwortlich.

Rolf Sterzel verwies auf die Forderung der Fachgemeinschaft Bau, die Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung energischer als bisher zu bekämpfen. RA Sterzel erklärte: "Wir brauchen von der Politik neue Konzepte, um die illegale Arbeit wieder in die Legalität zu überführen. Im Bereich des Wohnungsbaus sollte daher auch der private Bauherr die Möglichkeit erhalten, Aufwendungen für Bauleistungen steuerlich geltend zu machen. Außerdem könnte daran gedacht werden, die Bauarbeiter, die im Wohnungsbau tätig sind, hinsichtlich der Sozialabgaben beitragsfrei zu stellen."

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